USA - Deutschland

Merkel in den USA: Für die Kameras die Hand schütteln? Darauf hat Donald #KäLuscht

US-Präsident Donald Trump hat Angela Merkel am Freitag im Weissen Haus in Washington empfangen. Es ist das erste Zusammentreffen des neuen US-Präsidenten mit der Kanzlerin. Heikle Punkte wurden während des Treffens ausgeklammert.

Renzo Ruf, Washington
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Zunächst freundlich: Trump und Merkel bei der Begrüssung.

Zunächst freundlich: Trump und Merkel bei der Begrüssung.

Keystone
Donald Trump weigert sich, für die Journalistenschar Angela Merkel die Hand zu schütteln.

Donald Trump weigert sich, für die Journalistenschar Angela Merkel die Hand zu schütteln.

youtube.com

US-Präsident Donald Trump hat die deutsche Kanzlerin Angela Merkel am Freitag im Weissen Haus empfangen. Er holte sie bei strahlendem Sonnenschein vor der Tür ab, nach einem kurzen Händedruck zogen sich die beiden Regierungschefs zu einem Gespräch zurück. Es ist das erste Zusammentreffen des neuen US-Präsidenten mit der Kanzlerin.

Beim Begrüssungs-Händedruck ist es allerdings geblieben, wie dieses doch ziemlich lustige Video zeigt:

Angela Merkel sortierte peinlich berührt ihre Notizen

Die wichtigste Regel im Umgang mit dem neuen US-Präsidenten hat die deutsche Kanzlerin bereits verinnerlicht. Donald Trump ist im Kern ein Geschäftsmann geblieben und er strebt nach dem schnellen Erfolg. Wer sein Vertrauen gewinnen will, der ist deshalb gut beraten, ihm
bei der Verwirklichung seiner politischen Pläne zu helfen.

Als Angela Merkel am gestrigen Freitag zum Antrittsbesuch im Weissen Haus aufkreuzte, brachte sie deshalb drei deutsche Konzernchefs mit, die am langgezogenen Tisch im «Cabinet Room» über die Vorzüge des dualen Bildungssystems sprachen. Damit weckte sie die Aufmerksamkeit eines Präsidenten, der seinem Land eine Industrie-Renaissance in Aussicht gestellt hat.

Silvan Wegmann

Deutschland habe in diesem Bereich einen «unglaublichen Job» gemacht, sagte Trump nach dem Gedankenaustausch, der 50 Minuten länger dauerte als geplant. Und er deutete an, dass die amerikanische Regierung «eine Partnerschaft» mit Deutschland eingehen und stärker in die Ausbildung von Lehrlingen investieren werde. Nun sind solche Bekenntnisse nicht neu: Bereits der Vorgänger von Präsident Trump interessierte sich sehr für das duale Bildungssystem, was auch dazu führte, dass Schweizer Offizielle in den USA zu gesuchten Gesprächspartnern wurden.

Einen Gang höher schalten

Trump aber will nun noch einen Gang höher schalten – was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass er vor seinem Einstieg in die Politik als Star der Fernsehsendung «The Apprentice» (auf Deutsch: «Der Lehrling») wirkte. Wie dem auch sei. Merkel jedenfalls versicherte dem Präsidenten, dass die deutsche Industrie – die gemäss offiziellen Zahlen in den USA für 670 000 Arbeitsstellen verantwortlich zeigt – ihm helfen werde.

So weit die positive Nachricht für die Kanzlerin. Das erste Treffen zwischen Merkel und Trump verdeutlichte aber einmal mehr, wie unberechenbar der amerikanische Präsident ist: Eine Nebenbemerkung Trumps und sämtliche Argumentationshilfen werden zur Makulatur, weil sich die gesamte Medienberichterstattung über ein Thema dreht, über das ursprünglich niemand sprechen wollte. Im konkreten Fall war es eine Anspielung des Präsidenten, mit dem er eine Frage des «Welt»-Korrespondenten Ansgar Graw beantwortete.

Der deutsche Journalist hatte Trump gefragt, ob er nach wie vor an seiner Behauptung festhalte, dass sein damaliger Wohn- und Arbeitsort Trump Tower in New York City während des Wahlkampfes 2016 Ziel eines Lauschangriffes geworden sei, angeordnet durch Barack Obama höchstpersönlich. Der Präsident deutete erneut an, dass Obama den Lauschangriff an den britischen Geheimdienst ausgelagert haben könnte, und sagte an die Adresse Merkels gerichtet: «Wenigstens haben wir vielleicht etwas gemeinsam.»

Die Kanzlerin machte grosse Augen und sortierte derweil peinlich berührt ihre Notizen. Bekanntlich hatte Merkel im Jahr 2013 erfahren, dass der militärische Geheimdienst NSA unter Präsident Obama ihr Handy abgehört hatte. Sie reagierte darauf mit den Worten: «Ausspähen unter Freunden – das geht gar nicht.»

Das nächste Mal in Hamburg

Was bleibt damit vom Besuch der Kanzlerin in Washington? Einige warme Worte über die bilateralen Beziehungen zwischen den USA und Deutschland und ein gemeinsames Bekenntnis zur Sicherheitspartnerschaft, zu der auch eine starke Nato gehört.

Die strittigen Punkte im Verhältnis zwischen dem nationalistischen Präsidenten und der Kanzlerin, die der Globalisierung grundsätzlich positiv gegenübersteht, wurden aber beim ersten Treffen vorerst ausgeklammert. Bereits steht fest, wann sich die beiden wieder treffen werden: im Juli, am G-20-Gipfel in Hamburg.