KRISE: Neue Eiszeit zwischen Kuba und den USA

Hinter der Ausweisung kubanischer Diplomaten aus den USA stecken auch innenpolitische Gründe.

Sandra Weiss, Puebla
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Knapp drei Jahre nach der Normalisierung haben sich die Beziehungen zwischen Kuba und den USA verhärtet. Am Dienstag ordnete US-Präsident Donald Trump an, 15 kubanische Diplomaten des Landes zu verweisen. Er reagierte damit auf einen mysteriösen akustischen Angriff auf US-Diplomaten in Havanna. In den letzten Monaten hatten sich 25 auf Kuba stationierte US-Diplomaten über gesundheitliche Probleme beschwert. US-Geheimdienste vermuteten zunächst einen nicht hörbaren Schallangriff auf das Botschaftspersonal, bestätigten dies jedoch bislang nicht offiziell.

Die kubanische Regierung ­bestritt jegliche Verantwortung, steuerte bislang aber auch keine aufklärenden Elemente bei. Der kubanische Aussenminister ­Bruno Rodríguez bezeichnete die Ausweisung der kubanischen ­Diplomaten als «willkürliche Repressalie». Ausserdem warf er der US-Regierung mangelnde Kooperation bei der Aufklärung des Falls vor. Kuba habe immerhin US-Agenten erstmals in 50 Jahren erlaubt, die Insel zu betreten um eigene Recherchen anzustellen.

Trump zog vorige Woche 60 Prozent des Botschaftspersonals aus Havanna ab und erliess eine Reisewarnung für Kuba. Das ­sozialistische Kuba war seit dem Sieg der kubanischen Revolution 1959 ein strategisches Ärgernis für die USA im eigenen Hinterhof. Doch weder ein Embargo noch eine gescheiterte Invasion konnten den Sozialismus auf der Tropeninsel bislang beenden. Der damalige US-Präsident Barack Obama hatte 2014 einen Strategiewechsel in Richtung «Wandel durch Annäherung» vollzogen, hebelte das Embargo aus und besuchte im März 2016 als erster US-Präsident seit 60 Jahren die Insel. Die jetzige Verhärtung unter Trump hat US-Beobachtern zufolge mehr innenpolitische Gründe und ist im Vorfeld der Wahl ein Zugeständnis an die Hardliner der Exilkubaner im US-Bundesstaat Florida. Der republikanische Senator Marco Rubio, der aus Florida stammt und dessen Eltern aus Kuba in die USA flohen, ist Trumps Chefberater für Lateinamerika-Fragen.

Offenbar haben die Ermittler noch nicht herausfinden können, was hinter den Gesundheitsbeschwerden steckt. Die US-Regierung machte zwar nicht Havanna direkt verantwortlich, erklärte aber, die kubanische Regierung sei für die Sicherheit des Botschaftspersonals verantwortlich.

Die neuerliche Eiszeit kommt für Kuba zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Insel lebt vor allem vom Tourismus, vom venezolanischen Erdöl und von Devisenüberweisungen ausgewanderter Staatsangehöriger. Venezuela hat seine Hilfe wegen der Wirtschaftskrise im eigenen Land zurückgeschraubt. Die Zahl der US-Touristen hat seit der Normalisierung um 75 Prozent zu­genommen, wie sich die Reisewarnung auswirken wird, ist noch unklar. Dazu hat Hurrikan Irma Schäden in Höhe von rund zwei Milliarden US-Dollar angerichtet; besonders betroffen ist der touristische Nordteil der Insel.

Sandra Weiss, Puebla