Flugzeugunglück
MH17 von Rakete abgeschossen – sie kam von prorussischem Gebiet

Der Einschlag einer Buk-Rakete auf der linken Seite des Cockpits hat Flug MH17 zum Absturz gebracht. Das bestätigt der Abschlussbericht der niederländischen Behörden. Die Passagiere bekamen vom Absturz wohl kaum etwas mit.

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Der zusammengesetzte Rumpf des Flugzeugs an der Medienkonferenz zum Absturzbericht.

Der zusammengesetzte Rumpf des Flugzeugs an der Medienkonferenz zum Absturzbericht.

Keystone

Der Absturz des Malaysia-Airlines-Fluges MH17 vor über einem Jahr ist nach Erkenntnissen niederländischer Ermittler durch eine Boden-Luft-Rakete russischer Bauart verursacht worden, die aus dem Kampfgebiet in der Ostukraine abgefeuert wurde. Ob das die prorussischen Rebellen oder ukrainische Soldaten getan hatten, blieb - offiziell - unbeantwortet.

Beim Absturz der malaysischen Maschine auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur am 17. Juli 2014 waren alle 298 Passagiere und Besetzungsmitglieder ums Leben gekommen, die meisten von ihnen waren Niederländer.

Flugzeugabsturz in der Ukraine
45 Bilder
Die Ukrainische Regierung behauptet, die beiden Kampfjets seien von russischer Seite aus abgeschossen worden. (Archivbild)
König Willem Alexander und Königin Maxima beim Empfang der Absturzopfer.
Niederländische Soldaten tragen die Särge der Absturzopfer.
In Eindhoven werden die Flugzeuge mit den ersten Leichen empfangen.
Die Särge werden verladen.
Letzte Ehre für die Toten von Flug MH17 in Charkow.
Das Flugzeug mit den Leichen an Bord hebt ab Richtung Eindhoven.
Auf dem Flughafen in Eindhoven weht die holländische Fahne auf Halbmast.
Die Absturzopfer werden in Charkow ins Transportflugzeug geladen.
Aus dem Zug kommt ein starker Verwesungsgeruch
OSZE-Beobachter dürfen unter strenger Aufsicht der Rebellen die Waggons mit den Leichen inspizieren
Eine Frau schaut auf den Zug, in dessen Kühlwaggons die Leichen der Absturzopfer gelagert werden.
Rebellen bewachen die Zug-Waggons
In diesem gekühlten Zug sind die abtransportierten Leichen gelagert, meldet der Korrespondent des Wall Street Journal auf Twitter.
Delegierte stehen an der Aids-Konferenz gemeinsam auf der Bühne und legen für die Opfer des Absturzes - unter denen viele Konferenz-Teilnehmer sind - eine Schweigeminute ein.
Trauerzeremonie in der niederländischen Stadt Haarlem.
Ein bewaffneter Separatist bei der Absturzstelle der MH17
Ein junger Separatist ruht sich neben der Absturzstelle aus, während ein anderer die Wache übernimmt.
In Australien trauern Hinterbliebene.
Leichensäcke liegen am Strassenrand bereit zum Abtransport
Eine Stewardess trägt sich am Amsterdamer Flughafen Schiphol ins Kondolenzbuch ein. Währendem versammeln sich Angehörige und wollen zur Absturzstelle fliegen.
Trauer in einem holländischen Quartier: 189 der 298 Insassen kamen aus der Niederlande.
«Wer ist der Mörder?» steht auf einem Karton - grosse Trauer in Kuala Lumpur.
Flugzeugabsturz in der Ukraine
Flugzeugabsturz in der Ukraine
Unter den Toten sind auch viele Kinder.
Blumen wurden auf eines der zerstörten Triebwerke gelegt.
Schreckliche Szene: Mit weissen Fahnen werden gefundene Leichenteile markiert.
Rettungskräfte an der Boeing-Absturzstelle in der Ostukraine
Amateuraufnahmen vom Moment des Aufschlags.
Am Abend steigt noch immer Rauch aus den Trümmerteilen
Sicherheitskräfte und Schaulustige zwischen den Wrackteilen des Flugzeugs.
Bild von Videoaufnahmen nahe des angeblichen Absturzortes.
Malaysias Transportminister, Liow Toing Lai, beteuert, dass das Flugzeug der Malaysian Airlines nie in gesperrtem Luftraum geflogen sei.
Flugzeugabsturz in der Ukraine
Flugzeugabsturz in der Ukraine
Flugzeugabsturz in der Ukraine
Flugzeugabsturz in der Ukraine
Apokalyptische Stimmung auf der Absturzstelle der MH 17.
Flugzeugabsturz in der Ukraine
Banges Warten in Kuala Lumpur
Viele Ukrainer legten bei der holländischen Botschaft in Kiew Blumen nieder
Eine Rauchsäule über dem Absturzort in der Ostukraine
Am Amsterdamer Flughafen bleibt der Schalter der Malaysia Airline geschlossen

Flugzeugabsturz in der Ukraine

Keystone

"Flug MH17 stürzte in Folge der Explosion eines Sprengkopfes ausserhalb der Maschine links vom Cockpit ab", sagte der Chef der Niederländischen Flugsicherheitsbehörde (OVV), Tjibbe Joustra, am Dienstag auf dem Luftwaffenstützpunkt Gilze-Rijen, wo die Wrackteile untersucht worden waren.

