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MIGRATION: Kanada holt mehr Einwanderer ins Land

Innert drei Jahren soll die Zahl der Immigranten um 40 000 auf 340 000 jährlich gesteigert werden. Mit seinem Immigrationsplan setzt sich der kanadische Staat deutlich von der Trump-Regierung in den USA ab.
Mann und Kind beim Friedensbogen mit der Inschrift «Mögen diese Tore niemals geschlossen sein» an der US-kanadischen Grenze bei Surrey in British Columbia. Die kanadische Regierung will deutlich mehr Einwanderung zulassen. (Bild: Darryl Dyck/AP (12. Februar 2017))

Mann und Kind beim Friedensbogen mit der Inschrift «Mögen diese Tore niemals geschlossen sein» an der US-kanadischen Grenze bei Surrey in British Columbia. Die kanadische Regierung will deutlich mehr Einwanderung zulassen. (Bild: Darryl Dyck/AP (12. Februar 2017))

An dem Tag, an dem US-Präsident Donald Trump wegen des Terroranschlags in New York erneut eine Verschärfung der Einwanderungsvorschriften ankündigte, legte Kanadas für Immigrations- und Flüchtlingspolitik zuständiger Minister Ahmed Hussen, selbst ein früherer Flüchtling aus Somalia, einen Dreijahresplan vor, den er als «historisch» bezeichnete.

Bisher waren die Zielvorgaben jährlich festgelegt worden. Nun soll Behörden, Gemeinden und Wirtschaft mehr Planungssicherheit gegeben werden. «Un­ser neuer Mehrjahresplan mit Einwanderungszielen baut auf den bereits hohen Einwanderungszahlen auf. Dieser ehrgei­zige Plan wird allen Kanadiern nützen, weil Immigration zu unserem Wirtschaftswachstum beiträgt und unser Land in der Weltwirtschaft wettbewerbsfähig erhält», sagte Hussen in Toronto.

Stufenweiser Anstieg

Zwischen 2006 und 2015 lag die Zahl der Einwanderer einschliesslich der Flüchtlinge meist zwischen 250 000 und 270 000. Mit der Aufnahme syrischer Flüchtlinge durch die liberale Regierung von Premierminister Justin Trudeau stieg diese Zahl auf 300 000 im vergangenen und in diesem Jahr. Nun sieht der Plan in den kommenden drei Jahren eine Steigerung um jeweils 10 000 bis 20 000 zusätzliche Immigranten vor, sodass im Jahr 2020 insgesamt 340 000 neue Einwohner kommen können. Knapp mehr als die Hälfte sind Menschen, die nach einem Punktesystem aufgrund ihrer Qualifizierung ins Land einreisen dürfen. Hinzu kommen Familienangehörige und rund 40 000 bis 50 000 Flüchtlinge. Kanada hat derzeit etwa 36,5 Millionen Einwohner. Die Anhebung der Einwanderungszahlen bedeutet, dass die Bevölkerung allein durch Immigration jährlich um annähernd 1 Prozent wachsen wird.

Hinter dem Einwanderungsplan stehen wirtschaftliche und hu­manitäre Gründe. Auch Kanada ist in einem Alterungsprozess. Immer weniger Kanadier im Arbeitsalter müssen für Rentner und Pensionäre aufkommen. Für 2036, wenn etwa fünf Millionen der heutigen Kanadier das Pensionsalter erreicht haben werden, wird das Verhältnis 2 zu 1 sein. Immigration soll helfen, diese demografische Herausforderung für Volkswirtschaft, Arbeitsmarkt und die Finanzierung der Sozialsysteme zu bewältigen.

«Ein Fundament unserer Identität als Kanadier»

Ein ökonomischer Beirat hatte vor einem Jahr sogar aus volkswirtschaftlichen Gründen eine noch höhere Einwanderungszahl vorgeschlagen. Die Regierung will aber mit dem jetzt beschlossenen Niveau sicherstellen, dass sie auch die Programme zur Integration der Neuankömmlinge durch Sprachkurse, Wohnungsbeschaffung und zahlreiche weitere Eingliederungshilfen bereitstellen und finanzieren kann.

Mit der Erhöhung der Zahl der Flüchtlinge, die aufgenommen werden, will Kanada auch seiner Verantwortung nachkommen. Darauf sei er als früherer Flüchtling besonders stolz, sagte Hussen. Diese Hilfe sei «ein Fundament unserer Identität als Kanadier», meinte er. In einer Zeit, «in der immer mehr Länder ihre Türen verschliessen für Menschen, für Talente und Fähigkeiten und für diejenigen, die Schutz vor Verfolgung suchen, verfolgen wir entschieden und ohne uns dafür zu rechtfertigen einen gegenteiligen Ansatz», sagte Hussen.

Gerd Braune, Ottawa

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