Schicksalstag
Landtagswahl in Hessen angelaufen - es geht auch um Berlin

Im deutschen Bundesland Hessen ist die mit Spannung erwartete Landtagswahl angelaufen. Sie könnte erhebliche Auswirkungen auf die politische Lage in ganz Deutschland und auf die Stabilität der grossen Koalition in Berlin haben.

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Volker Bouffier (66), CDU Ministerpräsident Volker Bouffier will wieder für die CDU antreten und damit sein Amt verteidigen. Seit 2010 ist er der politische Chef von Hessen. Er wurde 1951 geboren, ist verheiratet und Vater von drei Kindern.
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Eva Kühne-Hörmann (56), CDU Die 56-Jährige ist Abgeordnete des Hessischen Landtags und seit dem 18. Januar 2014 Hessische Landesjustizministerin. Zuvor war sie Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst
Thorsten Schäfer-Gümbel (49), SPD Schäfer-Gümbel ist nicht nur Fraktionsvorsitzender und Landesvorsitzender der hessischen SPD, sondern auch der stellvertretende Bundesvorsitzende der Sozialdemokraten.
Nancy Faeser (48), SPD Sie ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Innenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion sowie Generalsekretärin der SPD Hessen.
Priska Hinz (59), Grüne 1985 wurde sie zum ersten Mal in den Hessischen Landtag gewählt. Hinz ist seit dem 18. Januar 2014 in Hessen im Kabinett Bouffier als Staatsministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz tätig.
Tarek Al-Wazir (47), Grüne, Seit 1995 ist Al-Wazir schon Mitgleid des Hessischen Landtags, von 2000 bis 2014 als Fraktionsvorsitzender der Grünen. Schon 2013 war er der Spitzenkandidat seiner Partei. Seit dem 18. Januar 2014 ist Stellvertreter des Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung im Kabinett Bouffier II.
Janine Wissler (37), Die Linke Die in Frankfurt wohnhafte Wissler ist schon seit 2008 Mitglied des Hessischen Landtags, im Folgejahr wurde sie Fraktionsvorsitzende von Die Linke.
Jan Schalauske (37), Die Linke Erst letzten April übernahm Schalauske das Amt von Wili van Ooyen, der Manda aus Altersgründen niedergelegt hat.
René Rock (50), FDP Der 50-Jährige ist seit 2008 Mitglied des Hessischen Landtags. Von 2009 bis 2014 war er stellvertretender Vorsitzender, von 2014 bis 2017 Parlamentarischer Geschäftsführer und seit 9. Mai 2017 ist er Vorsitzender der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag.
Jürgen Lenders (52), FDP Lenders ist seit 2008 Mitglied des Hessischen Landtags und seit 2014 stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag sowie seit 2017 deren Parlamentarischer Geschäftsführer. Seit 2009 ist er außerdem Schatzmeister der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag. Er ist Bezirksvorsitzender in Nord-Osthessen.
Rainer Rahn (66), AfD Der 66-Jährige ist Mediziner und hat insgesamt zwei Doktortitel. Er gehörte in Frankfurt bereits vier Fraktionen an, bevor er jetzt zum Spitzenkandidaten wurde.
Robert Lambrou (50), AfD Der 50-jährige Diplomkaufmann leitet als Stadtverordneter den Revisionsausschuss. Er ist Fraktionsgeschäftsführer und parlamentarischer Geschäftsführer seiner Partei. Im Landesvorstand der AfD wirkt er als einer von zwei Landessprechern. Er war bereits vor fünf Jahren Direktkandidat in einem Wahlkreis und erhielt damals 3,4 Prozent der Erststimmen.
Engin Eroglu (36), Freie Wähler Seit 20 Jahren ist Eroglu in der Kommunalpolitik als Magistrat, im Stadtparlament und im Kreistag tätig. Derzeit ist er Fraktionsvorsitzender im Stadtparlament von Schwalmstadt.
Laura Schulz (22), Freie Wähler Die 22-jährige Schulz ist Studentin und seit April 2016 ehrenamtlich als Stadtverordnete in Obertshausen tätig.

Volker Bouffier (66), CDU Ministerpräsident Volker Bouffier will wieder für die CDU antreten und damit sein Amt verteidigen. Seit 2010 ist er der politische Chef von Hessen. Er wurde 1951 geboren, ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Laurence Chaperon

Den Christdemokraten von Bundeskanzlerin Angela Merkel und auch den mit ihr in Berlin regierenden Sozialdemokraten drohen in dem wirtschaftsstarken Bundesland laut Umfragen schmerzhafte Verluste. In Hessen regiert Merkels Parteifreund Volker Bouffier in einer Koalition mit den Grünen. Das Bündnis zwischen Konservativen und der Mitte-Links-Partei erwies sich in den vergangenen fünf Jahren als unerwartet stabil.

Von der guten Wirtschaftslage und niedrigen Arbeitslosigkeit können die hessischen Koalitionspartner aber nicht im gleichen Masse profitieren. Nach den jüngsten Umfragen würde die CDU im Vergleich zur Landtagswahl 2013 um gut zehn Prozentpunkte auf 26 bis 28 Prozent zurückfallen. Die Grünen könnten sich deutlich von 11,1 auf 20 bis 21 Prozent verbessern. Die SPD würde von mehr als 30 auf 20 bis 21 Prozent fallen.

Ob es am Ende für eine Fortsetzung von Schwarz-Grün reicht und Bouffier im Amt bleibt, ist damit ungewiss. Auch andere Bündnisse sind denkbar. Rund 4,38 Millionen Wahlberechtigte sind bis zum Abend zur Stimmabgabe aufgerufen.

Die rechtspopulistische AfD wird höchstwahrscheinlich mit einem zweistelligen Ergebnis erstmals in den Landtag in Wiesbaden einziehen. Auch Liberale und Linke liegen deutlich über den fünf Prozent der Stimmen, die für einen Einzug ins Landesparlament erforderlich sind. Damit ergäbe sich ein Sechs-Parteien-Parlament, in dem womöglich nur Dreier-Bündnisse eine Mehrheit hätten.

Sollte Bouffier, der einer von fünf stellvertretenden CDU-Chefs ist, abgewählt werden, würde dies auch Parteichefin Merkel schwächen. Dann könnte ihre Wiederwahl beim CDU-Parteitag Anfang Dezember in Frage stehen. Merkel hat aber immer klar gemacht, dass für sie Parteivorsitz und Kanzlerinnenamt in eine Hand gehören.

Bei einem schwachen SPD-Ergebnis im einst "roten" Hessen dürften in der deutschen Sozialdemokratie die Stimmen derer immer lauter werden, die die ungeliebte "GroKo" in Berlin beenden wollen. Ein Ende der Regierung Merkel und vorgezogene Bundestagswahlen wären dann nicht auszuschliessen - was in Zeiten von Brexit, erstarkenden Populisten und bevorstehenden Wahlen zum EU-Parlament neue Unruhe in die europäische Politik brächte.

Erste Prognosen zum Wahlausgang werden unmittelbar mit Schliessung der Wahllokale um 18.00 Uhr erwartet, erste Hochrechnungen etwa eine halbe Stunde später. Das vorläufige amtliche Endergebnis dürfte gegen Mitternacht vorliegen.