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KOREAKRISE: Wende weckt grosse Hoffnungen

Erstmals seit fast zwei Jahren treffen sich Vertreter von Nord- und Südkorea zu offiziellen Gesprächen. Die Vorzeichen des Treffens erinnern an die Sonnenscheinpolitik, die als längst abgeschrieben galt. Entsprechend gross sind nun die Hoffnungen.
Felix Lee, Peking
Historischer Handschlag zwischen Südkoreas Chefunterhändler Cho Myoung Gyon (l.) und Nordkoreas Chefunterhändler Ri Son Gwon (r.) gestern in Panmunjom. (Bild: Jung Ui Chel/EPA)

Historischer Handschlag zwischen Südkoreas Chefunterhändler Cho Myoung Gyon (l.) und Nordkoreas Chefunterhändler Ri Son Gwon (r.) gestern in Panmunjom. (Bild: Jung Ui Chel/EPA)

Felix Lee, Peking

Vor nicht einmal zwei Wochen standen sich Nord- und Südkorea noch spinnefeind gegenüber. Pjöngjangs Machthaber Kim Jong Un wetterte ohne Unterlass gegen Südkorea, den «Vasallenstaat der USA». Zehntausende Artilleriegeschütze sind auf die südkoreanische Hauptstadt Seoul gerichtet. Auf der anderen Seite der Grenze provoziert Südkorea seinerseits mit regelmässigen Manövern. Umso plötzlicher wirkt nun die Wende in den koreanischen Beziehungen: Vertreter beider Länder reichen sich die Hand.

Mitten in der sogenannten entmilitarisierten Zone im Grenzort Panmunjom ist es gestern Vormittag erstmals seit über zwei Jahren zu einem Treffen zwischen ranghohen Vertretern der beiden verfeindeten Länder gekommen. Südkoreas Wiedervereinigungsminister Cho Myoung Gyon und sein Stellvertreter Chun Hae Sung betraten um exakt 10 Uhr von Süden kommend die berühmte blaue Baracke, die sich exakt auf dem Grenzstreifen befindet. Die Machthaber in Pjöngjang schickten ihren Chefunterhändler Ri Son Gwon.

Keine Seite muss feindliches Gebiet betreten

Diese Baracke ist der einzige Ort, an dem es seit dem Waffenstillstandsabkommen von 1953 offizielle Treffen zwischen beiden Seiten gibt. Keine der beiden Seiten muss gegnerisches Territorium betreten. Über einen breiten weissen Tisch schüttelten sie sich vor laufender Kamera die Hände und lächelten sogar.

Eigentlich wollten beide Seiten nur über die Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen sprechen, die im Fe­bruar im südkoreanischen Pyeongchang beginnen. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatte in seiner Neujahrsrede vor zehn Tagen überraschend die Einladung Südkoreas in Erwägung gezogen – und damit eine Entspannungspolitik eingeleitet, auf die Südkoreas linksliberaler Präsident Moon Jae In seit Monaten gehofft hatte. Doch nach den zahlreichen nordkoreanischen Raketentests der vergangenen Monate und der Zündung einer unterirdischen Wasserstoffbombe schien das Verhältnis zerrütteter denn je. US-Präsident Donald Trump mit seinen Twitter-Hasstiraden gegen Kim und die gegenseitigen Beleidigungen verschärften den Konflikt auf der Koreanischen Halbinsel zusätzlich. Nun sagte Nordkoreas Chefunterhändler nicht nur die Teilnahme seines Landes an den Winterspielen zu, sondern kündigte an, auch eine hochrangige Delegation mit staatlichen Vertretern schicken zu wollen. Südkorea wiederum bot an, dass die Sportler beider Staaten bei Eröffnung und Abschluss der Spiele gemeinsam ins Stadion einmarschieren. Sollte sich Nordkorea darauf einlassen, wäre diese Geste das stärkste Bild der Versöhnung der vergangenen Jahre.

Südkoreas Wiedervereinigungsminister Cho sprach von einem «guten Geschenk», das dem Wunsch der Koreaner nach festeren Beziehungen nachkomme. Zuletzt liefen die beiden Koreas bei den Winterspielen 2006 in Turin unter gemeinsamer Flagge ins Stadion. Damals wirkte noch die so­genannte Sonnenscheinpolitik nach, mit der Südkorea die Teilung der Koreanischen Halbinsel friedlich lösen wollte. Sie fand mit der Wiederaufnahme des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms ein jähes Ende. Südkoreas Vereinigungsminister schlug bei dem gestrigen Treffen zudem vor, das Programm zur Wiedervereinigung von Familien wieder aufzunehmen, die seit dem Krieg von 1953 voneinander getrennt sind. Als Gegenleistung bot Südkorea Militärgespräche an.

«Beide Staaten müssen versuchen, Frieden und Versöhnung durch Dialog zu erreichen», sagte Gyons Stellvertreter Chun. Das Ziel müsse sein, sämtliche Atomwaffen auf der Koreanischen Halbinsel abzubauen.

USA warnen vor zu viel Euphorie

Mit diesem Vorstoss könnten allerdings die USA ein Problem haben. Zwar hat Trump die Annäherung beider Koreas grundsätzlich begrüsst und dem Wunsch Seouls entsprochen, das bereits geplante gemeinsame Frühjahrsmanöver direkt im Anschluss der Spiele zu verschieben.

Doch US-Militärs warnen vor zu viel Euphorie. Kim Jong Un werde sich nicht mit symbolischen Gesten zufriedengeben, sondern rasch eine Lockerung der Sanktionen fordern. Russland und China seien ohnehin Wackelkandidaten. Die US-Militärs werten Kims Annäherung als Versuch, einen Keil auch zwischen Südkorea und die USA zu treiben.

Der Konflikt auf der Koreanischen Halbinsel ist auch Thema beim Staatsbesuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in diesen Tagen in Peking. Macron traf gestern mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zusammen.

«Ich erwarte viel von dem unerlässlichen Druck, den China auf Nordkorea ausüben kann, um es zu einem Kurswechsel zu ermutigen», betonte Macron. Peking war Pjöngjangs letzter Verbündeter, bevor das Verhältnis im Zuge der Atomtests sich auch zwischen ihnen abgekühlt hat.

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