Landwirtschaft: Punktgenaue Ertragsschätzung dank Drohnen

Dank Unterstützung aus der Luft kann ein dänischer Gemüsebauer seine Erträge heute genau abschätzen. Landwirte werden zunehmend zu Drohnenpiloten und können Felder effizienter bewirtschaften.

Niels Anner, Kopenhagen
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Nicht nur in Dänemark: Drohnen kommen auch in Schweizer Rebbergen zum Einsatz. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone (Fully, 24. Juli 2018)

Nicht nur in Dänemark: Drohnen kommen auch in Schweizer Rebbergen zum Einsatz. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone (Fully, 24. Juli 2018)

Mit dem Oktober kommt bekanntlich die Zeit der Kürbisernte – und dies nicht nur wegen Halloween. Die grossen, farbigen Früchte der Cucurbita werden vielerorts als schmucke und lange frisch bleibende Herbstsymbole aufgestellt. Grossproduzenten wie der dänische Landwirt Frants Bernstorff-Gyldensteen berechnen deshalb ihre Ernte möglichst im Voraus, um grössere Lieferungen planen zu können – dänische Vergnügungspärke wie das Tivoli in Kopenhagen oder das Legoland in Billund, aber auch Zoos und Erntedankfeste schmücken sich jeweils im Herbst mit Tausenden von seinen Kürbissen.

Für Bauer Bernstorff-Gyldensteen stellt sich jedoch das Problem, dass er auf seinen 80 Hektaren Land leicht den Überblick verliert: «Wir hatten bisher keinerlei Möglichkeit, die Anzahl der Kürbisse genau abzuschätzen», erklärte der grösste Kürbisanbauer Nordeuropas dem dänischen Fernsehsender TV2.

Einsatz von Dünger oder Pestiziden reduzieren

Geerntet hat er jeweils einige hunderttausend Exemplare, doch dieses Jahr konnte der Bauer erstmals bereits im Voraus präzise den Verkauf planen, was ihm zusätzlichen Gewinn einbrachte. Er wusste frühzeitig, dass auf seinen Feldern um die 400000 Kürbisse wachsen – dank dem Einsatz neuer Technologie und einem Forschungsprojekt der Süddänischen Universität. Diese setzte Drohnen, Kameras und automatisierte Bildanalyse ein, um die Felder abzufotografieren und die orangen Punkte darauf, die Kürbisse, zu zählen. Auf diese Weise entdeckten die Forscher 40000 Kürbisse mehr, als die Schätzungen von Bernstorff-Gyldenstee ergeben hatten. Zudem kannte der Bauer nun die genaue Menge seiner Ernte, konnte also den Verkauf zu guten Preisen aufgleisen. Nach Halloween fallen diese jeweils.

Drohnen kommen international in der Landwirtschaft mehr und mehr zum Einsatz. Sie können dabei die unterschiedlichsten Aufgaben erleichtern oder überhaupt erst ermöglichen. Dazu gehören die Überwachung von Feldern und Plantagen sowie das Entdecken von Schäden durch Überschwemmungen oder Unkraut im Landwirtschaftsland. Die benötigten Mengen von Dünger und Pestiziden können dadurch genauer berechnet und ausgebracht werden, und Saatgut kann regelmässiger und einfacher verteilt werden, ohne dass der Boden komprimiert wird. Drohnen erlauben auch die genaue Aussetzung von Nützlingen, Spinnen oder Insekten, die Schädlinge tilgen. Zudem ist mit fliegenden Wärmebildkameras die Suche nach Rehkitzen möglich, damit diese nicht den grossen Mähmaschinen zum Opfer fallen.

Laut einer aktuellen Studie der Universität Kopenhagen ist das Potenzial der mit Drohnen verbundenen neuen Technologien enorm: Schon in drei bis fünf Jahren könnte die dänische Landwirtschaft pro Jahr einen Nettogewinn von umgerechnet 200 Millionen Franken ernten. Dänische Bauern werden deswegen nun zunehmend geschult, Drohnen selber zu bedienen, um in Zukunft weniger auf Fachleute angewiesen zu sein. Gleichzeitig arbeiten Technologiefirmen mit Landwirten zusammen, um deren Bedürfnisse, etwa ausdauernde Batterien, besser zu erkennen.