Kulturalarm

Blattmacher Balz Bruder über die Konflikte zwischen Touristen und Einheimischen.

Balz Bruder
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Balz Bruder

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Ferienkonflikte sind nicht länger auf Familienstreit am Strand und auf Reklamationen von enttäuschten Hotelgästen beschränkt. Nun wehren sich Einheimische – Beispiel Spanien – verbreitet gegen Feriengäste. Sie sind an manchen Orten zu viele geworden. Und sie benehmen sich häufiger daneben. Das will man sich in dieser Art nicht mehr bieten lassen.

Wohlverstanden, es geht nicht bloss um Befindlichkeiten, son­dern um handfeste Auseinandersetzungen – und darum, wie jene, die schon lange da sind und noch lange bleiben, mit jenen umgehen, die kurz und heftig auf- und dann wieder abtauchen. Der «Clash of Cultures» ist umso bemerkenswerter, als der Tourismus an vielen Lieblingsdestinationen der Reisenden ein enormer Wirtschaftsfaktor ist. Sägen die Spanier und andere da am Ast, auf dem sie sitzen? So einfach ist die Sache nicht. Vielmehr geht es um Nachhaltigkeit in einem umfassenden Sinn – ökologisch, ökonomisch, sozial und eben auch kulturell.

Es ist nicht so, dass sich Ein- heimische und Touristen nicht mehr begegnen sollen, im Gegenteil. Aber der touristische Herdentrieb unter jenen, die sich das Reisen leisten können, muss besser gelenkt werden. Und es braucht intelligente Sys­teme der Besucherführung an den notorisch überlaufenen Hotspots. Da sind Touristiker gefragt, die mehr als die nächste Saison auf dem Radar haben.

Das Wichtigste aber ist dies: Touristen haben kulturelle Ge­pflogenheiten vor Ort zu respektieren. Da sind nicht zuletzt Tour-Operators und Guides ge­fragt. Schliesslich aber: Es würde auch nicht scha­den, wenn es die gute Kinderstube ebenfalls ins geis­tige Reisegepäck schaffte.

Balz Bruder

balz.bruder@luzernerzeitung.ch