KOMMENTAR: Trump hilft Wilders nicht

Remo Hess, Brüssel
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Remo Hess. (Bild: Matthias Marx)

Remo Hess. (Bild: Matthias Marx)

Wo er auftaucht, sind die Augen auf ihn gerichtet. Ob es an der absurd-blonden Haarpracht liegt oder an den mehreren Bodyguards, die den Rechtspopulisten auf Schritt und Tritt begleiten – Wilders ist nicht zu übersehen. Das mussten auch die anderen Parteien in den Niederlanden eingestehen. Obwohl Wilders weiterhin als Persona non grata behandelt wird, sehen sich die etablierten Politiker gezwungen, seinen Kernthemen Islam und EU Beachtung zu schenken. Eine Debatte über die Integration von Muslimen und das Verhältnis zu Brüssel ist in den Niederlanden – auch dank Wilders – nicht mehr tabu. Doch selbst für Wilders wachsen die Bäume nicht in den Himmel. In den neusten Umfragen hat er empfindliche Verluste einstecken müssen und liegt nun gleichauf mit der Regierungspartei von Premier Mark Rutte. Einige Beobachter sehen den Grund in der chaotischen Amtsführung des US-Präsidenten Donald Trump. Wie Wilders ist auch er das Produkt eines diffusen Protestes gegen das Establishment. Wie Wilders will auch er das Land von Grund auf umkrempeln. Sein Beispiel scheint nun aber aufzuzeigen, wo die Grenzen dieser Systemkritik liegen. Denn bei aller Lust an der kreativen Zerstörung: Was die Bürger und Bürgerinnen am meisten fürchten, ist eine ungewisse Zukunft. Ein «Experiment Wilders» jedoch verspricht genau das. Für viele Niederländer hört der Spass, der Regierung mit der Wahl Wilder’s einen Denkzettel zu verpassen, deshalb hier auf. Es reicht, wenn die Botschaft schliesslich angekommen ist. Denn, dass aus dem Spass auch schnell ernst werden könnte, zeigt das Beispiel Trump.

Remo Hess, Brüssel

nachrichten@luzernerzeitung.ch