MEDIEN: Die Luzerner Zeitung setzt ein Zeichen gegen den Terror

Die Seite drei der Luzerner Zeitung ist in der Ausgabe vom Dienstag leer geblieben. Dort, wo im Normalfall überregionale Berichterstattung zu lesen ist, stand ein einziger Satz: «Im Gedenken an die Opfer des islamistischen Terrors verzichten wir hier auf eine Berichterstattung.»

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Die Seite 3 in der Luzerner Zeitung vom 6. Juni 2017 (Bild: Christian Volken/luzernerzeitung.ch)

Die Seite 3 in der Luzerner Zeitung vom 6. Juni 2017 (Bild: Christian Volken/luzernerzeitung.ch)

Die Luzerner Zeitung und ihre Regionalausgaben in Obwalden, Nidwalden, Zug und Uri haben sich entschieden, in der Ausgabe vom Dienstag nach Pfingsten auf die Berichterstattung über das Londoner Attentat zu verzichten. Pascal Hollenstein, publizistischer Leiter, erklärt den ungewohnten Schritt im Kommentar auf der Zeitungsfront.

Er beschreibt, was nach Terrorereignissen zur Routine für Leser und Berichterstatter geworden ist: Die Abfolge von Pushnachricht der News-App, dem nachfolgenden Newsticker, des ersten Kommentars, der Hintergrundgeschichten über Täter und Milieu, die Spekulationen über das Vorwissen der Geheimdienste, Gespräche mit Experten, wohlmeinende Äusserungen zum Wert der Freiheit, wider die totale Überwachung des Bürgers und zur Notwendigkeit der Verteidigung unserer Art zu leben. «Und dann», so Hollenstein, «folgt: Das Vergessen. Bis zum nächsten Anschlag.»

Er greift den Vorwurf auf, dass sich Redaktionen mit eifriger Berichterstattung zu Komplizen der Terroristen machen – und fragt: «Wäre der Terrorismus nicht wirkungslos, wenn seine Botschaft nicht in Windeseile um den Globus getragen würde?» Am Beispiel der jüngsten Terrorattacken in London hält Hollenstein fest: «Die Täter waren Islamisten, es gab Tote. Mehr braucht man im Grunde nicht zu wissen.»

Die leere Seite 3 will Pascal Hollenstein in Gedenken an die Opfer des islamistischen Terrors verstanden wissen. Und als Zeichen, dass «wir uns von diesen erbärmlichen Gewaltverbrechern mit ihrer primitiven Ideologie nicht die Agenda diktieren lassen.»

Klar ist indes, dass Informationen nicht unterdrückt werden dürfen. Die Öffentlichkeit müsse wissen, was ist, und sie habe Anspruch auf Einordnung. «Wir werden also nach dieser Zäsur wieder über den Terror berichten. Berichten müssen. Immer mit dem Bestreben, in der Hektik den Blick für das wirklich Wichtige nicht zu verlieren», so Hollensteins Fazit.

cv