Coronavirus
Kurz prescht vor: Österreichs Kanzler plant Impfungen bereits ab Januar

Nach den Massentests kommen die Massenimpfungen: Sebastian Kurz macht in Sachen Corona vorwärts. Kann sein Plan aufgehen?

Stefan Schocher aus Wien
Merken
Drucken
Teilen
Prescht bei Impfungen vor: Kanzler Sebastian Kurz.

Prescht bei Impfungen vor: Kanzler Sebastian Kurz.

Roland Schlager/apa (Wien, 25. November 2020

Österreich stehen in den kommenden Monaten Massenveranstaltungen bevor. Ohne Spassfaktor jedoch, und möglichst ohne Menschenansammlungen: Erst soll es Massentests geben, dann Massenimpfungen.

Am Mittwoch wurden Details zu diesen logistischen Mammutaufgaben bekannt. Ein Paarlauf soll es werden: Bei der Impfkampagne will die Regierung in Wien auf Erfahrungswerten der zuvor durchgezogenen Massentests aufbauen. Die Linie gab Sebastian Kurz vor: «Auf dem Weg zurück zur Normalität sind in den kommenden Wochen und Monaten Massentests und Impfungen die zwei entscheidenden Faktoren.»

Wird ein Impfstoff zugelassen und die bestellten Dosen geliefert, soll bereits im Januar mit flächendeckenden Impfungen begonnen werden. Kurz geht von der Zulassung eines Impfstoffes vor Weihnachten aus.

Ein logistisches Mammutprojekt

In einem ersten Durchlauf sollen im Januar alle Menschen über 65 geimpft werden. Priorität dabei sollen Personen in Alters- und Pflegeheimen sowie das dort tätige Personal haben. Auch medizinisches Personal und Ärzte bekämen eine Impfung. In einer zweiten Stufe sollen zwischen Februar und April Personen aus den Bereichen Sicherheit, Justiz, Schulen und Bildung geimpft werden. Und schliesslich, so der Plan, käme ab dem zweiten Quartal 2021 die gesamte Bevölkerung dran.

Soweit der Aufmarschplan gegen das Virus auf dem Papier. Nur: Wie sollen die Massentests vonstatten gehen? Wie umgehen mit Personen aus kritischer Infrastruktur, dem medizinischen Bereich oder auch der Ärzteschaft, die sich nicht testen oder auch impfen lassen wollen? Und mit welchen Tests soll gearbeitet werden: PCR oder Antigen-Schnelltests? Soll nachgetestet werden, um Fehltestungen zu identifizieren?

Klar scheint, dass ohne logistische Unterstützung des Bundesheeres weder Tests noch Impfungen funktionieren werden. Und wie Gesundheitsminister Rudolf Anschober sagt, soll sowohl bei Test wie bei Impfung das Prinzip der Freiwilligkeit gelten. Als Alternative zu Test oder Impfung könnte etwa das Tragen einer FFP2-Maske verpflichtend werden.

Riesenprojekte seien «immer auch Lernprojekte», sagt Anschober dazu. Zu Wochenbeginn habe man gemerkt, «dass wir noch unterschiedliche Informationsstände haben». Der Plan an sich steht, Logistik und Details des Unterfangens sind aber die grossen Unbekannten.

Zuletzt waren vor allem in Wien Testboxen eingerichtet worden: Kleine Containerkomplexe, die Gratistests anbieten und das Ergebnis binnen 15 Minuten direkt weitergeben. Die Boxen gibt es in jeder Region, jedem Wohnbezirk. Dadurch kommt es zu keinen Warteschlangen oder Menschenansammlungen. Das System scheint zu funktionieren.

Nichtmal die Hälfte will sich impfen lassen

Auf der anderen Seite gibt es aber nach wie vor weitreichende Berichte über verschlampte oder falsch zugestellte Testergebnisse. So erhielt etwa ein Mann aus Salzburg zuletzt ein Testresultat aus Tirol. Der Mann war aber nie getestet worden und auch zuvor nicht in Tirol.

Das grösste Fragezeichen allerdings ist die Gewilltheit der Bevölkerung: Laut einer Umfrage will sich in Österreich nur rund jeder zweite Mann und jede dritte Frau überhaupt impfen lassen. Die Hauptmotive: Das Virus werde überschätzt, aber auch Zweifel an der Sicherheit des Impfstoffes.

Acht von zehn Österreichern glauben indes, dass die Pandemie in keiner Weise unter Kontrolle sei. Das liegt wohl nicht zuletzt an den in Österreich bis vor kurzem exponentiell gestiegenen Zahlen – woran laut Medizinern auch die Fahrlässigkeit der Bevölkerung schuld ist.

Nach dem gescheiterten Versuch, die Zahlen mit einem weichen Lockdown zu senken, gilt jetzt ein harter Lockdown – der letztlich doch Wirkung zeigt. Die Zahlen stabilisieren sich, wenn auch auf hohem Niveau. Nach wie vor aber steigt die Zahl der hospitalisierten Personen, weil Covid-Patienten in Österreich im Schnitt erst 10 Tage nach der Positiv-Testung eingeliefert werden.