Derartige Sprengköpfe gehörten normalerweise zu Buk-Raketen russischer Bauart. Diese sind sowohl in der ukrainischen als auch der russischen Armee im Einsatz.

Die von internationalen Experten unterstützten niederländischen Ermittler konnten nach eigenen Angaben aber nicht den exakten Abschussort der Rakete lokalisieren. Die Ermittler betonten, dass ihre Aufgabe nicht gewesen sei, den Verantwortlichen für den Abschuss zu benennen. Dies sei den strafrechtlichen Ermittlungen vorbehalten.

Rakete doch aus prorussischem Rebellengebiet

Im niederländischen Fernsehen präzisierte Ermittlungsleiter Joustra nach der offiziellen Präsentation der Ergebnisse allerdings Aussagen zur Herkunft der Rakete: "Es ist ein Gebiet, wo die Grenzen fliessend waren. Aber es ist ein Gebiet, wo die prorussischen Rebellen die Kontrolle hatten." Das bestätigte eine Sprecherin der Flugsicherheitsbehörde.

Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk zeigte sich überzeugt, dass an der Seite der Rebellen kämpfende russische Soldaten die Rakete abgeschossen hätten. Nur ausgebildete russische Soldaten - und nicht Rebellen - hätten das Raketensystem bedienen können.

Moskau weist jede Verantwortung zurück

Westliche Länder wie die USA werfen Russland vor, den Rebellen in der Ostukraine die Rakete zumindest geliefert zu haben. Moskau weist jede Verantwortung kategorisch zurück.

Ebenfalls am Dienstag legte der russische Hersteller der Buk-Raketen seine Sicht der Dinge dar: Es sei eigens ein Test vorgenommen worden, bei dem eine Buk-Rakete auf eine ausgediente Iljuschin-Maschine abgefeuert worden sei, erklärte das Staatsunternehmen Almaz-Antey.

Demnach habe es sich bei dem Abschuss um eine alte Buk-Version vom Typ 9M38 handeln müssen, die vom russischen Militär seit 2011 nicht mehr verwendet werden dürfe. Die Rakete könne nicht - wie in Zeitungen berichtet - vom Gebiet der prorussischen Rebellen aus abgeschossen worden sein, sondern nur von umkämpftem Gebiet in der Ostukraine.

Experten aus sieben Ländern

Experten aus sieben Ländern hatten auf Grundlage der Daten der Flugschreiber, des Funkverkehrs und aus den Trümmern der Maschine rekonstruiert, was an jenem Tag geschah. Aus den an der Absturzstelle gefundenen Trümmern setzten sie den vorderen Teil des Flugzeugs wieder zusammen.

Schon früher hatten die Experten technisches und menschliches Versagen sowie einen terroristischen Anschlag ausgeschlossen. "Auch ein Beschuss von einem anderen Flugzeug aus ist unmöglich", betonte der Leiter der Untersuchung. Russland hatte lange die Ansicht vertreten, dass die MH17 von einem ukrainischen Militärflugzeug unter Beschuss genommen worden sei.

Luftraum hätte gesperrt sein müssen

Die Ermittler kritisierten, dass die Ukraine den Luftraum über der umkämpften Ostukraine damals nicht gesperrt habe. "Unseren Erkenntnissen zufolge gab es ausreichend Gründe für die ukrainischen Behörden, den Luftraum über dem Osten ihres Landes vorsichtshalber zu sperren", sagte Joustra.

Die wichtigsten Fragen, die jetzt noch bleiben

Wer trägt Schuld?

Das internationale strafrechtliche Ermittlerteam veröffentlichte Videos und abgehörte Telefongespräche der Separatisten. Die deuten darauf hin, dass die Separatisten über ein Buk-System verfügten und zum fraglichen Zeitpunkt eine Rakete abgefeuert haben. Die Schuldfrage wird eine Untersuchung der niederländischen Kriminalbehörden klären. Dieser Bericht wird erst 2016 erscheinen.

Wie reagiert Moskau auf Vorwürfe?

Russland betont stets, im Grunde nicht in die Tragödie im Nachbarland verwickelt zu sein. Gleichwohl verfüge man über "wichtige Hinweise" zur Aufklärung. Moskau kritisiert die internationalen Untersuchungen als voreingenommen. Der Kreml gibt der Ukraine auch eine Mitschuld an der Tragödie, weil sie trotz bekannter Gefahren den Luftraum über dem Gebiet nicht komplett gesperrt hatte.

Werden die Verantwortlichen jemals bestraft werden?

Russland hatte mit einem Veto im Weltsicherheitsrat die Einsetzung eines Uno-Tribunals zu MH17 blockiert und dies damit begründet, dass die Untersuchungen noch gar nicht abgeschlossen seien. Nun wollen die am meisten von der Katastrophe betroffenen Länder ein internationales Tribunal errichten. Allerdings ist offen, wie Moskau reagiert, wenn das Gericht russische Verdächtigte vorlädt. (watson)