#MeToo in China: Hochrangiger Buddhist tritt nach Vorwürfen zurück

Einer der einflussreichsten buddhistischen Mönche Chinas ist wegen Missbrauchsvorwürfen zurückgetreten. Das Rücktrittsgesuch von Abt Xuecheng als Vorsitzender der Buddhistischen Vereinigung sei akzeptiert worden, teilte die Pekinger Behörde für Religionsangelegenheiten am Mittwoch mit.

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Abt Shi Xuecheng. (Bild: Keystone/Chinatopix via AP, 3. Juli 2015)

Abt Shi Xuecheng. (Bild: Keystone/Chinatopix via AP, 3. Juli 2015)

Der 51-jährige war beschuldigt worden, mehrere Nonnen zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben, was er zurückwies. Abt Xuecheng habe mindestens sechs Nonnen dazu gedrängt, Sex mit ihm zu haben, hiess es in einem Bericht an Regierungsmitarbeiter, der Anfang August in sozialen Medien kursierte.

Verfasst wurden die Vorwürfe von zwei anderen Mönchen, die wie Abt Xuecheng dem Pekinger Longquan-Kloster angehören. Demnach habe der Mönch den Frauen gesagt, dass der Geschlechtsverkehr Teil ihres Studiums der buddhistischen Lehre sei. Der Longquan Tempel wies die Anschuldigungen zurück und bezeichnete den Bericht als "fabriziert".

Abt Xuecheng war bis zu seinem Rücktritt das Oberhaupt der Buddhistischen Vereinigungen Chinas, die etwa 240 000 Mönchen vorsteht.

Die Anschuldigungen gegen den Mönch sind der jüngste Aspekt der "#MeToo-Bewegung" in China, die zunehmend an Fahrt gewinnt. Das Schlagwort #MeToo ist Symbol einer weltweiten Bewegung, die auf sexuelle Belästigungen und sexuelle Übergriffe aufmerksam macht und nun auch in der Volksrepublik spürbar an Kraft gewinnt.

Trotz erheblicher Zensur und Polizisten, die sich weigern, Anschuldigungen nachzugehen, sind zuletzt Dutzende Frauen in China mit Belästigungs- oder sogar Vergewaltigungsvorwürfen gegen Chefs oder Kollegen an die Öffentlichkeit gegangen. (sda)

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Felix Lee, Peking