Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Kolumne

Freiheit ist die Freiheit der Anderen

Am 4. Juli 2018 kletterte Therese Okoumou auf die Freiheitsstatue im Hafen von New York, um gegen die von US-Präsident Trump verordnete Trennung illegal eingereister Menschen von ihren Kindern an der Grenze zu Mexiko zu protestieren.
Susanne Holz
Therese Okoumou lässt es nicht gleichgültig, das Schicksal der Migranten aus Mexiko: «I care!» (Bild: Seth Wenig/Keystone, New York, 19. März 2019)

Therese Okoumou lässt es nicht gleichgültig, das Schicksal der Migranten aus Mexiko: «I care!» (Bild: Seth Wenig/Keystone, New York, 19. März 2019)

Therese Okoumou macht konsequent das, was Marxistin Rosa Luxemburg (1871 bis 1919) als Ideal formulierte: «Freiheit ist die Freiheit der Anderen.» Am 4. Juli 2018 kletterte sie auf die Freiheitsstatue im Hafen von New York, um gegen die von US-Präsident Trump verordnete Trennung illegal eingereister Menschen von ihren Kindern an der Grenze zu Mexiko zu protestieren. Diese Praxis hatte international Kritik ausgelöst, auch Papst Franziskus und die katholische US-Bischofskonferenz prangerten sie an als unmenschlich und nicht akzeptabel.

Diesen Dienstag wurde Therese Okoumou in New York zu fünf Jahren Haft auf Bewährung und zu 200 Stunden Gemeinschaftsdienst verurteilt – für die Übertretung der Gesetze bei ihrem Protest. Vor Gericht erschien Okoumou mit Klebeband im Gesicht und einem Stirnband mit der Aufschrift: «I care!» Das Klebeband als Kritik an der Einschränkung freier Meinungsäusserung in Form aktivistischen Protests. Das Stirnband teilt mit: Ich kümmere mich. Es geht mich was an, das Schicksal anderer. 18 Monate sass Okoumou deshalb bereits im Gefängnis. Dem Richter sagte Okoumou: «Ich gehöre nicht ins Gefängnis, ich bin keine Kriminelle.» Dem «Guardian» erklärte sie letzten Sommer, der 4. Juli, die Freiheitsstatue, das alles sei perfekt gewesen, um mit einer starken Botschaft zu protestieren – gegen Kinder in Käfigen.

100 Jahre ist es her, dass Rosa Luxemberg im Januar 1919 von Rechtsradikalen in Berlin ermordet wurde. Aber immer noch und wohl auch in alle Zukunft ist es notwendig, dass Menschen wie sie und Therese Okoumou daran erinnern – selbstlos und einzig der Gerechtigkeit verpflichtet: Freiheit ist immer die Freiheit der Anderen.

Oder wie es Michael Brie vom Geschäftsführenden Ausschuss der Rosa-Luxemburg-Stiftung einmal sagte: «Freiheit ist ein gesellschaftliches, ein verpflichtendes Verhältnis von Menschen zueinander. Die Würde des Menschen wie seine Freiheit sind unantastbar. Niemand kann Ansprüche auf Rechte für sich durchsetzen, wenn er nicht wirklich so frei ist, sie anderen zuzugestehen und tätig zu ermöglichen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.