Spannungen

Kriegsschiffe kreuzen sich: Die USA und China auf Konfrontationskurs

Obwohl sich Kriegsschiffe der beiden Staaten immer näher kommen, will der amerikanische Verteidigungsminister nicht von einer Zuspitzung sprechen.

Renzo Ruf, Washington
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Ein chinesischer Zerstörer kam der abgebildeten USS «Decatur» gefährlich nahe, nur rund 40 Meter sollen die beiden Kriegsschiffe getrennt haben.

Ein chinesischer Zerstörer kam der abgebildeten USS «Decatur» gefährlich nahe, nur rund 40 Meter sollen die beiden Kriegsschiffe getrennt haben.

Keystone

Jim Mattis versucht, die Wogen zu glätten. Als der amerikanische Verteidigungsminister zu Wochenbeginn gefragt wurde, ob die bilateralen Beziehungen zwischen den USA und China sich quasi stündlich verschlechtern, sagte der General im Ruhestand: Selbstverständlich gebe es Spannungen zwischen den beiden Staaten, und dies habe zum Beispiel vorige Woche, am Rande der UNO-Generalversammlung, zu einem rhetorischen Schlagabtausch geführt.

Aber er sei nicht der Meinung, dass sich die Situation zuspitze, sagte Mattis weiter. «Wir müssen nun lernen, wie wir diese Beziehung gestalten können. Wir werden einen Weg finden.»

Ob diese ausgleichenden Töne in Peking gehört werden, ist allerdings fraglich – hat sich die chinesische Führung doch in den vergangenen Tagen dazu entschieden, die konstanten Nadelstiche aus Washington nicht mehr zu ignorieren. Zuerst wies Peking den Vorwurf von Präsident Donald Trump, China greife in die anstehende Parlamentswahl in den USA ein, scharf zurück.

Dann sagte der Verteidigungsminister Chinas ein Treffen mit Mattis ab, an dem der Status der bilateralen Beziehungen hätte diskutiert werden sollen. Der Amerikaner entschied sich dann, ganz auf seinen Besuch zu verzichten.

«Unprofessionelles Manöver»

Und am Montag kam es schliesslich zu einem Zwischenfall im Südchinesischen Meer, in den amerikanische und chinesische Kriegsschiffe verwickelt waren. Demnach näherte sich ein Zerstörer der chinesischen Marine der USS «Decatur» an, die sich auf Patrouille in der Nähe der Spratly-Inseln befand, die von den Chinesen beansprucht werden.

Angeblich soll die Distanz zwischen dem chinesischen und dem amerikanischen Schiff nur rund 40 Meter betragen haben, bevor die «Decatur» auswich, um einen Zusammenstoss zu vermeiden.

Das Pentagon sprach in der Folge von einem «unprofessionellen Manöver» der Chinesen, während ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in China die Anwesenheit der «Decatur» in der Nähe der Spratly-Inseln eine «Provokation» nannte. Das amerikanische Kriegsschiff habe sich ohne Bewilligung in Gewässern aufgehalten, die zu China gehörten, hiess es weiter.

Washington erkennt den Anspruch von Peking auf die Inselgruppe im Südchinesischen Meer nicht an und schickt regelmässig Schiffe in das Gebiet, um demonstrativ das Recht auf freie Navigation in internationalen Gewässern durchzusetzen.

Donald Trump zeigt sich derweil überzeugt davon, dass China früher oder später an den Verhandlungstisch zurückkehren werde. Während einer lebhaften Pressekonferenz im Weissen Haus am Montag kam der amerikanische Präsident auch mehrmals auf die bilateralen Beziehungen zwischen Peking und Washington zu sprechen. Trump sagte: «China will unbedingt mit uns reden.»

Aber er, der Präsident, habe seinem chinesischen Amtskollegen ausrichten lassen, dass es für die Aufnahme formaler Verhandlungen zu früh sei. «Wir können noch nicht reden, weil China noch nicht bereit ist», sagte Trump. Seiner Meinung nach müsse Peking zuerst für die Sünden der vergangenen Jahre büssen, habe die chinesische Führung mit ihrer Wirtschaftspolitik Amerika doch jahrelang über den Tisch gezogen – indem chinesische Firmen den amerikanischen Markt mit Billiggütern überschwemmten.

Aus «politischen» Gründen wolle er China deshalb noch ein wenig zappeln lassen, bevor er Verhandlungen über ein Handelsabkommen aufnehme, sagte Trump.