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Wahl in Brasilien: Bolsonaro gleicht eher Duterte als Trump

Weil sich Brasiliens neuer Präsident Jair Bolsonaro als unfehlbar hält, wird er oft mit Donald Trump verglichen. Dabei hat er mehr Ähnlichkeiten mit dem philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte, der Kriminelle durch die Militärpolizei umbringen lassen will.
Philipp Lichterbeck

Es ist eine Zäsur für Brasilien und eine weitere Warnung an den Rest der Welt. Das grösste Land Lateinamerikas wird ab dem 1. Januar von Jair Bolsonaro regiert. Der 63-jährige Oberst der Reserve hat keine Regierungserfahrung, aber extreme anti-demokratische Tendenzen. Er lobt Brasiliens Militärdiktatur und will mehrere Ministerien mit Generälen besetzen. Auf seine Intoleranz gegenüber Minderheiten und Andersdenkenden ist er stolz: Kurz vor der Wahl drohte er allen Gefängnis an, die sich nicht der Mehrheit fügten.

Brasilien rückt damit in die wachsende Riege der Länder ein, die von autoritär denkenden Männern regiert werden, die Konsens und Diskussion als störend empfinden und sich selbst für unfehlbar halten.

Oft wurde Bolsonaro deswegen mit Donald Trump verglichen. Das ist nur insofern richtig, als dass auch Bolsonaro seinen steilen Aufstieg den sozialen Netzwerken zu verdanken hat, die von seiner Kampagne mit unzähligen Lügen geflutet wurden. Viel mehr gleicht Bolsonaro aber dem philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte. Beide Männer haben den Drang, andere Menschen zu beschimpfen – berüchtigt ist Bolsonaros Drohung gegen eine linke Abgeordnete, dass sie es nicht verdiene, von ihm ver­gewaltigt zu werden. Und beide halten Gewalt für die optimale Lösung von Problemen. Wie Duterte will Bolsonaro die Militärpolizei losschicken, um Kriminelle umzubringen.

Diese Verachtung Bolsonaros für demokratische Rechte hat das gesellschaftliche Klima in Brasilien bereits negativ ver­ändert. Kurz vor der Wahl drangen Polizisten in Universitäten ein, um Spruchbänder gegen den Faschismus zu beschlagnahmen und Diskussionsveranstaltungen zu unterbinden. Dozenten wurden kontrolliert, ob ihre Vorträge nicht «ideologisch motiviert» seien. Auch Journalisten, die einfach nur die Wahrheit über den künftigen brasilia-nischen Präsidenten berichten, werden immer direkter über das Internet bedroht. Eigentlich stockkonservative Medien gelten den neuen Rechten plötzlich als «kommunistisch». Immer öfter kommt es nun auch zu Anfeindungen und brutaler Gewalt auf den Strassen, die in den allermeisten Fällen von Bolsonaros Fans ausgeht.

Warum sich die Brasilianer für Bolsonaro entschieden haben? Wegen eines Staats, der unfähig erscheint, Probleme wie Kriminalität, fehlende Bildung und schlechte Gesundheitsver­sorgung zu lösen. Wegen einer korrupten politischen Klasse. Und wegen der fehlenden Aufarbeitung der Militärdik­tatur. Die Angst geht um, dass Brasiliens Geschichte sich mit Bolsonaro wiederholen könnte.

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