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«Alte Dämonen kehren zurück»

Vertreter von 70 Staaten haben in Paris der Millionen Toten des Ersten Weltkrieges gedacht. Donald Trump und Emmanuel Macron mussten allerdings zuerst ein Missverständnis ausräumen.
Stefan Brändle, Paris
Die Sängerin Angélique Kidjo aus Benin trat gestern vor den in Paris versammelten Staats- und Regierungschefs auf. (Bild: François Mori/AP)

Die Sängerin Angélique Kidjo aus Benin trat gestern vor den in Paris versammelten Staats- und Regierungschefs auf. (Bild: François Mori/AP)

An alles hatten die französischen Organisatoren der 100-Jahr-Feier des Ersten Weltkrieges (1914–1918) gedacht – ausser an die Schirme. Viele der rund 70 Staats- und Regierungschefs, darunter Bundespräsident Alain Berset, mussten sich im strömenden Regen über die Champs-Elysées zum Triumphbogen bewegen. Der kurze Fussmarsch in geschlossener Formation wäre trotzdem ein schönes Friedenssymbol gewesen – wenn nicht Donald Trump aus der Reihe getanzt wäre. Der US-Präsident fuhr getrennt im Hochsicherheitscadillac vor. Spät gelandet, schaffte es auch der russische Präsident Wladimir Putin gerade noch rechtzeitig an die Zeremonie, die ganz auf den französischen Präsidenten zugeschnitten war.

Als endlich alle vereint waren, hörten sie Ravels «Boléro», die afrikanische Sängerin Angélique Kidjo sowie von Jugendlichen verlesene Weltkriegszeugnisse. Sogar die obligate Marseillaise klang aber für einmal nur trist. Am Grab des Unbekannten Soldaten erinnerte Macron an die zehn Millionen Toten, sechs Millionen Verwundeten und sechs Millionen Waisen der Grande Guerre (Grosser Krieg), wie man in Frankreich sagt. Zudem habe der Waffenstillstand des 11. November, so Macron, «leider nicht den Frieden gebracht», sondern in den Zweiten Weltkrieg gemündet. «Und es gibt alte Dämonen, die zurückkommen», warnte der Präsident. «Die Gefahr droht, dass die Geschichte wieder ihren düsteren Weg nehmen könnte.»

Macron verzichtet auf «Tag des Sieges»

Patriotismus sei das Gegenteil von Nationalismus, meinte Macron nicht nur an die Adresse der Weltkriegsnationen, sondern auch an diejenige der französischen Rechtsextremistin Marine Le Pen. Sie hatte am Vortag auf den Schlachtfeldern von Verdun deklariert, der Erste Weltkrieg habe Frankreich den «grössten militärischen Sieg seiner Geschichte» beschert; Macron warf sie vor, zum 11. November keine Truppenparade organisiert zu haben. Der französische Präsident hatte in der Tat darauf verzichtet, den 11. November wie in Frankreich üblich als Tag des Sieges zu feiern.

Am Samstag hatte er mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Compiègne, dem Ort der Waffenstillstandsunterzeichnung vor hundert Jahren, lieber «den Wert der deutsch-französischen Versöhnung» herausgestrichen. So lautet auch die Inschrift einer neuen Plakette, während auf der alten zu lesen war: «Hier unterlag am 11. November 1918 der verbrecherische Hochmut des Deutschen Reiches.»

Kontroverse um Europa-Armee

Mit Merkel besuchte erstmals ein deutscher Regierungschef jene Waldlichtung nördlich von Paris, wo Adolf Hitler 1940 die damals unterlegene französische Armee in einem Racheakt gedemütigt hatte. Merkel sorgte am Samstag für den wohl einprägsamsten Moment der ganzen Zeremonien, als sie sich in Compiègne kurz an Macrons Wange schmiegte – eine weibliche und zweifellos spontane Geste empfundener Freundschaft, die hundert Jahre später über den blinden Nationalismus von anno 1918 triumphierte.

Leiden musste in Paris hingegen eine Männerfreundschaft. Nachdem sich Macron für die Bildung einer europäischen Armee ausgesprochen hatte, twitterte Trump vor seiner Ankunft in Paris, das sei eine «sehr beleidigende Idee». Er bezog sich auf den Hinweis des Franzosen, dass Europa sich gegen äussere Drohungen «aus China, Russland und sogar den Vereinigten Staaten» schützen müsse. Macron hatte die USA allerdings nur im Zusammenhang mit politisch motivierten Hackerangriffen genannt. Wütend twitterte der US-Präsident weiter, die Europäer täten besser daran, einen höheren Anteil an das Nato-Budget zu zahlen. Bei einer Unterredung erklärte Macron sodann versöhnlich, er sei bereit dazu.

Der geeignete Ort zur Lösung dieses diplomatischen «Missverständnisses» – so das Elysée im Nachhinein – wäre eigentlich das von Macron in der Pariser Villette-Halle organisierte «Friedensforum» gewesen. Daran nahmen am Sonntagnachmittag neben Merkel, Macron und UNO-Generalsekretär António Guterres auch Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan teil. Trump war aber bereits abgereist.

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