KOPENHAGEN: Laden voller Abfall-Lebensmittel

Gegen die Verschwendung von Lebensmitteln ankämpfen ist in. Ein dänischer Laden verkauft als wohl erster weltweit nur Abfall-Lebensmittel. Kunden rennen ihm die Türen ein.

Drucken
Teilen
Prinzessin Marie von Dänemark (40), die Ehefrau von Prinz Joachim, liess es sich nicht nehmen, bei der Eröffnung des Ladens von WeFood dabei zu sein. (Bild: PD)

Prinzessin Marie von Dänemark (40), die Ehefrau von Prinz Joachim, liess es sich nicht nehmen, bei der Eröffnung des Ladens von WeFood dabei zu sein. (Bild: PD)

Niels Anner, Kopenhagen

Die Esswaren sind bestens geniessbar – und billig: 30 bis 50 Prozent günstiger als in einem normalen Supermarkt. Von dort kommen sie her, die Lebensmittel, aber auch Kosmetik- und Haushaltprodukte im neuen Kopenhagener Laden WeFood. Es ist wohl der erste weltweit, der konsequent nur Ausschussware verkauft.

Ein Drittel landet im Abfall

Vielleicht ist das Ablaufdatum nah, oder aber die absolut frischen Lebensmittel sind aus ganz anderen Gründen aus den Regalen der Supermärkte geflogen – weil Gemüse nicht die richtige Form oder der Apfel einen kleinen Fleck hatte, die Verpackung beschädigt war oder die nächste Lieferung Platz brauchte. Bisher wanderte das Essen deshalb in den Abfall – 700 000 Tonnen pro Jahr in Dänemark. Dies entspricht – wie in der Schweiz auch – etwa einem Drittel aller Esswaren.

Prominente Unterstützung

Grund genug, dass die dänische Umweltministerin sowie Prinzessin Marie zur Eröffnung von WeFood kamen – und mehrere tausend andere Personen. In den ersten Tagen gab es regelrechte Schlangen vor dem Laden. Am Abend waren die Regale ausgeräumt. «Wir bieten vielen Leuten eine einfache Möglichkeit, etwas gegen die Essensverschwendung zu tun», erklärte ein Sprecher der Hilfsorganisation Folkekirkens Nöd­hjaelp, die den Laden betreibt. Geführt wird er von Freiwilligen, die die Ausschusswaren selber aus Supermärkten, aber auch lokalen Bäckereien und Metzgereien abholen. Nach dem Anfangserfolg bestehen bereits Pläne für weitere Läden in anderen dänischen Städten.

Dass WeFood in Dänemark entstand, ist kein Zufall. Das Land hat in den vergangenen fünf Jahren seine Essensverschwendung immerhin um einen Viertel reduziert.

Dänen für das Thema sensibilisiert

Mitverantwortlich dafür ist die 35-jährige Selina Juul, deren Freiwilligenorganisation 40 000 Mitglieder aufweist. Sie hat das Thema Essensverschwendung über Unternehmen, Sponsoren, Schulaktionen und Medienartikel einer breiten Öffentlichkeit in Dänemark bekannt gemacht. Und sie hat einen Supermarkt dazu gebracht, 2-für-1-Aktionen zu stoppen, und Restaurants animiert, Zehntausende Plastiksäcke anzubieten, damit Gäste Reste mit nach Hause nehmen können. Dennoch sieht Selina Juul den Kampf gegen die Verschwendung noch längst nicht gewonnen – WeFood aber als weiteren kleinen Schritt.