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MACHT: Der Tausendsassa im Weissen Haus

Er ist erst 36. Und doch scheint Jared Kushner, Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, im Machtgerangel im Weissen Haus die Oberhand zu gewinnen.
Renzo Ruf, Washington
Jared Kushner (36, Chefberater): Der Ehemann der Trump-Tochter Ivanka ist wie sein Schwiegervater ein reicher Immobilienunternehmer. Er hatte entscheidenden Anteil an Trumps Wahlsieg, indem er die Kampagne in den sozialen Netzwerken organisierte. Obwohl aussenpolitisch völlig unerfahren, soll er sich um Themen wie die Handelsverträge und den Nahen Osten kümmern. (Bild: Carolyn Kaster/AP)

Jared Kushner (36, Chefberater): Der Ehemann der Trump-Tochter Ivanka ist wie sein Schwiegervater ein reicher Immobilienunternehmer. Er hatte entscheidenden Anteil an Trumps Wahlsieg, indem er die Kampagne in den sozialen Netzwerken organisierte. Obwohl aussenpolitisch völlig unerfahren, soll er sich um Themen wie die Handelsverträge und den Nahen Osten kümmern. (Bild: Carolyn Kaster/AP)

Was für eine Woche. Am Montag hielt sich Jared Kushner in der irakischen Hauptstadt Bagdad auf, wo er sich von General Joseph Dunford, dem ranghöchsten US-Militär, über die Fortschritte im Kampf gegen die IS-Rebellen informieren liess. Am Mittwoch war er zurück im Weissen Haus, um an den Gesprächen teilzunehmen, die sein Schwiegervater Donald Trump mit dem jordanischen König über den Friedensprozess im Nahen Osten führte. Sogleich ging es weiter, nach Florida – wo er Zaungast des Treffens zwischen Präsident Trump und seinem chinesischen Amtskollegen war.

Damit nicht genug. Kushner ist, gemäss dem Weissen Haus, auch zuständig für die Verbesserung der bilateralen Beziehungen zu Mexiko, den Umbau der Bundesregierung mit ihren 2,6 Millionen zivilen Angestellten und für allerlei progressive Anliegen, denen der Präsident zu wenig Beachtung schenkt. Angesichts dieses Portfolios wird in Washington bereits darüber gespottet, dass Kushner – der seit 2009 mit Ivanka Trump (35), der älteren Tochter des Präsidenten, verheiratet ist – das eigentliche Machtzentrum im Weissen Haus bilde. Ein letzter Beweis für diese Theorie: die Entmachtung des präsidialen Chefstrategen Steve Bannon, dem diese Woche von Trump beschieden wurde, dass er nicht mehr Teil des Nationalen Sicherheitsrates sei. Zwar stellte Bannon diesen Schritt umgehend als Erfolg dar. In den Hauptstadtmedien aber war die Rede davon, Bannon habe nach seiner Demontage mit dem Rücktritt gedroht – auch weil Kushner und seine weltoffenen Verbündeten, die den Beinamen «West Wing Demokraten» tragen, Trump von seinem nationalistisch-populistischen Kurs abbringen.

Die Machtfülle, die der Schwiegersohn des Präsidenten geniesst, ist beispiellos. Und nicht wenige Politbeobachter in Washington zerbrechen sich den Kopf darüber, warum der Präsident seinem Schwiegersohn derart viele komplexe Probleme aufbürdet. Ein Erklärungsversuch: Trump vertraut ihm, da Kushner die gleiche Sprache wie er spricht. Denn bevor er zum präsidialen Tausendsassa aufstieg, war er Chef des Familienunternehmens Kushner Companies, das mehr als 20'000 Wohnungen und Bürohäuser besitzt. Zudem war er der Besitzer des «New York Observer». Selbst seine Kritiker sagen heute, Firmenchef Kushner habe sich gut geschlagen, obwohl er sich mit einer schier unmöglichen Aufgabe konfrontiert sah. Denn als er zum Kopf des Familienunternehmens aufstieg, war er nur 23 Jahre alt – und nicht auf diesen Karrieresprung vorbereitet. Die plötzliche Festnahme und Inhaftierung seines Vaters Charles liess Jared aber im Sommer 2004 keine andere Wahl. Noch heute erzählen Familienfreunde, dass Jared seinen Vater fast jedes Wochenende im Gefängnis in Alabama besucht habe. Damit bewies er Loyalität – eine Charaktereigenschaft, die auch dem Schwiegervater wichtig ist.

Renzo Ruf, Washington

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