MACAU: Die letzten Tage des Greyhound

Die chinesische Sonderverwaltungszone ist noch der einzige Ort in Asien, wo es Hunderennen gibt. Wohl nicht mehr lange. Für Tierschützer ist dies aber erst der erste Schritt.

Dominik Buholzer
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Greyhounds werden vor dem Rennen dem Publikum präsentiert. Wehe, wenn die Tiere nicht mehr ihre Leistung erbringen. (Bild: Dominik Buholzer)

Greyhounds werden vor dem Rennen dem Publikum präsentiert. Wehe, wenn die Tiere nicht mehr ihre Leistung erbringen. (Bild: Dominik Buholzer)

Dominik Buholzer

Die Aufregung bei der Frau aus Singapur ist gross. Sie hat auf Hund Nummer 4 gesetzt. «Wenn er gewinnt, gehe ich mit meinem Mann heute Abend noch Meeresfrüchte essen, sonst gibt es nur Brot», meint sie lachend.

Macau Canidrome an einem frühen, schwülen Abend. Durchs Oval hetzen bereits die ersten Hunde. Ins grosszügige Stadion mitten in der Stadt haben sich nur wenige verirrt. Dabei haben die Rennen in Macau Tradition. Seit 1912 finden sie wöchentlich mehrmals am Abend statt. Jeweils sechs bis acht Windhunde jagen den mechanischen Hasen. Auf der Tribüne und an den Banden werden sie von den Wettfreudigen lautstark angefeuert.

Lange wird es dies nicht mehr geben. Denn der Stadtverwaltung sind die Windhundrennen zunehmend ein Dorn im Auge, seit der Widerstand von Tierschutzorganisationen heftiger geworden und die privaten Betreiber der Rennbahn immer stärker unter Druck geraten sind. Laut der US-Tierschutzorganisation Grey2K gehen die Betreiber mit Tieren, die nicht mehr die erhoffte Leistung zeigen, wenig freundlich um. Pro Jahr sollen laut der Grey2K bis zu 380 Greyhounds getötet werden. Australische Fluggesellschaften haben sich deshalb laut Medienberichten geweigert, neue Tiere nach Macau zu fliegen. Erst in Schottland fanden die Betreiber der Rennbahn wieder jemanden, der ihnen neue Hunde verkaufte. Jetzt löst die Stadtverwaltung das Problem auf ihre Weise: Sie stellt den Betreibern ein Ultimatum. Entweder sie verlegen die Anlage an einen neuen Ort, oder sie müssen den Betrieb 2018 einstellen.

Letzteres wird der Fall sein, denn in der Stadt hat niemand ein Interesse, den Betreibern der Windhundrennen ein Areal zu vermieten – allein schon aus finanziellen Gründen. Zu wenig schaut als Profit heraus. Das weiss auch Albano Martins, Präsident der Tierschutzorganisation Anima, die den Protest in Macau massgeblich organisierte. Und trotzdem ist er betrübt. «Es ist eine Schande, dass die Stadtverwaltung den Betreibern so lange Zeit lässt. Denn bis 2018, bis das Ultimatum abläuft, sind längst alle Tiere, die jetzt noch auf der Anlage sind, tot», sagt er. Martins wurde deshalb bei der Stadtverwaltung vorstellig und bat, dass man Anima die Tiere überlas- se. Die Tierschutzorganisation möchte die Hunde zur Adoption freigeben. «Ich weiss nicht, ob die Stadt uns helfen wird», sagt er. «Aber ich weiss, dass es dem Image der Stadt schadet, wenn herauskäme, dass die Tiere qualvoll sterben mussten.»

Im Canidrome gehen derweil die Rennen langsam zu Ende. Für die Frau aus Singapur waren sie wenig erfolgreich. Das Rennen machte Hund Nummer 6.