Zu Gast bei der Queen: Königlicher Empfang für den US-Präsidenten

Donald Trump ist am Montag zu einem Staatsbesuch in Grossbritannien eingetroffen. Weniger freundlich als das Treffen mit den Royals ging es im Vorfeld auf Twitter und in der Presse zu und her.

Sebastian Borger, London
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Donald Trump (Mitte) und seine Frau Melania (ganz links) beim Buckingham-Palast in London. (Bild: Chris Jackson/Getty (London, 3. Juni 2019))

Donald Trump (Mitte) und seine Frau Melania (ganz links) beim Buckingham-Palast in London. (Bild: Chris Jackson/Getty (London, 3. Juni 2019))

Festliche Kanonenschüsse, militärische Ehren durch das Grenadiergarderegiment, drei Mahlzeiten in Londoner Königspalästen: Die erste Etappe des Staatsbesuchs von Donald Trump und seiner umfangreichen Entourage stand am Montag unter royalen Vorzeichen. Zwischendurch fand der US-Präsident Zeit für politische Scharmützel. Via Twitter kanzelte er Londons Bürgermeister ab als «eiskalten Verlierer Versager, der sich auf die Kriminalität in London konzentrieren sollte, nicht auf mich».

Die präsidiale Schelte adelt den Labour-Politiker in den Augen jener Mehrheit von Londonern, die laut Umfragen Trumps Besuch als zu teuer und unangemessen ablehnen. Parteiübergreifend wollten führende Politiker das Festbankett von Montagabend boykottieren, darunter Oppositionsführer Jeremy Corbyn oder John Bercow, der Speaker des Unterhauses.

Die Fehde dauert schon länger

Trump und der praktizierende Muslim Khan haben sich via Twitter schon öfter Duelle geliefert. Khan, dessen Eltern aus Pakistan stammen, kritisierte unter anderem Trumps Einreiseverbot für Menschen aus muslimischen Ländern und warf dem US-Präsidenten vor, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus als «Wahlkampftaktik» einzusetzen. Trump äusserte sich mehrfach verächtlich über London im Allgemeinen und Khan im Besonderen. Der Bürgermeister bezichtigte derweil Trump via Sonntagspresse, er bediene sich wie Italiens Innenminister Matteo der Sprache «von Faschisten des 20. Jahrhunderts». Die harte Rechte bedrohe «die Rechte, Freiheiten und Werte, die unsere liberalen Demokratien mehr als 70 Jahre geprägt haben».

Nach der Landung der Präsidentenmaschine reiste Trump im Helikopter zum Winfield House, der Residenz des US-Botschafters in Londons Regent’s Park, von wo aus er mittags in den Park des Buckingham-Palasts weiterflog. Dort nahmen zunächst Thronfolger Prinz Charles und dessen Gattin Camilla die Gäste in Empfang, ehe der US-Präsident die Hand der 93-jährigen britischen Königin Elizabeth II schütteln durfte.

Nach dem Lunch im Buckingham-Palast sah das Programm noch zwei weitere Mahlzeiten mit britischen Royals vor. Am Nachmittag waren Melania und Donald Trump zum Nachmittagstee Gäste von Charles und Camilla in deren Londoner Residenz. Abends präsidierte die Queen im Buckingham-Palast dem traditionellen Staatsbankett. Zwischendurch legte der Präsident in der Westminster Abbey gegenüber vom Parlament einen Kranz am Grab des unbekannten Soldaten nieder.

Schon vor seiner Auseinandersetzung mit Khan hatte sich Trump in innenpolitische Angelegenheiten Grossbritanniens eingemischt. In Interviews warb der US-Präsident für den Chaos-Brexit ohne Austrittsvereinbarung. «Wenn man keinen fairen Deal bekommt, dann geht man einfach», sagte Trump der «Sunday Times». Der US-Präsident empfahl den Populisten Nigel Farage als britischen Chefverhandler und legte den Konservativen die Wahl Boris Johnsons zum neuen Parteichef ans Herz: «Er wäre ein exzellenter Premierminister.» Labour-Chef Jeremy Corbyn warf Trump darauf eine «inakzeptable Einmischung» in die inneren Angelegenheiten Grossbritanniens vor.

Bei seinen Gesprächen mit der scheidenden Regierungschefin Theresa May will Trump am Dienstag die Briten auf eine härtere Haltung gegenüber Iran und China festlegen. Umstritten ist vor allem die mögliche Beteiligung des chinesischen Telekom-Giganten Huawei am geplanten G5-Mobilfunk. Dies gefährde die enge Militär- und Geheimdienstzusammenarbeit mit den Briten, hiess es vorab in Washington.

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Sebastian Borger, London