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KORRUPTION: Gupta-Leaks stürzen Südafrika in politische Krise

Die Enthüllungen rund um die indische Unternehmerfamilie Gupta bringen Südafrikas Staatschef Jacob Zuma in echte Bedrängnis. Doch in Schmiergeldzahlungen für Staatsaufträge sind offenbar auch europäische Unternehmen verwickelt.

Auf den ersten Blick wirkt das Anwesen der Gupta-Familie im Johannesburger Vorort Saxonwold gar nicht so protzig, wie die vielen Berichte glauben machen. Die Ansammlung von Villen umspannt zwar einen ganzen Strassenblock und wird, wie fast überall in Südafrika, von einer mächtigen Mauer geschützt. Doch alles andere wirkt eher unscheinbar.

Niemand in Südafrika hätte noch vor kurzem ahnen können, dass ausgerechnet in dieser ruhigen Seitenstrasse der Wirtschaftsmetropole Johannesburg Schicksalsfragen der südafrikanischen Nation entschieden wurden, darunter die Besetzung wichtiger Kabinettspositionen, aber auch der Chefposten bei Staatsunternehmen. Doch ihr enges Verhältnis zu Südafrikas Staatschef Jacob Zuma hat den Guptas nicht nur zahllose lukra­tive Staatsaufträge beschert, sondern auch enormen Einfluss auf zentrale staatliche Institutionen. Über diesen Skandal stürzt Südafrika nun in eine politische Krise.

Staatliche Einrichtungen unterwandert

«Nie zuvor ist eine ausländische Familie ohne irgendwelche besonderen Qualifikationen in ein Land gekommen, hat dessen gefügigen Präsidenten zur Zerstörung wichtiger Institutionen verleitet und sich dann schamlos ­bereichert», schäumt Barney Mthombothi, einer der führenden Kommentatoren am Kap.

Kopf der Familie Gupta sind die Brüder Atul, Ajay und Rajesh, die kurz nach der Machtübernahme des bis heute regierenden Afrikanischen Nationalkongresses 1994 aus dem nordindischen Saharanpur nach Südafrika zogen und hier das Unternehmen Sahara Computers gründeten. Seitdem sind die Guptas auch in den Minen-, Immobilien- und Mediensektor vorgestossen – und haben im Zuge dieser Expansion offenbar eine Reihe staatlicher Einrichtungen unterwandert. Zumas Sohn Duduzane, einst Auszubildender bei Sahara Computer, ist direkt oder indirekt an mehreren Gupta-Unternehmen beteiligt.

Wie weit der Einfluss der Guptas in Südafrikas Staat und Wirtschaft wirklich reicht, wurde im vergangenen Monat deutlich, als durch bislang noch ungeklärte Umstände grosse Mengen privater E-Mails der Unternehmerfamilie an die Medien gelangten.

Die rund 200'000 Mails werden nun tröpfchenweise von der investigativen Journalistengruppe Ama Bhungane («die Mistkäfer») veröffentlicht und haben den Verdacht zur Gewissheit werden lassen, dass die Guptas durch ihre grosse Nähe zum Staatschef wichtige Regierungsentscheidungen mitbeeinflusst und vor allem regelmässig stark von staatlichen Grossaufträgen profitiert haben.

Vorwürfe gegen SAP Südafrika

Durch die Gupta-Leaks ist nun auch eine Reihe ausländischer Unternehmen unter Druck geraten, darunter der Softwarekonzern SAP. So soll SAP der eng mit den Guptas verbundenen Firma CAD House, die Zumas Sohn Duduzane gehört, fast 7 Millionen Euro überwiesen haben. Bei dieser Summe soll es sich um Schmiergeld für Vermittlungsdienste von CAD House im Rahmen eines grösseren Staatsauftrags für SAP handeln. Obwohl die Führung von SAP Südafrika die Vorwürfe zunächst entschieden dementiert hatte, hat der SAP-Vorstand in Deutschland das südafrikanische Management inzwischen beurlaubt, bis eine Untersuchung der Vorwürfe durch eine internationale Anwaltskanzlei abgeschlossen ist.

Im Rahmen der Gupta-Leaks sind auch Politiker wie der erst vor drei Monaten neu ernannte Finanzminister Malusi Gigaba ins Visier geraten, was für Investoren bedenklich ist, weil dieses Ministerium bislang als eine Art Stabilitätsgarant für die internationale Geschäftswelt galt. Wie aus den E-Mails der Guptas hervorgeht, hat Gigaba in seiner vorherigen Position als Innenminister den Guptas im Schnellverfahren zu einer unbeschränkten Aufenthaltsgenehmigung verholfen.

Ihren grössten Coup landeten die Guptas bei einem Auftrag des Staatskonzerns Transnet, für den auch Siemens und das Schweizer Unternehmen Stadler sich beworben hatten: So flossen bei einem Vertrag von Transnet mit einem chinesischen Unternehmen über die Lieferung von 359 Lokomotiven angeblich sagenhafte 400 Millionen Euro als Vermittlungsgebühr an Geschäftspartner und Unternehmen aus dem Gupta-Umfeld. Das wäre rund ein Fünftel der gesamten Auftragssumme – und damit selbst ein für das ­Korruptions-Eldorado Südafrika aberwitzig hoher Betrag.

Wolfgang Drechsler, Johannesburg

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