Letzter Aufruf – Swiss streicht China-Verbindung

Die Swiss fliegt am Donnerstag zum letzten Mal nach China – zumindest vorläufig. Die Swiss-Besatzungen sollen in die Schweiz zurückkehren können. Doch noch immer befinden sich Schweizer im Krisengebiet.

Pascal Ritter
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Am Donnerstag fliegt die Fluggesellschaft Swiss vorläufig zum letzten Mal nach China. Bis am 9. Februar bedient die Lufthansa-Tochter die Destinationen Peking und Schanghai nicht mehr. Der Flug am Donnerstag dient noch dazu, «Fluggästen die Möglichkeit zu geben, ihren geplanten Flug wahrzunehmen, sowie den Swiss-Besatzungen, in die Schweiz zurückzukehren». Grund für diese Massnahme ist der Corona-Virus. Der Mutterkonzern Lufthansa schreibt auf seiner Website, die Sicherheit von Reisenden und Angestellten habe oberste Priorität. Neben der Swiss ist auch der österreichische Lufthansa-Ableger Austrian betroffen.

Das Corona-Virus war im Dezember 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan ausgebrochen. Es befällt die Atemwege und gehört zur gleichen Familie wie Sars, das 2002 und 2003 sich von Südchina aus verbreitete. Seit dem 23. Januar ist die Stadt Wuhan von der Aussenwelt weitgehend isoliert. Die Bewohner dürfen die Stadt nicht verlassen. Bisher wurde bei rund 6000 Personen das Virus im Labor nachgewiesen. Experten gehen aber davon aus, dass die Zahl der Infizierten um ein Vielfaches höher sei. Mehr als 100 Patienten sind der Krankheit bisher erlegen.

Am Morgen gab sich Swiss noch zuversichtlich

Die Entscheidung der Lufthansa, die Flüge der ganzen Gruppe nach China einzustellen, wurde kommuniziert, nachdem es an Bord einer Lufthansa-Maschine an Mittwoch zu einem Corona-Virus-Verdachtsfall gekommen war. Die chinesischen Behörden stuften einen Passagier des Fluges LH780 von Frankfurt nach Nanjing als Risikofall ein. Gemäss Medienberichten soll der Mann zwar kein Fieber gehabt, aber gehustet haben. Daraufhin wurden die Passagiere jeweils drei Reihen hinter und vor dem betroffenen Fluggast sowie die Besatzung von chinesischen Behörden überprüft. Bisher wurde der Verdacht aber nicht bestätigt. Die Crew flog mit der nächsten Maschine zurück.

Noch am Mittwochvormittag hatte es von der Swiss in einem Radiointerview mit Radio SRF geheissen, die Flüge fänden weiterhin statt, es gebe keine Änderungen im Flugplan. Zu diesem Zeitpunkt hatte British Airways bereits die Entscheidung kommuniziert, Flüge nach China einzustellen. Der langjährige Aviatikjournalist Hansjörg Bürgi gibt sich wenig überrascht ob des späteren Meinungsumschwungs der Swiss beziehungsweise Lufthansa. «Das war zu erwarten», sagt der Chefredaktor von «SkyNews.ch» auf Anfrage dieser Zeitung.

«Wenn eine Airline eine Destination meidet, müssen die anderen nachziehen, sonst werden die Reisenden nervös.»

Die Swiss fliegt die Destinationen Schanghai pro Woche siebenmal und Peking fünfmal an. Vom Ausfall betroffen sind gemäss Nachrichtenagentur AWP rund 4000 Fluggäste.

Der Bund hat mittlerweile einen Blog zur aktuellen Entwicklung zum des Corona-Virus eingerichtet. Das Bundesamt für Gesundheit rät von Reisen in die Provinz Hubei ab, wo sich die Stadt Wuhan befindet. Für Reisen in die übrigen Regionen Chinas empfiehlt der Bund, Hygienemassnahmen zu erhöhen, Menschenansammlungen sowie Personen mit Husten zu meiden.

Noch immer befinden sich Schweizer im Krisengebiet

Gemäss dem Aussendepartement befinden sich noch immer mehrere Schweizer in der Region Wuhan. Ein Teil davon, will das Land verlassen. Beim Aussendepartement heisst es, man tausche sich laufend mit Partnerstaaten aus, um die Modalitäten einer möglichen Ausreise von Schweizer Staatsangehörigen zu besprechen. Die Frage, ob eine Evakuierung durch die gestrichenen Swissflüge erschwert werde, beantwortete ein Sprecher des Aussendepartementes gestern nicht. Er verwies auf die Website zum Corona-Virus. Dort heisst es, der Bund sei zwar verpflichtet Schweizern im Ausland beizustehen. Ein Anrecht für Schweizer Staatsangehörige auf eine organisierte Ausreise aus einem Krisengebiet bestehe allerdings nicht. Wo möglich und sinnvoll, sei eine Ausreise in Zusammenarbeit mit Drittstaaten oder internationalen Organisationen durchzuführen.

Die Auswirkungen auf Schweizer Reiseveranstalter halten sich bisher in Grenzen. China-Reisen werden in der Regel eher für den Sommer gebucht. Bei Hotelplan Suisse sei nur eine Handvoll Reisende betroffen, sagt Sprecherin Bianca Gähweiler. «Für diese Kunden konnten individuelle Lösungen gefunden werden», sagt sie. Kunden, deren China-Reise bis Ende Februar beginnt, können kostenlos stornieren oder umbuchen. Ähnlich klingt es beim Reiseanbieter TUI Schweiz. Man stehe mit den wenigen Kunden, die sich zurzeit in China befänden, in Kontakt.


Keine bestätigte Ansteckung in der Schweiz, aber 50 Verdachtsfälle

(dpo) Wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gestern bekannt gab, sind in der Schweiz 50 Verdachtsfälle registriert worden. Zum jetzigen Zeitpunkt konnte das Corona-Virus bei keiner Person nachgewiesen werden. Jedoch seien Erkrankungsfälle in den nächsten Tagen möglich. Die Lageentwicklung in der Schweiz und weltweit werde «aufmerksam verfolgt», so das Bundesamt. Drei Verdachtsfälle sind im Kanton Basel-Stadt aufgetreten. Die Fälle seien allesamt negativ ausgefallen, ein vierter Fall ist noch in Abklärung, teilte das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt mit. Für die Besorgnis seitens der Bevölkerung hat Daniel Koch, Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten beim BAG, Verständnis: «Es ist nachvollziehbar, dass die Menschen beunruhigt sind und Fragen haben. Damit wir individuelle Fragen besser beantworten können, schalten wir in den nächsten Tagen eine Hotline auf». Rückreisenden aus China mit Atembeschwerden oder Krankheitssymptomen rät das BAG, telefonisch einen Arzt zu kontaktieren und dabei auf die Chinareise hinzuweisen.   In Deutschland gibt es vier, in Frankreich drei bestätigte Fälle von Personen, die mit dem Virus infiziert sind.

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Fabian Kretschmer aus Peking