Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KURDEN: Unabhängigkeitsreferendum: Irak fürchtet zweites Israel

Vor dem geplanten Unabhängigkeitsreferendum im Nordirak werden die Kurden mit martialischen Drohungen eingedeckt.
Michael Wrase, Limassol
Irakische Kurden marschieren in Erbil mit einem Porträt ihres Präsidenten Masud Barzani. (Bild: Gailan Haji/EPA (13. September 2017))

Irakische Kurden marschieren in Erbil mit einem Porträt ihres Präsidenten Masud Barzani. (Bild: Gailan Haji/EPA (13. September 2017))

Michael Wrase, Limassol

Mit Strassenfesten und Kundgebungen hat die kurdische Autonomiebehörde am letzten Wochenende die Bevölkerung auf das für kommenden Montag geplante Unabhängigkeitsreferendum im Nordirak eingestimmt. Bis tief in die Nacht tanzten Zehntausende von Menschen in den Parkanlagen vor der Zitadelle von Erbil. Europäische Beobachter beschrieben die Stimmung als «euphorisch», was überrascht, wenn man bedenkt, dass nach den USA nun auch die Vereinten Nationen eine Absage oder zumindest eine Verschiebung der Volksabstimmung gefordert haben.

Die einzige ausländische Fahne, die während der Feierlichkeiten in Erbil geschwenkt und präsentiert wurde, war diejenige von Israel. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete die irakischen Kurden vor einigen Tagen als «Menschen, die unsere Werte teilen». Seine Regierung werde daher die irakischen Kurden bei der Durchsetzung ihrer Eigenstaatlichkeit weiterhin unterstützen. Bereits in den 70er-Jahren hatte Israel die Barzani-Kurden heimlich mit Waffen beliefert; Masud Barzani ist seit Juni 2005 Präsident der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak.

Heute kommen drei Viertel der israelischen Rohölimporte aus dem irakischen Kurdistan. Die Ausfuhren erfolgen durch eine Rohrleitung zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Seit 2014 befindet sich in Erbil eine ­israelische Interessensvertretung, die aus politischen Gründen im Verborgenen agiert.

Iran droht mit militärischer Invasion

Sollte Kurdistan tatsächlich unabhängig werden, würde sich dies vermutlich ändern. Zu rechnen ist damit in absehbarer Zeit allerdings nicht – weil die direkten Nachbarn des Binnenlandes nicht nur gegen eine Staatsgründung sind, sondern auch über die Mittel verfügen, ein unabhängiges und lebensfähiges Kurdistan zu verhindern.

Man werde ein «zweites ­Israel im Nordirak niemals tolerieren», verkündete der als pro-iranisch bekannte irakische Vizepräsident Nouri al-Maliki am Montag, nachdem der Oberste Gerichtshof in Bagdad die Aussetzung des Volksentscheids angeordnet hatte. Der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats im Iran, Ali Schamkani, drohte mit der Aufkündigung eines Sicherheitsabkommens zwischen der Islamischen Republik und der Kurdischen Regionalregierung (KRG), falls das «illegale Referendum» tatsächlich abgehalten werden sollte. Sein Land habe in diesem Fall das Recht, «weit über die Grenzbezirke hinaus zu intervenieren».

Ähnliche Drohungen kamen auch aus der Türkei, deren Armee in der an Irak grenzenden Provinz Schirnak seit einigen Tagen Manöver abhält. Militärischen Druck auf Erbil wollen auch die schiitischen Badr-Milizen ausüben. Die in die irakische Armee eingegliederte Streitmacht will am kommenden Wochenende im Süden der Provinz Kirkuk aufmarschieren, welche die irakischen Kurden als integralen Bestandteil ihres zukünftigen Staates betrachten. Die ölreiche Region wird allerdings auch von der Regierung in Bagdad sowie der turkmenischen Minderheit in Kirkuk beansprucht, deren Interessen von Ankara wahrgenommen werden.

«Abstimmung wird nicht verschoben»

Sollte es im Vorfeld der Volksabstimmung zu Kämpfen kommen, sind die Kurden gerüstet. So wie man sich gegen die islamistische Terrormiliz IS durchgesetzt habe, werde man sich auch gegen andere Feinde behaupten, verkündete der kurdische Gouverneur von Kirkuk, Najmaldin Karim, selbstbewusst.

Die Abstimmung werde weder abgesagt noch verschoben, stellte Kurdenführer Masud Barzani am letzten Wochenende klar. Seine Amtszeit ist bereits vor vier Jahren abgelaufen, wurde vom Parlament in Erbil bereits zwei Mal verlängert. Die nächsten Präsidentschaftswahlen sollen im November dieses Jahres stattfinden. Er werde dann nicht mehr kandidieren, sagte Barzani vor einigen Tagen. Ob dies sein letztes Wort war, wird nicht nur in Erbil bezweifelt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.