Lago Maggiore (I)
Seilbahnunglück: Drei Personen wegen fahrlässiger Tötung festgenommen – ein Beschuldigter ist geständig

Am Sonntag ist am Monte Mottarone in der Nähe des Lago Maggiore eine Gondel abgestürzt. Dabei kamen 14 Personen ums Leben. Nun soll die Staatsanwaltschaft drei Personen in Gewahrsam genommen haben.

dpa, watson
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Video: Silja Hänggi

Nach dem Gondelunglück in Norditalien mit 14 Toten sind Medienberichten zufolge drei Menschen festgenommen worden. Dabei handle es sich um Mitarbeiter des Seilbahnbetreibers Ferrovie del Mottarone, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Mittwochmorgen. Darunter sei auch ein Manager.

Ermittler hätten festgestellt, dass ein Sicherheitsbremssystem «manipuliert» worden sei, um Verspätungen des Seilbahnbetriebs zu vermeiden, zitierte Ansa die ermittelnde Staatsanwältin Olimpia Bossi.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag das Video einer Überwachungskamera beschlagnahmt, das den Unfall zeigt. Darauf sei zu sehen, wie sich die Gondel am Sonntag kurz vor der Bergstation am Monte Mottarone westlich des Lago Maggiore befunden habe, als plötzlich ein Seil riss und die Kabine talwärts abstürzte, hiess es.

Noch im Verlaufe des Morgens habe mindestens einer der Beschuldigten die Manipulation gestanden. Dies sagte Polizeikommandnant Alberto Cicognani gemäss «La Stampa».

Der Ort des Unglücks.

Der Ort des Unglücks.

Foto: Keystone

Mehrere der 15 Passagiere wurden aus der Gondel geschleudert. Diese blieb am Ende völlig zerstört an einem Baum hängen. Nur ein kleiner Junge, der seine Familie bei dem Unglück verlor, überlebte. Die Seilbahn verbindet den Ort Stresa mit dem rund 1500 Meter hohen Monte Mottarone.

Erst seit Samstag dürfen Seilbahnen in ganz Italien im Zuge von Lockerungen der Corona-Beschränkungen überhaupt wieder Ausflügler transportieren.

Wie italienische Medien weiter berichten, hätten die festgenommenen offenbar schon seit dem 26. April von den Problemen gewusst. Damit der Betrieb nicht eingestellt werden musste, hätten sie das System manipuliert und eine Vorlegegabel montiert, die den Bremsmechanismus aussetzte.

Ermittelt wird auch wegen fahrlässiger Tötung

Am Dienstag war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Im Fokus stehe mehr als ein Unternehmen. Infrastrukturminister Enrico Giovannini und der Chef der Zivilschutzbehörde reisten am Montag in die Region. Eine Kommission solle die Ermittlungen unterstützen. Nun könnten diese bereits weit fortgeschritten sein. Darauf deuten die Verhaftungen in der Nacht auf Mittwoch zumindest hin.

Gondel-Unglücke kommen selten vor. In Italien wurden im Jahr 2008 mehrere Menschen verletzt, als eine Kabine gegen die Station im piemontesischen Sestriere krachte. 1998 starben 20 Menschen im norditalienischen Cavalese, südlich von Bozen, als ein Militärflugzeug das Kabel der Seilbahn durchtrennte und eine Gondel deshalb abstürzte.

Am Sonntag, 23.Mai 2021 stürzte die Stresa-Mottarone-Seilbahn zu Boden.
8 Bilder
Rettungshelfer vor Ort: 13 Menschen starben, zwei Kinder wurden verletzt ins Spital gebracht.
Warum die Gondel abstürzte war zunächst unklar.
Ein Kind verstarb später im Spital. So stieg die Opferzahl auf 14.
Medienvertreter vor Ort.

Am Sonntag, 23.Mai 2021 stürzte die Stresa-Mottarone-Seilbahn zu Boden.

AP

Überfüllt war die Gondel am Sonntag wohl nicht. Gemäss der Südtiroler Firma Leitner, die für die Wartungen der Seilbahn zuständig ist, sind die Kabinen für 35 Leute ausgelegt. Wegen der Corona-Pandemie hätten nur 20 Menschen rein dürfen. Leitner gab ausserdem an, dass bei der letzten magnetinduktiven Seilprüfung im November 2020 «keine Unregelmässigkeiten» festgestellt worden seien. Die Prüfung erfolge jährlich. Auch nach der Generalüberholung der Bahn im Jahr 2016 sei die Anlage genau kontrolliert worden.

Streckenänderung beim Giro d'Italia

Nach dem Seilbahnunglück am Lago Maggiore hat die Rennleitung des Giro d'Italia aus Respekt vor den 14 Todesopfern die Streckenführung geändert. Die drittletzte Etappe am kommenden Freitag wird nun nicht mehr wie zunächst geplant über die Spitze des Mottarone-Bergs führen. Das teilten die Veranstalter am Dienstag mit.

Das Teilstück wird um zehn Kilometer gekürzt und damit über 166 km von Abbiategrasso nach Alpe di Mera führen. Der italienische Verkehrsminister Enrico Giovannini hatte nach dem Unglück die Änderung der Etappe gefordert.

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