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Mays riskantes Manöver

Gabriel Felder zu den angekündigten Neuwahlen in Grossbritannien.
Gabriel Felder, London
Gabriel Felder, London (Archivbild)

Gabriel Felder, London (Archivbild)

Neunmal Nein: Die britische Premierministerin Theresa May wurde in der Vergangenheit nicht müde, ihre ablehnende Haltung vor laufenden Kameras zu beteuern. «Wir brauchen keinen Urnengang, sondern Stabilität, um den Herausforderungen unseres Landes zu begegnen», sagte sie noch vor Wochen mit gereiztem Unterton in einem Interview mit der britischen BBC.

Der monumentale Vorsprung ihrer konservativen Partei in Meinungsumfragen stellte sich schliesslich als zu verlockend heraus: «Es ist jetzt Zeit für Wahlen», verkündete May am vergangenen Mittwoch und kam damit einer erneuten Nachfrage nach möglichen Neuwahlen zuvor.

Der Wahlkampf in Grossbritannien dauert nur gerade sieben Wochen und läuft bereits auf Hochtouren. Mays Administration flog dazu eigens den australischen Politstrategen Lynton Crosby ein – ein Mann, der sich bestens mit den britischen Verhältnissen auskennt. Crosby verhalf bereits David Cameron zu zwei Wahlerfolgen und tat dasselbe mit dem illustren Blondschopf Boris Johnson bei dessen Ambitionen auf das Londoner Bürgermeisteramt. Johnson ging beide Male als Sieger aus dem Rennen, und dies erst noch als Konservativer in einer Labour-Hochburg.

Crosby operiert stets nach dem gleichen Muster. Er setzt auf einfache, eingängige Politbotschaften. Und diese werden unablässig hinausposaunt, bis sie auch beim letzten Wähler angekommen sind. Dieses Mal wird es die Warnung vor der «Chaos-Koalition» sein. Damit zielen die britischen Konservativen und ihr australischer Berater Crosby auf die scheinbar einzige Alternative, die die Parteienarithmetik momentan zulässt: Die Briten hätten die Wahl zwischen einer starken und soliden Führung unter den Konservativen und einer schwachen und unsicheren Chaos-Koalition unter Jeremy Corbyn von der Labour-Partei. Theresa May warnt bereits heute überall, wo ihr ein Mikrofon entgegengestreckt wird, vor dem drohenden Chaos. Bald werden auch ihre Kabinettskollegen in den Kanon einsetzen, auch wenn der Slogan bereits im Wahlgang von 2015 Verwendung fand. Crosby wird das nicht stören: Sein Bild der Infiltration der Masse ist so simpel wie seine Strategie: Niemand hat wirklich Zeit, sich mit den Details eines politischen Diskurses auseinanderzusetzen, und schlussendlich bleibt haften, was sich schnell und einfach zusammenfassen lässt.

Theresa May entfernt sich damit immer mehr vom Image der vorsichtig abwägenden Pfarrerstochter, die vor nichts mehr Angst hat, als vorschnell eine falsche Entscheidung zu treffen. Trotz Vorsprung in den Umfragen geht sie mit der Festsetzung von Neuwahlen beachtliche Risiken ein: Die politische Sprengkraft des Brexit ist nach wie vor enorm, und Mays Kalkül, sich durch eine grössere Parlamentsmehrheit zu Hause einen grösseren Rückhalt in den bevorstehenden Verhandlungen in Brüssel zu sichern, könnte schnell zum Boomerang werden. Bereits werden erste Stimmen im Anti-Brexit-Lager laut, welche die Parlamentswahlen als Chance für ein «EU-Referendum» sehen.

Es bleibt abzuwarten, ob es der Kampagnenmaschinerie von Lynton Crosby gelingen wird, diese Stimmen mit saloppen Slogans wegzudröhnen. Die Frau von der Strasse aus Bristol brachte es für viele Briten auf den Punkt, als sie in einer TV-Strassenumfrage sagte: «Nicht schon wieder eine Wahl! Ich halt’s nicht mehr aus.»

Gabriel Felder, London

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