Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KONFLIKT: Die tiefe Spur von Gräueln und Hass

Der Koreakrieg (1950–1953) war geprägt von viel Leid und einer unbeschreiblichen Brutalität. Die Folgen davon sind bis heute zu spüren. Schuld daran ist nicht nur das Regime aus dem Norden der Halbinsel.
Angela Köhler
US-Marinesoldaten bewachen während des Koreakriegs drei nordkoreanische Soldaten. (Bild: Getty)

US-Marinesoldaten bewachen während des Koreakriegs drei nordkoreanische Soldaten. (Bild: Getty)

Angela Köhler

Manchmal meint Lee Kyeong Soo noch immer, den Kanonendonner zu hören. Es war im Morgengrauen des 25. Juni 1950; der damals 13-Jährige hatte sich auf einen Badesonntag mit seinen Eltern am Han-Fluss gefreut. Dieser fiel unerwartet ins Wasser. Dazwischen kam der Koreakrieg. Über das Radio wurde der Vater als Reservist zu den Waffen gerufen. Er geriet drei Tage später in Kriegsgefangenschaft, als die nordkoreanischen Angreifer in Seoul einrückten. Man hat nicht wieder von ihm gehört. «Das werde ich den Kommunisten niemals verzeihen. Ich hasse sie bis aufs Blut und will Rache», schwört er noch immer erregt.

An diesem schicksalhaften Sommertag begann der erste bewaffnete Ost-West-Konflikt, ein blutiger Bürgerkrieg mit etwa 4,5 Millionen Toten, davon fast ein Drittel Zivilisten. Etwa ebenso viele mussten fliehen. Nach drei Jahren Krieg zählte Nordkorea gerade mal noch halb so viele Bewohner wie 1950. Bomben und Napalm vernichteten 18 der 22 grösseren Städte. Zurück blieb eine tief gespaltene Nation, getrennt nicht nur durch ideologische Gräben, sondern oft auch durch pure Unversöhnlichkeit.

Der erste Stellvertreterkrieg

Geschichte wiederholt sich vielleicht nicht, aber sie kann sich jederzeit als Vorgeschichte fortsetzen, und die aktuelle Kriegsrhetorik (siehe Box) deutet in fataler Weise darauf hin. Man weiss heute gesichert, dass Nordkoreas damaliger Machthaber Kim Il Sung den Krieg angezettelt hat. Mit dem Segen von Kremlchef Josef Stalin wollte er militärisch eine Vereinigung der nach dem Zweiten Weltkrieg ebenso wie Deutschland geteilten Koreanischen Halbinsel erzwingen. Es war gleichzeitig der erste Stellvertreterkrieg zwischen den USA und deren damals noch eng befreundeten Ideologiefeinden Russland und China.

Ohne formelle Kriegserklärung überrannten rund 135 000 Soldaten der Kommunistischen Volksdemokratischen Republik Korea (KDVR) die damals nur spärlich bewachte Demarkationslinie am 38. Breitengrad, nahmen Südkoreas Hauptstadt Seoul im «Blitzkrieg» ein und trieben die Verteidiger bis auf einen von US-Truppen gehaltenen Brückenkopf bei Busan an der Südspitze der Koreanischen Halbinsel. Südkorea konnte diesem durch Panzer und Luftwaffe unterstützten Angriff nur 65 000 schlecht trainierte und miserabel ausgerüstete Infanteristen entgegenwerfen. Washington reagierte schnell. Zwei Tage nach dem Angriff trommelten die USA den UNO-Sicherheitsrat zusammen, der Nordkorea nicht nur verurteilte, sondern auch eine «Polizeiaktion» genannte Intervention von UNO-Truppen beschloss.

Formell betrachtet zogen an der Seite Südkoreas 16 Staaten gegen Nordkorea in den Krieg, praktisch aber kämpften vor allem die USA, die das Hauptkontingent der 200 000 Mann starken Truppe unter dem Kommando von General Douglas MacArthur stellten. Ihm gelang Mitte September die erste Kriegswende mit einem riskanten Seelandemanöver an der Westküste nahe Seoul im Rücken der Angreifer. Um nicht vom Nachschub abgeschnitten zu werden, musste sich Nordkorea hinter den 38. Breitengrad zurückziehen. Damit hätte der Krieg beendet sein können, aber der aggressive MacArthur setzte im Weissen Haus durch, dass er trotz Warnungen aus Peking am 7. Oktober die Demarkationslinie überschreiten und nach Nordkorea einrücken durfte. Zwölf Tage später wurde Pjöngjang genommen, und MacArthur marschierte weiter auf die chinesische Grenze am Jalu-Fluss zu. Erst als der in den USA wegen seines Sieges über Japan als Kriegsheld gerühmte General Atombomben forderte, um an der Grenze eine radioaktiv verseuchte Zone zu schaffen, setzte ihn US-Präsident Harry Truman von seinem Kommando ab.

