Kommentar: SPD setzt auf Angriff

Christoph Reichmuth/Berlin
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Christoph Reichmuth. (Bild: Rudi-Renoir Appoldt, info@rrenoi)

Christoph Reichmuth. (Bild: Rudi-Renoir Appoldt, info@rrenoi)

Das wichtige Wahljahr in Deutschland beginnt mit einer Überraschung: Nicht SPD-Parteichef und Vizekanzler Sigmar Gabriel, sondern der eben erst aus Strassburg zurückgekehrte ehemalige EU-Parlamentspräsident Martin Schulz steigt gegen Kanzlerin Angela Merkel in den Ring.

Gabriels Rückzug verdient Res­pekt. Der 57-Jährige ist partei­intern und in der Bevölkerung nicht sonderlich beliebt. Die in Umfragen auf 20 Prozent zusammengeschrumpfte SPD kann aber nur einen glaubwür­digen Wahlkampf betreiben, wenn alle hinter ihrem Spitzenkandidaten stehen. Sonst wird die Partei von der CDU auch 2017 wieder abgewatscht.

Martin Schulz ist nicht der Heils­bringer der darbenden SPD. Aber sein vermeintlicher Nachteil dürfte im Wahlkampf sein grosser Vorteil sein: Nach über 20 Jahren Arbeit für die EU fehlt es Schulz an innenpolitischer Erfahrung. Genau das könnte sein Trumpf sein. Er ist in Deutschland unverbraucht und kann nicht für die Politik seiner Genossen der letzten Jahre mitverantwortlich gemacht werden. Der von der SPD-Regierung einst forcierte Ausbau des Niedriglohnsektors hat viele ehemalige SPD-­Anhänger bis heute vergrault. Schulz aber steht für eine an­dere Politik und für Aufbruch.

Der redegewandte Schulz kann den Wahlkampf gegen die rhe­torisch hölzern wirkende Merkel zumindest etwas offener gestalten – auch wenn Merkel nun nicht in Ehrfurcht zu erstarren braucht und nach wie vor die besten Karten in den Händen hält. Indem SPD-Chef Gabriel den Weg für Schulz freiräumt, setzt er auch das Signal: Die SPD will es 2017 wirklich wissen.

Christoph Reichmuth/Berlin

christoph.reichmuth@luzernerzeitung.ch