Grossbritanien
Mays «Lügen» und Corbyns «Abfall»: So deftig titelt die britische Presse am Wahltag

Die Briten wählen ein neues Unterhaus. Die konservative Premierministerin Theresa May will sich mit der vorgezogenen Wahl eine deutlichere Mehrheit und ein klares Mandat für die Brexit-Verhandlungen sichern. Ob ihre Rechnung aufgeht, ist unklar. Die Umfragen zeigen kein klares Bild.

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Die Briten wählen ein neues Unterhaus. (Symbolbild/Archiv)

Die Briten wählen ein neues Unterhaus. (Symbolbild/Archiv)

KEYSTONE/AP/MATT DUNHAM

Über fehlende Unterstützung durch die Medien darf sich May nicht beklagen, insbesondere durch die gedruckte Presse. Die meisten Zeitungen stehen den konservativen Torys nahe. Das gilt nicht zuletzt für die Boulevardpresse, die am Wahltag mit knalligen Schlagzeilen die Wähler zu mobilisieren versuchen.

«Sun» vs. «Mirror»: Die Titelseiten der britischen Revolverblätter am Wahltag.

«Sun» vs. «Mirror»: Die Titelseiten der britischen Revolverblätter am Wahltag.

watson.ch

Das gilt auch für die heutige Wahl, oder erst recht. Denn die Labour-Partei und ihr Vorsitzender Jeremy Corbyn haben einen starken Wahlkampf hingelegt. Weshalb die «Sun», die grösste britische Zeitung, die Wählerschaft in einem Wortspiel davor warnt, Grossbritannien in den «Cor-Bin» zu werfen. Man habe genug von seinem «Abfall», heisst es.

Das Gegenstück bildet der Labour-nahe «Daily Mirror». Er prangert auf der Front die «Lügen» von Theresa May an und meint, man solle Britannien nicht zu weiteren fünf Jahren «mit gebrochenen Tory-Wahlversprechen» verurteilen. Damit steht der Mirror so ziemlich alleine.

Die «Daily Mail», die einen besonders rabiaten Pro-Brexit-Kurs fährt, gibt sich für ihre Verhältnisse geradezu dezent. Sie zitiert aus Theresa Mays letzter Wahlkampfrede. Nach der Ankündigung der Neuwahl durch die Regierungschefin hatte die Mail weit rabiater getitelt: «Zermalmt die Saboteure».

Zweimal die «Daily Mail»: Die Ausgaben vom 8. Juni und vom 19. April.

Zweimal die «Daily Mail»: Die Ausgaben vom 8. Juni und vom 19. April.

watson.ch

Am Tag vor der Wahl hatten die beiden führenden rechten Revolverblätter versucht, Corbyn und die Labour-Partei als «Terroristen-Versteher» zu brandmarken. Tatsächlich hat der Parteichef, der am linken Rand seiner Partei politisiert, in der Vergangenheit Verständnis für gewaltbereite Gruppierungen wie die IRA und die palästinensische Hamas gezeigt.

Anhänger der Linken reagierten empört. Andere griffen zur liebsten Waffe der Briten. Sie unterstellten dem Labour-Chef in den sozialen Medien unter dem Hashtag #LastMinuteCorbynSmears allerlei absurde «Vergehen». Hier eine Auswahl besonders humoriger Tweets:

Und zum Schluss noch dies:

(pbl)