Friedensvertrag scheiterte nicht an Nordkorea

Peking schlug zurück und mobilisierte Hunderttausende «Freiwillige», um die Amerikaner zu stoppen. Ihr Kriegseintritt wendete das Blatt erneut. Am 8. Januar 1951 fiel Seoul wieder, ehe ein Gegenschlag die chinesisch-nordkoreanische Koalition hinter den 38. Breitengrad zurückdrängte, wo sich die Front in einem opferreichen Stellungskrieg eingrub.

Bei der Unterzeichnung des Waffenstillstands am 27. Juli 1953 im Kontrollpunkt Panmunjom waren jedoch nur Vertreter der USA (für die UNO), Chinas und Nordkoreas anwesend. Südkoreas Führung lehnte das Dokument ab, hielt sich aber daran. Ein möglicher Friedensvertrag 1954 scheiterte ebenso wie Wiedervereinigungsgespräche 1972 und 1979/80 sowie zwei Gipfeltreffen in Pjöngjang in den Jahren 2000 und 2007. Streng genommen befinden sich die USA und Südkorea mit Nordkorea noch immer im Kriegszustand. Sollte erneut ein bewaffneter Konflikt aufflammen, würden die USA sofort auch das Oberkommando über die südkoreanische Armee übernehmen. Zum Kriegserbe gehört jedoch auch der gegenseitige Hass, wie die feindlichen Tiraden dieses Sommers beweisen. Fürchterliche Gräueltaten auf allen Seiten haben schmerzhafte Wunden hinterlassen. Es wurde mit einer bis dato nicht gekannten Brutalität gegen die Zivilbevölkerung gekämpft. Über die von Napalm verbrannte Erde zogen riesige Flüchtlingsströme, blockierten die wenigen noch intakten Strassen. Kommandeure liessen diese «Hindernisse» oft einfach aus dem Weg bomben. Dank der globalen Dominanz der USA galten solche Kriegsverbrechen lange ausschliesslich als «Teufelswerk der nordkoreanischen Kommunisten». Das ist gewiss wahr – aber wahr ist auch, dass selbst US-Kriegskorrespondenten damals oft schockiert waren, wie skrupellos ihre eigenen Truppen agierten. Rassistisch nannten die GIs Koreaner sogar «Untermenschen, die zum Abschuss freigegeben sind», wie es in einem Befehl an die Truppen hiess.

In Konzentrationslagern hielten die US-Truppen Menschen fest, nur weil man sie als unzuverlässig einstufte. Es wird berichtet, dass dort Hunderte bis zum Skelett abgemagert aneinandergekettet wurden. Erschütternd besonders das Massaker von No Gun Ri am 26. Juli 1950 auf Befehl der 8. US-Armee. Etwa 400 Flüchtlinge wurden bei einer Steinbrücke erschossen, die ihnen eigentlich Schutz bieten sollte. Joe Jackman, ein Augenzeuge des ausführenden 7. US-Kavallerieregiments, gab später zu Protokoll: «Ein Leutnant schrie tobsüchtig wie ein Besessener: Feuert auf sie, tötet sie alle!» No Gun Ri ist zwar heute dokumentiert, aber kein Einzelfall. 61 Massaker sind bekannt, die meisten davon wurden von den USA niemals anerkannt.

USA schicken Bomber

Im Konflikt um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm haben die USA gestern mehrere B-1B-Bomber aus Guam und Kampfjets in den internationalen Luftraum östlich von Nordkorea geschickt. Es sei das erste Mal in diesem Jahrhundert, dass amerikanische Kampfflugzeuge oder Bomber so weit nördlich der entmilitarisierten Zone vor der nordkoreanischen Küste geflogen seien, teilte das Pentagon mit. Das unterstreiche, wie ernst die USA das «verwegene Verhalten» Pjöngjangs nähmen.

«Die Mission ist eine Demonstration amerikanischer Entschlossenheit und eine klare Botschaft, dass der Präsident (Donald Trump) viele militärische Optionen hat, jeder Bedrohung zu begegnen», hiess es weiter. «Wir sind bereit, die volle Bandbreite militärischer Fähigkeiten zu benutzen, um unser Heimatland und unsere Verbündeten zu schützen.»
Der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA über die Raketen- und die Nukleartests von Pjöngjang hatte sich am Freitag weiter zugespitzt. Als Reaktion auf kriegerische Töne von Trump vor den Vereinten Nationen erklärte der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un: «Ich werde den geisteskranken, dementen US-Greis gewiss und auf jeden Fall mit Feuer bändigen.» (sda)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.