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Migrationswende am Mittelmeer

Spanien ist dabei, Italien als grösstes europäisches Zielland für Migranten abzulösen. Das hat auch mit dem restriktiveren Kurs der neuen Regierung in Rom zu tun.
Ralph Schulze, Madird
Gerettete Migranten erreichen den Hafen von Motril im Süden Spaniens. (Miguel Paquet/EPA, 21. Juni 2018)

Gerettete Migranten erreichen den Hafen von Motril im Süden Spaniens. (Miguel Paquet/EPA, 21. Juni 2018)

Die Aufnahme des humanitären Rettungsschiffes Aquarius, das Mitte Juni mit 630 Schiffbrüchigen im spanischen Hafen Valencia festmachte, scheint eine Sogwirkung zu entfalten. Mehr als 120 weitere Migrantenboote mit insgesamt über 3000 Menschen an Bord wurden seitdem vor der spanischen Küste aufgefischt.

Schon länger ist sichtbar, dass die Schlepper in Nordafrika immer mehr wackelige Boote Richtung Spanien schicken. In Italien geht die Zahl der Ankünfte derweil stark zurück – eine Tendenz, die bereits vor der spanischen Einladung an die «Aquarius» erkennbar war. Und die sich nun noch zu verstärken scheint.

Erstmals kamen mehr Migranten in Spanien an

Spanien ist auf dem Weg, Italien als grösstes südeuropäisches Zielland für Migranten abzulösen: Laut dem UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR kamen seit Jahresbeginn bereits rund 16350 Menschen in Spanien an – per Boot oder in den Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla. Das sind mehr als doppelt so viele wie im selben Zeitraum des Vorjahres. In Italien registrierten die UNHCR-Helfer bis zum Stichtag 25. Juni 16300 Ankünfte. Auch wenn die italienische Regierung derzeit am lautesten faucht, die Entwicklung geht dort stark zurück. So trafen bisher 75 Prozent weniger Zufluchtsuchende ein als im Vorjahr.

In Griechenland kommen über die östliche Mittelmeerroute inzwischen ebenfalls wieder mehr Migranten. Das UNHCR zählte bis zum Stichtag annähernd 13100 Bootsflüchtlinge. Aber die Zunahme ist sehr viel gemässigter als im Falle Spaniens.

Malta lässt «Lifeline» anlegen

Nach einer tagelangen Blockade geht die Mittelmeerodyssee für die Flüchtlinge und Migranten sowie die deutsche Besatzung des Rettungsschiffes Lifeline zu Ende. Das Schiff der Dresdner Organisation Mission Lifeline dürfe in Malta anlegen, hiess es – allerdings unter der Bedingung, dass die Flüchtlinge an Bord auf mehrere EU-Länder verteilt werden. Die Regierung in Valletta erklärte, dass sich vier Mitgliedsstaaten bereiterklärt hätten, die Migranten aufzunehmen. Zwei weitere würden eine Beteiligung prüfen. Italien, Frankreich und das Bundesland Berlin hatten Hilfe bereits in Aussicht gestellt. Etwa 230 Flüchtlinge und Migranten sowie 17 deutsche Besatzungsmitglieder harrten seit Donnerstag auf dem Schiff vor Malta aus. Fast eine Woche lief das diplomatische Hin und Her zwischen mehreren EU-Ländern – niemand sah sich für die Bootsflüchtlinge zuständig, die vor Libyen gerettet worden waren. (sda)

Die Migrationswege übers Mittelmeer verschieben sich also vor allem Richtung Spanien. Dies ist den Hindernissen auf der ­bisherigen zentralen Mittelmeerroute zuzuschreiben. Die EU-Kooperation mit Libyen sowie der immer restriktivere Kurs Italiens scheinen eine abschreckende Wirkung zu entfalten. So sperrte etwa der italienische Innenminister Matteo Salvini für private Hilfsorganisationen die Häfen. Und davor war bereits der östliche Mittelmeerweg nach Griechenland durch ein EU-Abkommen mit der Türkei erschwert worden.

Zahl der Ankünfte hat sich beinahe halbiert

Aus Sicht Brüssels war die bis­herige europäische Flüchtlingspolitik durchaus erfolgreich. Die ­Gesamtzahl der Mittelmeermi­granten sinkt, und zwar deutlich: Bisher kamen im laufenden Jahr etwa 45750 Menschen an den südeuropäischen Küsten an. Damit hat sich die Zahl der Ankünfte im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbiert.

Die grösste Migrantengruppe, die übers Mittelmeer kommt, bilden laut UNHCR-Statistik mit rund 20 Prozent weiterhin die Syrer, gefolgt von Irakern, Tunesiern, Eritreern, Afghanen sowie Menschen aus den westafrikanischen Armutsländern Guinea, ­Elfenbeinküste und Mali.

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