Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KOPF DES TAGES: Zwischen Ecuador und Grossbritannien

Julian Assange lebt nun schon seit über fünf Jahren in Ecuadors Botschaft in London. Nun wurde er vom südamerikanischen Land eingebürgert.
Federico Gagliano

Der Australier Julian Assange ist um einen Pass reicher:Ecuador hat dem Wikileaks-Gründer bereits am 12. Dezember die Staatsbürgerschaft zuerkannt. Assange hatte ursprünglich in Ecuadors Botschaft in London Schutz gesucht, um einer Auslieferung nach Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen zu entgehen. Die Ermittlungen wurden im Mai letzten Jahres zwar eingestellt, doch die britische Justiz will Assange immer noch festnehmen, weil er gegen Kautionsauflagen verstossen habe. Der 46-Jährige hatte sich nämlich 2010 der britischen Polizei gestellt und wurde unter Auflagen entlassen. Er fürchtete damals die Auslieferung nach Schweden und floh – inzwischen fürchtet er, an die USA ausgehändigt zu werden.

Für die Amerikaner ist ­Assange und dessen Seite Wikileaks schon seit längerer Zeit ein Dorn im Auge. Seit 2010 legte die Seite mehrmals sensitive Daten über die Kriege in Afghanistan und im Irak offen, deren Veröffentlichung die US-Armee und Geheimdienste aufs Schärfste verurteilte. In konservativen Kreisen wurde Assanges Kopf gefordert. Diese Stimmen sind inzwischen verstummt: Im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 veröffentlichte Wikileaks gestohlene E-Mails der Demokratischen Partei und schadete damit Hilary Clintons Kampagne, zur Freude einiger Republikaner, die seitdem Assange als einen Freund sehen. Das gilt aber nicht für alle in der Partei. Assange ist nicht nur in Amerika umstritten: Während die einen ihn als Whistleblower loben, verurteilen andere, dass er mit seinen Enthüllungen Menschenleben aufs Spiel setzt. In Ecuador fand Assange aber einen treuen Verbündeten.

Ecuador will mit der Einbürgerung aber nicht nur Assange helfen, sondern auch die Wogen im eigenen Land glätten. Mit dem Asyl für Assange wollte der damalige Präsident Rafael Correa unterstreichen, dass man politisch Verfolgten Schutz gewähre und für die Verteidigung der Menschenrechte einstehe. Dieser Schritt – und die davon verursachten Kosten – sorgen seither für innenpolitischen Streit. Correas Nachfolger Lenín Moreno, der im Mai 2017 sein Amt antrat, will diese Diskussionen beenden. Denn mit der Einbürgerung schützt Ecuador nun nicht mehr einen Fremden – sondern einen eigenen Bürger.

Damit ist der Fall Assange noch nicht abgeschlossen.«Wir haben ein enormes Interesse, eine endgültige Lösung für den Fall Assange zu erreichen», sagte Aussenministerin Maria Fernanda Espinosa. Nun hofft Ecuador auf ein Vermittlungsverfahren. Man stehe in «ständigem Kontakt» mit der britischen Regierung, sagte Espinosa. Doch London hat bisher keine Anzeichen dafür gegeben, auch nur ein Stück auf Assange zugehen zu wollen – sein Aufenthalt in der Botschaft könnte noch andauern.

Federico Gagliano

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.