Bulgarien

Mehrere bulgarische Botschafter waren früher Agenten

Zahlreiche bulgarische Top-Diplomaten haben nach Ermittlungen eines Parlamentsausschusses früher für den kommunistischen Geheimdienst gearbeitet. Noch heute sind Ex-Agenten als Botschafter tätig, so beispielsweise in Deutschland oder China.

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Hunderte Diplomaten unter die Lupe genommen (Symbolbild)

Hunderte Diplomaten unter die Lupe genommen (Symbolbild)

Keystone

Der Ausschuss veröffentlichte am Dienstag im Internet die Namen von 192 früheren Mitarbeitern des berüchtigten Geheimdienstes Darschawna Sigurnost, die nach dem Ende des Kommunismus im Jahr 1991 als Diplomaten tätig waren. Die meisten von ihnen wurden demnach als Botschafter ins Ausland entsandt.

Dem staatlichen bulgarischen Rundfunk zufolge haben mindestens zehn Ex-Agenten heute noch Botschafterposten inne - so auch der nach Deutschland entsandte Vertreter der bulgarischen Regierung. Gleiches gilt unter anderem für die amtierenden Botschafter in London, Moskau, Peking, dem Vatikan und bei den Vereinten Nationen in New York.

Das Komitee, das seit Jahren die Archive des Geheimdienstes auswertet, überprüfte 426 Top-Diplomaten. Von ihnen hatten zu Zeiten des Kommunismus offenbar fast jeder zweite für die Geheimpolizei gearbeitet.

Bulgarien hat vor 13 Jahren damit begonnen, die Archive des berüchtigten Geheimdienstes zu öffnen. Seither wurden tausende Namen von früheren Agenten oder Kollaborateuren veröffentlicht, die nach dem Fall des Kommunismus in den Staatsdienst eingetreten sind.

Auch der heutige Staatspräsident Georgi Parwanow soll der Archiv-Auswertung zufolge mit der Geheimpolizei zusammengearbeitet haben. Er weist die Vorwürfe jedoch zurück. Die Ermittlungen des Parlamentsausschusses haben keine rechtlichen Folgen für frühere Informanten oder Spione.