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MILLIARDÄR GEORGE SOROS: Osteuropas Feindbild Nummer eins

Ungarn schliesst seine Universität, in Mazedonien wird gegen ihn demonstriert und Serbien sieht sich durch ihn gefährdet. Was hat es mit Milliardär George Soros auf sich?
George Soros (86). (Bild: Andreas Gebert/EPA (München, 6. Februar 2015))

George Soros (86). (Bild: Andreas Gebert/EPA (München, 6. Februar 2015))

In unseren Breitengraden weckt der Name George Soros (86) üblicherweise ähnliche Gefühle wie jene von anderen schwerreichen Investoren wie etwa Warren Buffet. Während sich die einen wohl gerne ein paar Börsentricks von ihm abschauen wollen, verurteilen die anderen einige seiner Finanzgeschäfte als unethisch. Berüchtigt ist etwa sein Profit während der Pfundkrise 1992, als er gegen die englische Währung spekulierte, das Europäische Währungssystem (EWS) beinahe zum Einsturz brachte und dabei gleich noch eine Milliarde US-Dollar Gewinn verbuchte. Doch in gewissen Staaten Osteuropas kann fast nur schon der Name des Mannes mit dem 25-Milliarden-Dollar-Vermögen Demonstrationen provozieren und Politiker zur Weissglut bringen.

In Ungarn hat die Regierungspartei Fidesz am Dienstag ein neues Gesetz beschlossen, welche die Schliessung der Zentraleuropäische Universität in Budapest bedeuten könnte. Es richtet sich jedoch vor allem gegen den Gründer Soros – und kommt nicht überraschend. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat schon Ende letzten Jahres angekündigt, dass «das Jahr 2017 von der Verdrängung der für Soros stehenden Kräfte künden wird». Wie in Serbien schiesst die Regierung scharf gegen von Soros finanzierte Organisationen. Ihr Einsatz für liberale Grundsätze wird als unerwünschter ausländischer Einfluss auf die einheimische Politik gewertet. Oder wie es Vertreter der ungarischen Regierungspartei ausdrücken: Sie würden «nationalen Regierungen das globale Grosskapital und die Welt der politischen Korrektheit aufzwingen». In Mazedonien gingen im März Zehntausende auf die Strasse, um gegen den Einfluss von Soros zu demonstrieren.

Betrachtet man die Anliegen, für die Soros und die von ihm finanzierten Nichtregierungsorganisationen einstehen, ist klar, dass sich vor allem bei Konservativen Widerstand regt. Es sind dies unter anderem Sterbehilfe, Cannabis-Legalisierung, unabhängige Medien und vor allem das Konzept der «offenen Gesellschaft» mit offenen Grenzen.

Ein gefundenes Fressen für Politiker vom rechten Rand stellt natürlich seine Biografie dar. Der ungarisch-stämmige Jude Soros entkam als Knabe dem Holocaust, ist in den USA zu einem der reichsten Männer der Welt geworden und münzt seinen Wohlstand nun in politischen Einfluss um. Die in Osteuropa noch verbreiteten Ressentiments gegen Juden färben die Kritik an Soros mit antisemitischen Motiven und lassen so etwa das alte Klischee «der jüdischen Hochfinanz» wieder aufleben. So wird etwa Soros’ Einsatz für unabhängige Medien als Destabilisierung von Regierungen taxiert (auch wenn es sich dabei um den serbischen Machthaber Slobodan Milosevic in den 1990er Jahren handelt). Und aufgrund seines Einsatzes für eine offene Gesellschaft wird er als Koordinator der Flüchtlingskrise erklärt, mit welcher er Europas Nationalstaaten abschaffen will.

Sasa Rasic

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