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Millionen für die Kinder des ermordeten Journalisten Khashoggi

Mit Luxusvillen und monatlichen Zuwendungen will sich das saudische Regime das Schweigen der Angehörigen des ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi erkaufen.
Martin Gehlen, Tunis
Brutal ermordet: der saudische Journalist Kamal Khashoggi. (Bild: Hasan Jamali/AP, Manama, 15. Dezember 2014)

Brutal ermordet: der saudische Journalist Kamal Khashoggi. (Bild: Hasan Jamali/AP, Manama, 15. Dezember 2014)

Saudi-Arabien will die Kinder des ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi mit hohen Summen finanziell entschädigen. Nach einem Bericht der «Washington Post» erhalten die beiden Töchter und die beiden Söhne jeweils eine Vier-Millionen-Dollar-Villa in der Hafenstadt Jeddah, eine fünfstellige Monatszahlung sowie einen Millionenbetrag, dessen Höhe noch ausgehandelt werden muss. Die übergebenen Luxusgebäude gehören zu einer Wohnanlage, in der der älteste Sohn Salah bereits ein Haus besitzt. Er arbeitet als Banker und ist der einzige der vier Nachkommen Khashoggis, der weiterhin in Saudi-Arabien leben möchte. Die anderen drei Geschwister wohnen in den USA und wollen die ihnen ausgehändigten Häuser verkaufen.

König Salman habe die Zahlungen genehmigt als Eingeständnis, dass «grosses Unrecht geschehen ist», und als Versuch, «etwas Falsches geradezurücken», zitierte das Blatt einen ehemaligen hohen Beamten. Gleichzeitig will der Königspalast erreichen, dass sich die Angehörigen des Ermordeten auf Dauer mit Kommentaren zu der Bluttat zurückhalten und vor allem nicht Kronprinz Mohammed bin Salman als Auftraggeber bezichtigen. Die Details ausgehandelt haben Khashoggis ältester Sohn Salah sowie der jüngere Bruder des umstrittenen Thronfolgers, Khalid bin Salman, der bis vergangenen November saudischer Botschafter in Washington war.

Beschuldigten droht die Todesstrafe

Der ermordete Jamal Khashoggi hatte in seinen Kolumnen für die «Washington Post» immer wieder die erstickende Situation in seiner Heimat kritisiert und Reformen wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit verlangt. Als er am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul die Papiere für die Hochzeit mit seiner Verlobten abholen wollte, wurde er von einem 15-köpfigen Killerkommando in Empfang genommen, das Stunden zuvor in zwei Privatjets aus Riad angereist war. Wie über Wanzen des türkischen Geheimdienstes zu hören war, bekam Khashoggi nach einem Handgemenge eine Spritze verpasst und eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt. Seine Leiche, von der bis heute jede Spur fehlt, wurde von einem Gerichtsmediziner mit einer Knochensäge zerteilt.

Die Haupttäter stammen aus dem engsten Umfeld von Kronprinz Mohammed bin Salman. Nach Einschätzung des amerikanischen Geheimdienstes CIA kam der Mordbefehl «mit mittlerer bis hoher Gewissheit» direkt von dem 33-jährigen Thronfolger. Angesichts der weltweiten Empörung liess die saudische Justiz elf Personen festnehmen, die den Mord angeblich auf eigene Faust und ohne Wissen des allmächtigen Kronprinzen ausgeführt haben sollen. Sie werden in den nächsten Wochen vor Gericht gestellt, mindestens fünf von ihnen droht die Todesstrafe.

Das Entgegenkommen des Königshofes gegenüber der Kha­shoggi-Familie könnte aber auch in Zusammenhang stehen mit einem wachsenden Missfallen des 83-jährigen Monarchen Salman an den skrupellosen Praktiken seines machtbesessenen Sohnes. Nach einem Bericht des «Guardian» ordnete der greise Staatschef jetzt an, Dutzende seit November 2017 verhaftete Bürgerrechtler, Blogger und Journalisten medizinisch untersuchen und in Kliniken verlegen zu lassen, die unter Folter, offenen Wunden und schlechter Ernährung leiden. Letzte Woche kamen überraschend drei der elf vor Gericht stehenden Frauenaktivistinnen vorläufig auf freien Fuss, die Mohammed bin Salman vor neun Monaten festnehmen und foltern liess. Eine der Freigelassenen, die Linguistik-Dozentin Eman Al Nafjan und Mutter von vier Kindern, hatte wegen der erlittenen Tortur versucht, sich in ihrer Zelle das Leben zu nehmen.

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