«Ich werde immer an meinem Grossvater gemessen»: Mandelas Enkelin führt seinen Kampf weiter

Ndileka Mandela engagiert sich mit einer Stiftung für Gesundheit, Bildung und die Jugend in Südafrika. Dass Nelson Mandela ihr Grossvater war, hat für sie Vor- und Nachteile.

Markus Schönherr aus Kapstadt
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Ndileka Mandela.

Ndileka Mandela.

Bild: Siphiwe Sibeko/AP

«In dem Moment, in dem wir uns zum ersten Mal sahen, wurden wir zu Freunden: Ich und der grosse Mann, den ich durch eine Glasscheibe küsste und berührte.» So erinnert sich Ndileka Mandela an jenen Tag im Jahr 1981, an dem sie ihren Grossvater Nelson Mandela kennenlernte. Damals war sie 16 Jahre alt: gerade alt genug, um die Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt betreten zu dürfen. Und der Mann hinter Gittern? Er war noch weit davon entfernt, Friedensnobelpreisträger und erster demokratisch gewählter Präsident seines Landes zu werden.

Als Nelson Mandela am 11. Februar 1990 aus dem Gefängnis kam, läutete das nach mehr als 60 Jahren Rassentrennung die Demokratie in Südafrika ein. Die 27 Jahre hinter Gittern hatten Mandela ergrauen lassen und seinen Körper geschwächt. Seinen Willen aber, für eine multikulturelle, gleichberechtigte Nation einzutreten, den haben sie nur gestärkt. Selbst die Tatsache, dass das Apartheidregime ihm 1969 die Teilnahme an der Beerdigung seines Sohns, Ndilekas Vater, verweigerte, konnte den Friedensaktivisten nicht brechen. Nach seiner Freilassung suchte Mandela Versöhnung statt Rache. «Hass verdirbt und vergiftet dich und derjenige, gegen den du Groll hegst, hat die Macht über dich.» Das habe ihr Grossvater immer gesagt, erzählt Ndileka. Und eines wollte Mandela keinesfalls: dass seine Kerkermeister weiter Macht über ihn hätten.

Fast jeder Dritte ist arbeitslos

Vier Jahre nachdem der Afrikanische Nationalkongress (ANC) wieder zugelassen und Mandela freigelassen wurde, kam es in Südafrika zu den ersten demokratischen Wahlen. Aber heute noch plagen den jungen Schwellenstaat grosse Probleme: 55 Prozent leben in Armut, etwa 30 Prozent sind arbeitslos. Die Einkommensschere steht so weit offen wie nirgendwo sonst. Um die Armut zu besiegen und Vertrauen zurückzugewinnen, müsse die Regierung wieder auf das Rezept seiner Gründungsväter setzen: ethische Führung, Rechenschaft, Verantwortung, ein moralischer Kompass und Kompetenz. «Das waren nicht bloss die Werte meines Grossvaters, sie sind gleichzeitig der Inbegriff guter Regierungsführung», sagt Ndileka Mandela.

Die Enkelin des grossen Freiheitskämpfers hat, angespornt durch ihre Grosseltern, eine Stiftung gegründet, mit der sie sich in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Jugendentwicklung engagiert. Ihr Nachname ist dabei Fluch und Segen zugleich. «Ich werde immer an meinem Grossvater gemessen. Das kann manchmal frustrierend sein, da ich eine eigenständige Person bin», erzählt die 55-Jährige.

Doch der Name Mandela öffne auch Türen: «Zu den Privilegien zählt eindeutig, dass ich reisen und die Mandela-Familie oder eine ihrer Gedenkinstitutionen auf der ganzen Welt vertreten kann.» Die Begegnung mit den führenden Köpfen komme wiederum ihrem Aktivismus zugute. Der Geist des berühmten Grossvaters, der wirkt bis heute nach.

Was wissen Sie über das Leben von Nelson Mandela? Machen Sie mit an unserem Quiz:

Frage 1 / 10

Wie viele Jahre war Nelson Mandela insgesamt im Gefängnis?

25.5
1 Jahre
50 Jahre

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