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MAJESTÄTSBELEIDIGUNG: Dem scharfen Kritiker droht der Prozess

Ein prominenter thailändischer Professor hat historische Details in Frage gestellt. Darum muss der alte Mann vielleicht lange ins Gefängnis.
Sulak Sivaraska. (Bild: Narong Sangnak/EPA)

Sulak Sivaraska. (Bild: Narong Sangnak/EPA)

Diese Vorlesung könnte ihn teuer zu stehen kommen: Dem thailändischen Sozio- logieprofessor Sulak Siva- raksa drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis, weil er am 5. Oktober 2014 im Hörsaal der Thammasat Universität in Bangkok wagte, die geläufige Version der Geschichte Thailands in Frage zu stellen. Sulak sagte vor seinen Studenten, dass eine Legende über einen 1593 regierenden thailändischen König womöglich nicht ganz den historischen Tatsachen entsprechen könnte. Damit soll er das Königshaus beleidigt haben – in Thailand ein ernstes Vergehen, das hart bestraft wird.

Mehr als drei Jahre lang trug die Staatsanwaltschaft die Fakten zusammen, glaubte schliesslich, einen wasserdichten Fall zu haben. Doch am vergangenen Donnerstag vertagte das zuständige Militärgericht die Entscheidung, ob es dem 85-Jährigen wirklich den Prozess machen soll. Vielleicht dämmert den Richtern, dass der Fall «Sulak» so absurd ist, dass er der Junta in Bangkok nur eine schlechte Presse einbringen kann.

Aber zur Vorgeschichte: Sulak Sivaraksa ist nicht nur in Thailand ein bekannter Mann. Als Verfechter eines humanitären, sozialen und ökologischen Buddhismus erhebt er seit Jahrzehnten seine Stimme für die Unterdrückten und Benachteiligten. Er vertritt einen weltzugewandten Buddhismus, gründete diverse Nichtre­gierungsorganisationen und 1989 gemeinsam mit dem Dalai Lama das auch im Westen bekannte «Internationale Netzwerk engagierter Buddhisten» (Ineb). Den alternativen Nobelpreis erhielt er 1995, für den Friedensnobelpreis ist er mehrfach nominiert worden.

Sulak ist ein scharfer Kritiker der von ihm als korrupt beschriebenen Politikerkaste, und er prangerte in zahlreichen Büchern soziale Missstände und den Untergang der Demokratie in Thailand an. So brachte er auch das Militär, das sich seit der Staatsgründung bereits zwölfmal an die Macht geputscht hatte, gegen sich auf. Dass er sich selbst als Royalist bezeichnet, hielt ihn in der Vergangenheit nicht davon ab, gelegentlich auch vorsichtige Kritik am im vergangenen Jahr verstorbenen thailändischen König Bhumibol zu üben.

So ist es denn auch nicht das erste Mal, dass der Enkel chinesischer Einwanderer wegen angeblicher Majestätsbeleidigung angeklagt wird. Doch wo schon frühere Vorwürfe jeweils arg konstruiert und politisch motiviert wirkten, sind sie dieses Mal hanebüchen: Eine in Thailand weit verbreitete Geschichte besagt, dass sich im Jahr 1593 der thailändische König Naresuan und der burmesische Thronfolger Mingyi Swa auf Elefanten reitend ein Duell lieferten, aus dem der Thailänder siegreich hervorging. Unabhängige Historiker bezweifeln viele der überlieferten Details und sagen, dass die Geschichte vermutlich nur im Kern stimme. Diese Meinung äusserte auch Sulak vor seinen Studenten – und die Behörden nahmen Witterung auf.

James Gomez, Direktor bei Amnesty International für Südostasien, nannte die Vorwürfe gegen Sulak jetzt «absolut absurd» und «lächerlich». Die herrschenden Gesetze auf einen König anzuwenden, der vor vier Jahrhunderten gelebt habe, sei eine ganz bewusste Fehlinterpretation. Die thailändische Junta bediene sich des «Lèse Majesté»-Paragraphen, um sich unliebsame Kritiker vom Hals zu schaffen. Sulak selbst sagte, Thailand sei schon lange kein Rechtsstaat mehr. «Ich bin ihnen ausgeliefert. Wenn sie mich strafen wollen, werden sie es tun. Was kann ich tun?»

Ulrike Putz, Singapur

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