Melania Trump versucht am zweiten Abend des Parteitags der US-Republikaner einen gewagten Spagat

Am zweiten Abend des republikanischen Wahl-Parteitags hatte First Lady Melania Trump viel Zeit, um über ihren Gatten zu sprechen – und die Realität zu akzeptieren, dass derzeit in Amerika nicht alles rund läuft.

Renzo Ruf aus Washington
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Melania Trump sprach am Dienstag im umgestalteten Rosengarten des Weissen Hauses.

Melania Trump sprach am Dienstag im umgestalteten Rosengarten des Weissen Hauses.

Michael Reynolds / EPA

Was für eine seltsame Rede. 25 Minuten lang sprach Melania Trump am Dienstag, am zweiten Abend des republikanischen Wahlparteitags – länger als sämtliche Vorredner. Als Kulisse diente der 50-Jährigen dabei der umgestaltete Rosengarten des Weissen Hauses in Washington – obwohl es doch in der Hauptstadt als verpönt gilt, das ikonische Gebäude im amerikanischen Wahlkampf-Theater als Requisite einzusetzen. Die First Lady wirkte, wie so häufig während ihren öffentlichen Reden, nicht ganz wohl in ihrer Haut, wohl auch, weil sie auch nach 25 Jahren in Amerika mit einem starken Englisch-Akzent spricht, der ihre osteuropäische Herkunft verrät.

Als einzige Rednerin aber brach die First Lady aus dem Parallel-Universum aus, an dem Donald Trump seit Wochen und Monaten eifrig zimmert. Sie sagte, dass «der unsichtbare Feind Covid-19» (und nicht etwa das «China-Virus», wie der Präsident immer und immer wieder sagt) den Alltag in Amerika «drastisch» verändert habe. Sie sprach sämtlichen Menschen, die einen Angehörigen oder Freund verloren hatten, ihr Beileid aus. Mehr als 178'000 Menschen sind in den USA bisher an den Folgen des Coronavirus gestorben.

Und Trump sprach darüber, wie wichtig es gerade jetzt sei, mit einer Mischung aus «Güte und Mitgefühl» gemeinsam einen Weg aus der Krise zu finden – und wie hilfreich es sei, dass Amerika eine derartig mannigfaltige Bevölkerung besitze. Selbst eine rhetorische Verbeugung vor den Aktivisten, die seit Wochen gegen Polizeibrutalität und Rassismus demonstrieren, durfte nicht fehlen. Melania Trump sagte, es treffe zu, dass «wir nicht stolz über Teile unserer Geschichte sind».

Dies war die eine Seite der Rede. Die andere Seite bestand aus einer Lobeshymne auf ihren Gatten, mit dem sie seit 15 Jahren verheiratet ist und dessen politische Karriere sie, auf ihre eigene Art und Weise, unterstützt. So behauptete die First Lady: «Donald Trump wird den Fokus nicht verlieren», obwohl doch mittlerweile weitherum bekannt ist, dass es dem Präsidenten häufig schwerfällt, sich zu konzentrieren. Auch sagte sie über ihren Mann, er sei kein «traditioneller Politiker», spiele keine Spielchen und sei «total ehrlich». Dies passt nicht ganz zu den zahlreichen Ausflügen Trumps auf den Golfplatz in den vergangenen Wochen, in denen Amerika im Fundament erschüttert wurde. Selbst einen Seitenhieb gegen den politischen Gegner und die Medien konnte sich Melania Trump nicht verkneifen, obwohl sie doch betonte, sie wolle nicht Gleiches mit Gleichen vergelten.

Donald Trump bedankt sich bei seiner Frau für ihre Rede.

Donald Trump bedankt sich bei seiner Frau für ihre Rede.

Evan Vucci / AP

Höhepunkt des Abends

Auch wenn die Rede ein zwiespältiges Gefühl hinterliess, weil zwei Stränge verknüpft wurden, die nicht zueinander passten – der Auftritt der First Lady war sicherlich der Höhepunkt des Abends. Andere Momente, die vom zweiten Tag des Parteitags in Erinnerung bleiben werden, spielten sich ebenfalls im Weissen Haus ab. So zeigte die Regie einen Film, in dem Präsident Trump einen ehemaligen Straftäter begnadigte, der sich nun für die Resozialisierung von Kriminellen einsetzt.

Auch nahm er an einer Einbürgerungszeremonie für fünf neue US-Bürger teil. Orchestriert wurde diese durch den kommissarisch amtierenden Sicherheitsminister Chad Wolf, obwohl das Gesetz doch klar sagt, dass Regierungsangestellte während ihrer Dienstzeit in amtlichen Räumen keinen Wahlkampf betreiben dürfen.

Um solche Vorschriften und Normen scheint sich das Weisse Haus allerdings nicht mehr zu kümmern. So trat auch Aussenminister Mike Pompeo, derzeit auf Arbeitsbesuch in Jerusalem weilend, während des Parteitags auf – obwohl amerikanische Chef-Diplomaten doch früher Wert darauflegten, sich nicht in den politischen Kleinkrieg in Washington einzumischen. Pompeo allerdings liebäugelt bereits mit einer Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2024, und wollte sich deshalb an der Basis in Erinnerung rufen.

Einer seiner potenziellen Widersacher wird am Mittwoch im Zentrum des Parteitags stehen: Vizepräsident Mike Pence, der seine Parteitagsrede im historischen Fort McHenry in Baltimore (Maryland) halten wird.

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