Ausland-Einsätze
Mali-Attentat: SVP-Fehr fordert Abzug von Schweizer Soldaten

Der Anschlag in Mali mit zwei verletzten Schweizer Soldaten befeuert die Diskussion über Auslandeinsätze der Schweizer Militärs. Der Bundesrat will das Kontingent von Soldaten im Ausland von 300 auf 500 erhöhen. Dagegen wehrt sich Hans Fehr (SVP).

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Zwei Schweizer wurden beim Anschlag in Mali verletzt.

Zwei Schweizer wurden beim Anschlag in Mali verletzt.

Noch mehr Auslandeinsätze? "Das kommt nicht infrage", sagt SVP-Nationalrat Hans Fehr in der "NZZ am Sonntag". Als Reaktion auf das Attentat will er im April in der Sicherheitspolitischen Kommission den Antrag stellen, dass das Kontingent ganz gestrichen wird. "Die Schweiz soll sich auf humanitäre Hilfe und Friedensdiplomatie beschränken, das ist ihre Stärke", sagt er.

Zürcher Nationalrat Hans Fehr (Archiv)

Zürcher Nationalrat Hans Fehr (Archiv)

Keystone

Die von ihm erhoffte bürgerliche Mehrheit wird er dafür kaum zusammenbringen. CVP-Nationalrat Jakob Büchler will die Missionen nicht generell infrage stellen, doch müsse man den Vorfall analysieren: "Eventuell müssten wir darauf verzichten, unsere Soldaten in derart gefährliche Gebiete wie Mali zu schicken", sagt er in der "NZZ am Sonntag".

Das Restaurant «La Terrasse» in Bamako (Mali): Hier eröffnete ein Mann das Feuer.
7 Bilder
Tatort: Das Restaurant La Terrasse
Blut am Boden des Restaurants
Polizisten kommen am Tatort an
Polizei vor Ort
Attentat auf Restaurant in der Hauptstadt von Mali - zwei Schweizer verletzt

Das Restaurant «La Terrasse» in Bamako (Mali): Hier eröffnete ein Mann das Feuer.

Keystone

FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger will nichts von einem Abbau wissen, befürchtet aber: "Dieser Vorfall wird die politische Diskussion um die Auslandeinsätze der Armee wieder anheizen." Für SP-Ständerat Roberto Zanetti ist diese Debatte verfehlt: "Wenn man jetzt einen derartigen Unglücksfall politisch instrumentalisieren will, dann finde ich das höchst unanständig." Bundesrat Ueli Maurer (SVP) wollte dazu am Samstag keine Stellung nehmen. Er weilt für eine Skilanglaufveranstaltung, den Wasa-Lauf, in Schweden, wie die "NZZ am Sonntag" schreibt.

Angeschossene Schweizer stabil

Zwei verletzte Schweizer in stabilem Zustand
Unter den Verletzten waren zwei Schweizer Armeeangehörige. Einer der Verletzten war in Mali für die UNO als Minenexperte im Einsatz, der zweite gehörte zur Abklärungsmission, welche sich um Lagerung und Vernichtung von gesammelter Munition kümmert.

Beide wurden nach Notoperationen am Samstag zur weiteren Behandlung in die senegalesische Hauptstadt Dakar ausgeflogen. Sie seien in stabilem Zustand und würden so bald wie möglich durch die REGA in die Schweiz zurückgeholt, erklärte die Schweizer Armee. Ein dritter Schweizer, der bei dem Anschlag auch in dem Restaurant war, wurde den Schweizer Angaben zufolge nicht verletzt.

Die malische Regierung hatte unmittelbar nach dem Attentat von einem "Terroranschlag" gesprochen, verübt von denen, "die kein anderes Ziel haben, als die Aussicht auf Frieden zu zerstören". Dies wurde als Anspielung auf die im Norden Malis operierenden islamistischen Rebellen interpretiert.

Mali war nach einem Militärputsch im März 2012 ins Chaos gestürzt. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff im Januar 2013 militärisch ein, um das Vorrücken von Islamisten und Tuareg-Rebellen vom Norden in den Süden des Landes zu stoppen und die geschwächten Regierungstruppen zu unterstützen. Später übergaben die Franzosen die Verantwortung an die Blauhelm-Mission Minusma.

Algerische Terroristen bekennen sich

Die "Operation in Bamako" sei von tapferen Kämpfern der Al-Murabitun-Gruppe ausgeführt worden, "um unseren Propheten zu rächen, der vom ungläubigen Westen beleidigt und verspottet wurde", hiess es in einer Audiobotschaft eines Sprechers der Gruppe um den algerischen Islamisten Mokhtar Belmokhtar.

Belmokhtar, genannt "der Einäugige", gehört zu den meistgesuchten Islamisten der Region. In der Nachricht wird das Attentat als Vergeltungsschlag für die Tötung eines führenden Al-Murabitun-Befehlshabers durch französische Soldaten im Dezember bezeichnet.

In der malischen Hauptstadt hatte in der Nacht zu Samstag eine Gruppe Bewaffneter ein Restaurant überfallen und das Feuer eröffnet. Ein Franzose und ein Belgier sowie drei Einheimische starben, mindestens acht Menschen wurden verletzt.