Militär

Frankreich baut einen atomaren Flugzeugträger - die Differenzen mit Deutschland bleiben

Eine europäische Koordinierung solch zentraler Rüstungsprojekte ist für Emmanuel Macron kein Thema.

Stefan Brändle aus Paris
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Der französische Präsident zu Besuch auf der Produktionsstätte für nukleare Reaktoren "Framatome" .

Der französische Präsident zu Besuch auf der Produktionsstätte für nukleare Reaktoren "Framatome" .

Keystone

Emmanuel Macron machte die Ankündigung am Dienstagabend im burgundischen Ort Le Creusot, der für den Bau ziviler Nuklearanlagen bekannt ist. Nun sollen die Fabriken auch den atomaren Antrieb eines Flugzeugträgers liefern. Er soll den diensttuenden «Charles de Gaulle» ab 2038 ersetzen und bis 2080 im Dienst bleiben. Der Rumpf des neuen, 280 Meter langen Flaggschiffes der französischen Marine wird 70 000 Tonnen wiegen. Wie das neue Gefährt heissen und wieviel es kosten wird, ist noch offen.

Ausdruck des nationalen Stolzes

Unklar ist auch, ob und wie weit dieses französische Schlüsselprojekt Bestandteil der «Gemeinsamen Aussen- und Sicherheitspolitik» (GASP) der EU sein soll. Macron plädiert seit langem für eine «europäische Souveränität» in Verteidigungsfragen, womit ihm eine Alternative zum Nordatlantikpakt vorschwebt. Eine Absprache mit europäischen Partnern war jetzt allerdings zum Vornherein ausgeschlossen: Ein Flugzeugträger ist in Frankreich Ausdruck des national Stolzes, wie der französische Präsident in Creusot unterstrich.

Animierter Stahlkoloss: So soll der neue Flugzeugträger der französischen Armee aussehen.

Animierter Stahlkoloss: So soll der neue Flugzeugträger der französischen Armee aussehen.

Naval Group / Handout / EPA

Seine Militärexperten betonen, dass der neue Flugzeugträger das geplante deutsch-französisch-spanische Kampfflugzeug FCAS aufnehmen könnte – also eine europäische Dimension haben soll. Das 2017 lancierte Grossprojekt «Future Combat Air System» scheint allerdings zunehmend gefährdet, da sich Deutsche und Franzosen nicht auf die politischen, finanziellen und technischen Einzelheiten einigen können.

Differenzen zwischen Paris und Berlin

Auch strategisch bleiben die verteidigungsstrategischen Differenzen zwischen Berlin und Paris beträchtlich. Nachdem Macron die Nato als «hirntot» bezeichnet hatte, will er gerade auch mit dem neuen Flugzeugträger beweisen, dass Frankreich nicht nur wortreich Alternativen zur US-geführten Militärallianz fordert, sondern sie aktiv vorantreibt. Die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer verlangt dagegen, wie sie unlängst klargemacht hat, zuerst eine realere europäische Sicherheitspolitik, bevor diese den US-Schutzschirm ersetzen könnte.

In Paris befürchtet man dagegen, dass die Deutschen gar nicht willens seien, eine schlagkräftige europäische Armee aufzubauen, für sie sich nach Macron auch Angela Merkel ausgesprochen hat. Im Kanzleramt in Berlin verdächtigt man Paris wiederum, weniger eine europäische Verteidigung anzustreben als einen französischen Führungsanspruch.