Jordanien
König Abdullah klettert in einen Kampfjet

Nach dem grausamen Mord an einem jordanischen Kampfpiloten versucht König Abdullah nun aus der Wut seiner Bevölkerung politisches Kapital zu schlagen. Der Monarch will im Cockpit sitzen, wenn die Luftwaffe den IS angreift.

Michael Wrase, Limassol
Merken
Drucken
Teilen
Kampfanzug statt Krone: Der jordanische König Abdullah.

Kampfanzug statt Krone: Der jordanische König Abdullah.

Twitter

Manchmal dauert es etwas länger, bis in der arabischen Welt die bittere Wahrheit akzeptiert wird. Dass die IS-Extremisten «abnormal und abstossend sind und alle Araber vor Wut zum Kochen bringen sollten», stellte die jordanische Königin Rania bereits vor drei Monaten klar. In einer Wutrede in Abu Dhabi hatte die jordanische Monarchin die islamische Welt dazu aufgefordert, sich endlich zu wehren und «für das Image des Islam zu kämpfen, bevor es von den Dschihadisten endgültig zerstört wird». Doch nichts geschah.

Die in ihrer Heimat eher unpopuläre Königin wurde belächelt. Man warf ihr sogar vor, übers Ziel hinaus geschossen zu sein, als sie den in Abu Dhabi versammelten arabischen Würdenträgern vorwarf, «mitschuldig am Erfolg des Islamischen Staats zu sein».

Vermutlich wären die Jordanier und andere arabische Völker niemals aufgewacht, wenn nicht einer der Ihren in einem Stahlkäfig bei lebendigem Leibe verbrannt worden wäre. Und auch der jordanische König Abdullah hätte es wahrscheinlich nicht für notwendig gehalten, aus der «Wutrede» seiner Gattin Rania zu zitieren, wenn der junge Moaz al-Kassaseh noch am Leben wäre.

Abdullah will sich profilieren

Doch nach dem grausamen Mord an seinem Kampfpiloten nutzt König Abdullah jetzt die Gunst der Stunde und versucht, aus der Wut seiner Bevölkerung politisches Kapital zu schlagen. Seine Majestät sehe es als seine Pflicht an, sich persönlich an den geplanten Vergeltungsschlägen gegen die IS-Terroristen zu beteiligen, teilten gestern Palastinsider im Internet mit. Der in England zum Piloten amerikanischer Apache-Helikopter ausgebildete Monarch werde als Co-Pilot im Cockpit sitzen, wenn jordanische F-16 in den kommenden Wochen die Terrormilizen des IS vernichten.

Ob der leicht übergewichtige, kleine jordanische König auch als militärischer Anführer taugt, ist im haschemitischen Königreich allerdings umstritten. Noch immer steht Abdullah im Schatten seines vor 15 Jahren verstorbenen Vaters Hussein, der als charismatischer Landesvater und oberster Kommandant der Streitkräfte unumstritten war. Im Kampf gegen den IS könnte sich der 53 Jahre alte Monarch aber profilieren. Das setzt freilich voraus, dass den in Amman verbreiteten martialischen Absichtserklärungen zur Vernichtung der Dschihadisten auch Taten folgen, deren Resultate eindeutig sind. Das weiss auch König Abdullah, der andere Krisen mit Lavieren und Taktieren überstanden hat. Dafür ist nach der entsetzlichen Mordtat des IS nun keine Zeit mehr.