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Neuer Swimmingpool, 50'000 Euro für Geschirr, und für 90 Kilometer nimmt er den Jet: Macron lebt wie Gott im Elysée

Exklusiver Swimmingpool, kostspieliges Tafelservice und unnötige Privatjetreisen: Präsident Emmanuel Macron kommt wegen angeblicher Luxusausgaben an den Pranger.
Stefan Brändle, Paris
Der französische Präsident Emmanuel Macron kommt wegen seiner Ausgaben unter Beschuss. Bild: Christian Hartmann/EPA (Paris, 28. April 2018)

Der französische Präsident Emmanuel Macron kommt wegen seiner Ausgaben unter Beschuss. Bild: Christian Hartmann/EPA (Paris, 28. April 2018)

In Frankreich geht ein Verdacht um. Ein Verdacht, der für den Präsidenten fatale Folgen haben könnte. Denn wie die Geschichte lehrt: Je königlicher sich der Herrscher im Elysée gibt, desto revolutionärer wallt es im Volk. Die Wahlguillotine ist in Paris nie weit. Der Verdacht also lautet: Macron I. frönt wie seine erlauchten Vorfahren in Versailles dem schnöden Luxus. Kann das sein?

  • Faktum eins: Brigitte Macron hat beschlossen, das Geschirr im Elysée-Palast rauszuwerfen und durch 1200 Teller und Schalen aus der illustren Sèvres-Porzellanmanufaktur zu ersetzen. Kostenpunkt: 50'000 Euro.
  • Faktum zwei: Die Macrons wollen im Fort de Brégançon, der präsidialen Sommerresidenz westlich von Saint-Tropez, für sich allein einen Swimmingpool errichten lassen. Kostenpunkt: 34'000 Euro.
  • Faktum drei: Vom westfranzösischen Städtchen Roche-sur-Yon ins 90 Kilometer entfernte Rochefort benutzte Macron den Privatjet, obwohl seine Entourage mit einer Fahrzeugeskorte fast gleich schnell gewesen war. Kostenpunkt 3000 Euro.

Nun liesse sich einwenden, diese Ausgaben seien doch gar nicht so extravagant. Das Tischgeschirr des Elysées ist buchstäblich ein tragendes Element der – in Frankreich sehr politischen – Esskultur. Zudem ist es teils so verblichen wie die Erinnerung an den Präsidenten René Coty (im Amt von 1954 bis 1959), der einzelne noch heute verwendete Sèvres-Teller schon vor 60 Jahren ins Sortiment aufgenommen hatte.

Umfragewerte im Sinkflug

Was das Planschbecken in der imposanten Küstenfestung betrifft, soll es nicht mehr wie geplant in den Boden eingelassen werden, sondern demontierbar sein. Laut Macrons Entourage kostet es kaum die Hälfte des Schutzdispositivs für elf Gendarmen und zwei Rettungsschwimmer (60'000 Euro pro Sommer). Die gingen bisher in Alarmstellung, wenn sich Monsieur le Président am Fusse von Fort Brégançon unter das biedere Volk am Sandstrand mischte. Der eigene Pool hingegen läge paparazzifrei hinter dicken Mauern.

Der böse Verdacht hält sich dennoch. Schuld ist wieder einmal das Enthüllungsblatt «Le Canard Enchaîné». Es berichtet, die teils handgemalten Elysée-Teller kosteten über 400 Euro pro Exemplar. Damit würde der Zähler nicht bei 50'000 Euro stehen bleiben, sondern fast 500'000 Euro erreichen. In Sachen Swimmingpool heisst es ferner, mehrere Ex-Präsidenten hätten schon den Einbau eines selbigen in Fort Brégançon geprüft, aber als zu kostspielig verworfen. Erst Macron wurde konkret; dafür verheimlichte er seinen Plan zuerst vor der Öffentlichkeit.

Dem 40-jährigen Präsidenten, der in den Umfragen ohnehin auf Sinkflug ist, fliegen nun sarkastische Reaktionen um die Ohren. Um nicht zu sagen die Teller: Aus dem Burgund schickte ein Ehepaar sein Geschirr den Macrons ins Elysée. Lästerte der Staatschef doch kürzlich über die «Wahnsinnskohle, die das verschlingt» – wobei er nicht seinen Swimmingpool meinte, sondern generell die Sozialausgaben Frankreichs. Mit seinem Tellergeschenk wolle es Macron aus der Not helfen, meinte das Rentnerpaar aus der Nähe von Cluny mit beissender Ironie.

Wütend sind die Franzosen nicht so sehr über die Höhe der Geldbeträge, sondern über das Gemisch von Ausreden, Vertuschungsversuchen und falschen Zahlenangaben. Das kennen sie von ihren Präsidenten nur zu gut. Auf diese Weise versuchte sich schon Nicolas Sarkozy, als er im Präsidenten-Airbus auch Badewanne und Sauna einrichten wollte. Erst nach heftigen Reaktionen verzichtete er darauf.

«Gewesene» Präsidenten müssen gar nicht mehr mogeln, erhalten sie doch fürstliche Renten von bis zu 20'000 Euro im Monat; dazu verfügen sie über ein Grossbüro, eine Limousine mit zwei Chauffeuren, ein Dutzend Angestellte sowie Gratisreisen mit Staatsbahn oder Air France. Letzteres stets «in der besten Klasse», wie ein Dekret schon im Jahre 1985 bestimmte. Das Budget des Elysées von 109 Millionen Euro im Jahr bleibt trotzdem dreimal höher als das des deutschen Kanzleramtes. Die meisten Ausgaben des französischen Präsidialamtes sind zudem in den Budgets anderer Ministerien versteckt. Niemand vermöchte deshalb zu sagen, wie viel Geld Frankreich für seine Präsidenten ausgibt.

Überfällige Sanierung des Elysée-Palastes

Das Paradoxe ist, dass die Präsidenten gar nicht wie ein Krösus leben. Monsieur le Président verdient 15'000 Euro im Monat, weniger als die deutsche Kanzlerin (18'000 Euro). Sein Wohnsitz, das Elysée, wird zwar von Eingeweihten «Château» genannt, bietet aber weder die Ausmasse noch den Komfort eines Schlosses. Als blosse Dependance des Königshofes beherbergte es im 18. Jahrhundert die königliche Mätresse, Madame de Pompadour. Heute vermag der schöne Schein der Kristalllüster und Gobelin-Wandteppiche nicht zu verbergen, dass das Gebäude heruntergekommen ist. Während der Amtszeit Sarkozys verfehlte ein herunterfallendes Stück eines Stuckengels nur knapp das Haupt eines fremden Staatschefs. Dessen Identität wurde diplomatisch verschwiegen. Auch die Macron-Berater sagen es: Der Staatschef lebt nicht im Überfluss, musste er doch sogar die überfällige Sanierung des Elysée aufschieben. Vorrang hat eben der Swimmingpool.

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