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Leichtsinnige Reiseplanung? Französische Soldaten sterben bei Geiselbefreiung

Bei einer Geiselbefreiung in Westafrika sind zwei französische Soldaten ums Leben gekommen. Das Aussenministerium kritisiert den «Leichtsinn» von Abenteuerreisenden.
Stefan Brändle, Paris
Die beiden getöteten französischen Soldaten Cédric de Pierrepont (links) ujnd Alain Bertoncello. (Bild: EPA)

Die beiden getöteten französischen Soldaten Cédric de Pierrepont (links) ujnd Alain Bertoncello. (Bild: EPA)

Frankreich ehrt am Dienstag mit einer nationalen Zeremonie zwei Elitesoldaten, die bei einer Geiselbefreiung in Burkina Faso ihr ­Leben gelassen haben. Alain Bertoncello und Cédric de Pierrepont hatten vergangene Woche in dem Sahelland einen nächtlichen Einsatz angeführt, um mehrere Geiseln zu befreien. Eine US-Drone hatte ihre Präsenz an der Grenze zu Mali gemeldet; das liess den Schluss zu, dass das Dutzend Entführer die vier Geiseln möglicherweise an Dschihadisten ausliefern oder verkaufen wollte.

Präsident Emmanuel Macron gab umgehend grünes Licht für den Einsatz einer Marineeinheit. Um zu verhindern, dass die Kidnapper ihre Geiseln erschossen, wie ein Armeesprecher später erläuterte, näherte sich das Befreiungskommando lautlos dem frei liegenden Biwak, ohne von ihren Schusswaffen Gebrauch zu machen. Noch zehn Meter entfernt, wurden die Soldaten entdeckt und die beiden Anführer niedergestreckt. Im Schussgefecht fielen alle Kidnapper; die Geiseln – zwei Franzosen, eine Südkoreanerin und eine Amerikanerin – kamen unversehrt frei.

Kritik an Präsident Macron

Macron holte das französische Paar – ein 46-jähriger Klavierlehrer und ein 51-jähriger Schmuckdesigner – am Samstag persönlich auf einem Militärflughafen bei Paris ab. Dafür erntete er heftige Kritik: Die politische Opposition und namentlich die Rechtspopulistin Marine Le Pen erklären, der Staatschef wolle sich im aktuellen Europawahlkampf als Geiselretter inszenieren; dabei seien letztlich die befreiten Touristen schuld am Tod zweier französischer Soldaten.

Macron verzichtete deshalb nach der Begrüssung der Geiseln auf jede Ansprache. Aussenminister Jean-Yves Le Drian stimmte in die Kritik ein und meinte, die «leichtsinnigen» Reisenden seien ein «grösseres Risiko» eingegangen, indem sie in den Wildpark von Pendjari im Staat Benin gereist seien, der vom Aussenministerium als «rot» markiert sei. Von Reisen dorthin werde «in aller Form abgeraten». Mittlerweile hat sich allerdings gezeigt, dass nur der an Burkina Faso angrenzende Teil des Parks rot markiert war; die Hotellodge des französischen Paares befand sich bis Ende April nicht einmal im orangen, sondern im gelben Bereich – vergleichbar mit Ländern wie Thailand oder den Malediven. Am Montag war die Zone im Norden von Benin plötzlich auch rot gefärbt.

Unklare Sicherheitslage

Auch diese stille Änderung heizt die Debatte über die Verantwortung der Reisenden an. «Jede Reise birgt ein gewisses Risiko», meint Jean-Pierre Mas vom Verband französischer Reiseagenturen. Sein auf Individualreisen spezialisierter Berufskollege Didier Arino stellt in Abrede, dass einzelne seiner Kunden das Risiko geradezu suchten; hingegen wüssten sie bisweilen nicht Bescheid über die Gefahren. Eric Bonnem vom Abenteuerreisebüro Tamera wirft den westlichen Behörden vor, sie seien sich oft selbst nicht einig: Die Briten führten den Wildpark Pendjari in Benin zum Beispiel in der grünen Zone. Bisher zumindest. Andere Regierungen rieten von Reisen in ganze Länder – wie Ägypten – ab. Und wenn einmal «rot», bleibe die Warnung meist intakt, da keine Behörde die Verantwortung auf sich nehmen wolle, Sturmentwarnung zu geben, so Bonnem.

Tamera organisiert unter anderem Reisen nach Wakhan in Afghanistan oder in die Wüste Djanet in Algerien. Nicht aber nach Libyen oder Niger, zwei Ländern, die nicht weit von Djanet entfernt liegen. Der bekannte französische Reiseführer Guide du routard deckt Westafrika seit einem Jahrzehnt nicht mehr ab, ausgenommen Senegal.

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