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In Riad soll die Ablösung von Kronprinz Mohammed vorbereitet werden

Die Erklärungen der Saudis im Fall Khashoggi können Mohammed bin Salman nicht entlasten. Offenbar gibt es Pläne, den mächtigen Kronprinzen abzulösen. Als Nachfolger wird sein jüngerer Bruder ins Spiel gebracht.
Michael Wrase, Beirut
Unter Beschuss: der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. (Bild: Karim Sahib/AFP (Dubai, 16. Oktober 2018))

Unter Beschuss: der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. (Bild: Karim Sahib/AFP (Dubai, 16. Oktober 2018))

Im Fall Khashoggi verwickeln sich saudische Regierungsvertreter in immer grössere Widersprüche. Nachdem die Staatsanwaltschaft in Riad in der Nacht zum Samstag die Ermordung des saudischen Journalisten als Folge eines Boxkampfes zu verschleiern versuchte, sagte nun ein saudischer Offizieller, dass der 59-Jährige «durch einen Würgegriff» ums Leben gekommen sei. «Sie wollten verhindern, dass er schreit.» Dabei sei er gestorben, was aber nicht «mit Absicht geschehen sei». In Wirklichkeit habe man Khashoggi ­einige Tage festhalten und dann wieder freilassen wollen, falls er nicht freiwillig nach Saudi-Arabien hätte zurückkehren wollen.

Die bizarre Lügengeschichte verrät das Dilemma, in dem sich die Saudis befinden. In Riad weiss man sehr genau, was am 2. Oktober in Istanbul geschah. Alle Indizien deuten auf einen geplanten Mord hin, der womöglich stümperhaft ausgeführt wurde. Die Leiche Khashoggis wurde nicht, wie gestern behauptet, in einen Teppich eingerollt und «lokalen Helfern zur Entsorgung übergeben», sondern von einem Forensiker zerstückelt: Salah Mohammed Tubaigy war nachweislich zusammen mit dem Killerteam nach Istanbul gereist. Der in Glasgow ausgebildete Knochensäger soll während seiner Arbeit über Kopfhörer Musik gehört haben.

Diskrete Suche nach einem Nachfolger

Das berichteten türkische Zeitungen unter Berufung auf Regierungsvertreter, die ihre Ermittlungsergebnisse bislang allerdings nicht offengelegt haben. Aber auch ohne die unter Verschluss gehaltene Audiodatei aus dem Konsulat ist die Faktenlage klar: Ob Khashoggi vorsätzlich oder «unabsichtlich» ermordet worden ist, spielt keine Rolle mehr. Der saudische Journalist wurde in einer diplomatischen Vertretung getötet und die politische Verantwortung dafür trägt Kronprinz Mohammed bin Salam, genannt MBS.

«Eine Operation von einem solchem Ausmass kann ohne das Einverständnis von MBS einfach nicht durchgeführt werden», unterstreicht Neil Quilliam vom Londoner Think Tank Chatham House. Fast alle seine Berufskollegen teilen diese Ansicht. Der 33-jährige Kronprinz kontrolliere alle Sicherheitsorgane seines Landes und könne jetzt nicht den Ahnungslosen spielen.

Darüber sind sich auch die Herrscher in Riad im Klaren. Auch dort wird die Ermordung Khashoggis MBS angelastet, auch wenn dies nicht laut gesagt wird. Nach Informationen des Pariser «Figaro» und der als seriös geltenden Beiruter Tageszeitung «L’Orient-Le Jour» hat man in der saudischen Hauptstadt inzwischen «mit äusserster Diskretion» mit der Suche nach einem Nachfolger für den unberechenbaren Kronprinzen begonnen.

Besonnener Bruder

Als einziger Kandidat für die Nachfolge wird Khaled bin Salman, der drei Jahre jüngere ­Bruder von MBS, genannt. Nach ­Erkenntnissen der «New York Times» hat der im Westen ausgebildete Königssohn vor zehn Tagen seinen Botschafterposten in Washington verlassen und ist nach Riad zurückgekehrt. Dort soll er sich mit führenden Kabinettsmitgliedern beraten. Auch der amerikanische Aussenminister Pompeo hat demnach während seines Besuches in Riad vor einer Woche mit dem als besonnen charakterisierten Khaled bin Salman gesprochen.

Ein erster Schritt zur Ablösung von MBS wäre laut «L’Orient-Le Jour» die Besetzung des vakanten Postens des Vize-Kronprinzen mit Khaled bin Salman. Voraussetzung dafür wäre ein Dekret von König Salman, der MBS offiziell bislang den Rücken stärkte und diesem am Samstag sogar mit einer Leitung eines ­Komitees zur Reformierung der Geheimdienste beauftragte.

Als Chef des königlichen Hofs kontrolliert MBS den Zugang zum Palast seines Vaters, von dem niemand weiss, ob er noch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist. Versuche zur Entmachtung von MBS dürften sich vor dem Betroffenen nicht geheim halten lassen. Während seiner knapp dreijährigen Zeit an der Macht hat er demonstriert, dass er auch mit Konkurrenten aus der eigenen Familie wenig zimperlich umgeht.

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