MALI: Frontstaat im Krieg gegen den Terror

Zwei Offensiven gegen Dschihadisten unter Führung französischer Truppen in Mali erinnern daran, dass im westafrikanischen Land noch immer Krieg geführt wird. Doch nun wird auch die Forderung nach einer politischen Alternative laut.

Walter Brehm
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Militärbasis in N’Djamena. (Bild: Emma Farge/Reuters (26. Oktober 2014))

Militärbasis in N’Djamena. (Bild: Emma Farge/Reuters (26. Oktober 2014))

Walter Brehm

Mitten im Wahlkampf zum zweiten Durchgang der Präsidentschaftswahl hat Frankreich an «seinen» Krieg gegen den Dschihadismus in Afrika erinnert. Eine Woche vor der Stichwahl berichtete das Verteidigungsministerium in Paris über die «Operation Bayard» südwestlich der Stadt Gao im Norden Malis. Luftangriffe mit Mirage-Jets, Absprung von Kampftruppen aus Tiger-Helikoptern, verstärkt durch Einheiten von Minenräumern.

Die Bilanz nach der aufwendigen Aktion: 20 «neutralisierte» Terroristen und die Sicherstellung grösserer Mengen an Waffen, Munition, Raketenwerfern und Bauteilen für Bomben.

Spektakuläre Offensiven unter französischer Führung

Das Einsatzgebiet der französischen Truppen war ein Waldgebiet an der Grenze zu Burkina Faso, einem Rückzugsraum islamistischer Rebellen. Schon Ende März hatte in der Gegend eine ­gemeinsame Offensive französischer Truppen mit Verbänden der Armeen Malis und Burkina Fasos stattgefunden – eine Strafaktion gegen Terroristen, die im Dezember 2016 in Burkina Faso einen Militärposten angegriffen und zwei weitere Anschläge gegen die Polizei des Landes verübt hatten.

Auch diese Operation unter dem Codenamen «Panga» war mit der grossen Kelle angerichtet worden. 1200 Soldaten, davon 140 aus Frankreich, nahmen teil. Die unmittelbare Schwächung der Dschihadisten war dennoch gering. Zweit tote Terroristen und ein französischer Gefallener, der mit seinem Jeep auf eine Mine aufgefahren war. Das militärische Ziel wurde aber erreicht. Viele Dschihadisten wechselten wieder auf die malische Seite der Grenze und wurden so zum Ziel der «Operation Bayard».

Nicht nur diese beiden jüngsten Aktionen unter französischem Kommando im Norden schüren in Mali das Gefühl wieder wachsender Unsicherheit – auch in anderen Landesgegenden. Im Westen häufen sich vor allem entlang der Strassen ins Nachbarland Senegal bewaffnete Überfälle. Diese allerdings werden nicht nur von Dschihadisten verübt. Mehr und mehr sind auch kriminelle Banden und lokale Milizen die Täter.

John Ging, Chef der UNO-Koordination für humanitäre Hilfe, sieht Mali sogar erneut an einem kritischen Punkt angelangt. Heute vor einer Woche hat das malische Parlament in Bamako den Ausnahmezustand im Land um weitere sechs Monate verlängert – was allerdings nicht verhindern konnte, dass am gleichen Wochenende in mehreren malischen Städten Demonstrationen gegen die «Untätigkeit des Staates» stattfanden.

Gleichzeitig mit dieser neuerlichen Eskalation des Kleinkrieges hat in Malis Hauptstadt Bamako eine Friedenskonferenz mit etwa 300 Teilnehmern aus zivilgesellschaftlichen, religiösen und politischen Organisationen an einem Tabu gerührt. Sie forderte: Die Regierung möge Verhandlungen mit Führern der einheimischen Dschihadisten aufnehmen.

Ob dieser Aufruf von den westlichen Militärs im Land gehört wird, ist mehr als fraglich – obwohl die Konferenz unter der Schirmherrschaft der UNO-Mission Minusma stattgefunden hat. Auch Malis Präsident Ibrahim Boubacar Keïta erklärte: «Ein Dialog mit den Dschihadisten kommt nicht in Frage.» Doch allein der Hinweis, Verhandlungen mit Dschihadisten seien illusorisch, wird den Unmut über den militärisch ungelösten Konflikt nicht verstummen lassen.

Mali. (Bild: jn)

Mali. (Bild: jn)