Medien
Maulkorb für österreichische Journalisten – ORF will seinen Mitarbeitern den Mund verbieten

Auslöser zur Diskussion ist ein Tweet, den der ORF-Journalist Lukas Tagwerker am Dienstag absetzte. Dieser zeigt den Screenshot einer Mitteilung des Generaldirektors des Österreichischen Rundfunks, Alexander Wrabetz.

Merken
Drucken
Teilen
Dieser Tweet vom ORF-Journalist Lukas Tagwerker löste eine Diskussion aus.

Dieser Tweet vom ORF-Journalist Lukas Tagwerker löste eine Diskussion aus.

Screenshot Twitter

Darin werden Journalisten des ORF aufgefordert, im privaten Umfeld darauf zu verzichten, öffentliche Äusserungen und Kommentare in sozialen Medien zu machen, «die als Zustimmung, Ablehnung oder Wertung von Äusserungen, Sympathie, Antipathie, Kritik und Polemik gegenüber politischen Institutionen, deren Vertreter oder Mitglieder zu interpretieren sind».

Ausserdem solle es unterlassen werden, öffentliche Äusserungen und Kommentare in sozialen Medien zu machen, «die eine voreingenommene, einseitige oder parteiische Haltung zum Ausdruck bringen, die Unterstützung derartiger Aussagen und Initiativen Dritter sowie die Teilnahme an derartigen Gruppen, sofern damit die Objektivität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit des ORF konterkariert würde».

Dem aber nicht genug. Der Mitteilung zufolge gelten selbst Likes und Shares gewisser Posts als entsprechende Meinungsbekundungen und sollen vermieden werden.

Die Reaktionen sind negativ

Tagwerker unterlässt es in seinem Tweet, die Mitteilung zu kommentieren. Er fügt der Meldung allerdings den Hashtag #FreedomOfSpeech hinzu. Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten. Zahlreiche Personen antworten empört.

Weitere Twitter-User fragen, wie weit sich das auswirkt:

Und viele andere zweifeln an der Legitimität dieser Vorschriften:

Gegenüber dem Nachrichtenportal Der Standard sagte der ORF aus, dass es sich bei dieser Mitteilung nur um einen Entwurf der angekündigten Social-Media-Guidelines handle. Man orientiere sich an internationalen Vorbildern wie der New York Times. Im Mittelpunkt stehe die Absicherung der Unabhängigkeit, Unparteilichkeit, Objektivität und Äquidistanz des ORF.

Es sei ein Irrtum gewesen, dass das Dokument bereits an einen Teil der Mitarbeiter verschickt worden sei. Noch nicht einmal der Stiftungsrat habe die neuen Social-Media-Regeln gesehen. Dieser werde erst am Donnerstag im Plenum erwartet. Über den Text seien im Augenblick noch Gespräche im Gange. (doz)