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KURDENKONFLIKT: Türkei marschiert in Syrien ein

Die Türkei will an der Grenze zu Syrien eine 30 Kilometer breite Sicherheitszone einrichten – eine riskante Operation, die zu Konflikten mit den USA und Russland führen könnte.
Gerd Höhler, Athen
Türkische Panzer passieren die Grenze zwischen der Türkei und Syrien. (Bild: Sedat Suna/EPA (Hatay, 21. Januar 2018))

Türkische Panzer passieren die Grenze zwischen der Türkei und Syrien. (Bild: Sedat Suna/EPA (Hatay, 21. Januar 2018))

Gerd Höhler, Athen

Nach heftigem Artilleriebeschuss und Luftangriffen hat die türkische Armee gestern ihre angekündigte Bodenoffensive gegen die Kurdenmiliz YPG im Norden Syriens begonnen. Türkische Panzerverbände hätten am Vormittag bei Kilis die Grenze überquert, berichtete Ministerpräsident Binali Yildirim.

Mit Unterstützung protürkischer Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) rückten die Verbände auf die Stadt Afrin vor. Ziel der Offensive, die den Namen «Operation Olivenzweig» trägt, ist es, die Kurdenmilizen aus der Enklave Afrin zu vertreiben.

Erdogan will Kurdenmiliz vernichten

Ministerpräsident Yildirim kündigte an, die Türkei wolle eine 30 Kilometer breite Sicherheitszone an der Grenze errichten. Yildirim sagte, in Afrin hielten sich «etwa 8000 bis 10 000 Terroristen» auf. Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte bereits am Samstag angekündigt, nach Afrin werde die Türkei auch auf die östlich gelegene Stadt Manbidsch vorrücken, um die Kurdenmilizen von dort zu vertreiben. Gestern sagte Erdogan vor Anhängern im westtürkischen Bursa: «Wir werden diese Operation in sehr kurzer Zeit vollenden.» Die Kurdenmiliz werde vernichtet, bis nichts mehr von ihr übrig sei, so Erdogan.

Premierminister Yildirim sagte, die Türkei berufe sich bei der Militäroperation auf das Recht zur Selbstverteidigung nach Artikel 51 der UNO-Charta. Die Türkei sieht in der YPG den syrischen Ableger der international als Terrororganisation geächteten kurdischen PKK. Die Kurdenmilizen haben in den vergangenen Jahren weite Gebiete Nordsyriens an der türkischen Grenze unter ihre Kontrolle gebracht und wollen dort eine Autonomiezone schaffen, was die Türkei als Bedrohung ihrer Sicherheit empfindet. Die türkischen Streitkräfte machten zunächst keine Angaben dazu, wie viele Soldaten und Panzer an dem Vorstoss beteiligt sind. Der Generalstab teilte lediglich mit, bei den Artillerie- und Luftangriffen seien 153 Einrichtungen der Kurdenmiliz zerstört worden. «Operation Olivenzweig läuft wie geplant ab», hiess es in einer Mitteilung des Generalstabs.

Über den Verlauf gab es aber gestern widersprüchliche Meldungen. Türkische Medien berichteten unter Berufung auf das Militär, Bodentruppen seien bereits in Afrin einmarschiert. Dagegen erklärte ein Sprecher des Oppositionsbündnisses Syrische Demokratische Kräfte (SDF), es habe am nördlichen Stadtrand zwar heftige Kämpfe zwischen türkischen Einheiten und der YPG gegeben. Die Kurdenmilizen hätten die Angreifer aber zurückgeschlagen. Über mögliche Opfer gab es zunächst keine Angaben.

Bei türkischen Bombardements und Artillerieangriffen auf mutmassliche Stellungen der YPG wurden am Samstag nach Angaben syrischer Menschenrechtler sechs Zivilisten getötet, darunter ein Kind. Die YPG antwortete auf die türkische Offensive mit Raketenangriffen: In der türkischen Grenzprovinz Kilis schlugen gestern Morgen drei Geschosse aus Syrien ein. Eine Person wurde leicht verletzt.

Syrische Regierung verurteilt Einmarsch

Der türkische Vormarsch hat grosse politische Brisanz. Die YPG bildet das Rückgrat der SDF, die wichtigster Verbündeter der USA im Bodenkampf gegen den so genannten Islamischen Staat (IS) in Syrien sind. Nach Medienberichten griff die türkische Luftwaffe am Samstag auch einen Militärflughafen in Nordsyrien an, der von den USA für Waffenlieferungen an die YPG genutzt wurde. Das US-Aussenministerium hatte erst vergangene Woche an die Türkei appelliert, nicht in Syrien einzumarschieren.

Der Vorstoss könnte auch Konflikte mit Russland heraufbeschwören, dem wichtigsten Verbündeten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Syrien verurteile die türkische Offensive als «Aggression» und «brutalen Angriff». Nach eigenen Angaben hat die Türkei sowohl die USA wie auch Russland und Syrien vorab über die Militäroperation informiert. Die syrische Regierung bestreitet das allerdings. Damaskus droht mit dem Abschuss türkischer Kampfflugzeuge. Russland äusserte Besorgnis und rief zur Zurückhaltung auf. In der Region Afrin ist eine nicht genau bekannte Zahl russischer Soldaten stationiert. Ihre Aufgabe war bisher vor allem die Sicherung des Flughafens der Stadt.

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