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MINISTERPRÄSIDENT: Seine Mission ist Bayern

Markus Söder ist am Ziel angekommen: Am Freitag wird der 51-Jährige an die Spitze des Freistaats Bayern gewählt.
Der neue CSU-Spitzenkandidat: Markus Söder. (Bild: Lukas Barth/EPA)

Der neue CSU-Spitzenkandidat: Markus Söder. (Bild: Lukas Barth/EPA)

Als Markus Söder ein Teenager war, da waren Supertramp, Pink Floyd und Michael Jackson an der Spitze der Hitparade. Über dem Bett des jungen Söder hingen aber keine Bravo-Poster der aktuellen Pop-Titanen, sondern ein Bild von Franz-Josef Strauss. Strauss war zehn Jahre lang Ministerpräsident Bayerns, bis heute der Quasi-Übervater der CSU. Söder, der später Rechtswissenschaften studierte und beim bayerischen Rundfunk als Redakteur arbeitete, wusste schon in jungen Jahren, wohin sein Weg dereinst führen soll: an die Spitze des Freistaats Bayern. Heute geht Söders Traum in Erfüllung, der Landtag wird ihn zum Ministerpräsidenten küren und damit zum Nachfolger von Horst Seehofer. Den 68-Jährigen zieht es – nicht ganz freiwillig – nach zehn Jahren an der Landesspitze nach Berlin, wo er sich mit dem Heimat- und Innenressort zum Ende seiner politischen Laufbahn ein Superministerium zusammengezimmert hat.

Mit dem Stabwechsel endet auch ein über Jahre erbittert geführter Machtkampf zwischen Söder und Seehofer. Söder liess keine Zweifel offen, dass er sich für den besseren Ministerpräsidenten halten würde. Seehofer seinerseits machte nie einen Hehl daraus, dass er Söder die Fähigkeit für diesen Posten abspricht und er den heute 51-Jährigen nicht leiden kann. 2012 unterstellte Seehofer seinem Finanzminister Söder charakterliche Defizite, bezeichnete diesen als vom «Ehrgeiz zerfressen». Söder hielt mehr oder weniger still, der Franke spann derweil sein Netzwerk über den gesamten Freistaat, zeigte sich in Bierzelten, trumpfte beim jährlichen Fasching gross auf und erwarb sich Sympathien an der Parteibasis. Kurzum: Söder arbeitete sukzessive daran, Seehofer dereinst abzuservieren. Vergeblich versuchte der Angegriffene, seinen immer mächtiger werdenden Finanzminister für die Zeit nach den Bundestagswahlen für einen Posten in Berlin in Stellung zu bringen. «Meine Mission ist Bayern», wiederholte Söder stets und machte damit deutlich, dass er nicht daran denkt, sich aus dem Weg räumen zu lassen. Nach der Schlappe der CSU bei den Bundestagswahlen im September war Söders Zeit gekommen. Auch wenn Seehofer sein Ende anfänglich nicht wahrhaben wollte. Er kokettierte beharrlich mit einem längeren Verbleib an Partei- und Landesspitze. Söder wurde in Zeitungen bereits mit Prinz Charles verglichen – der ewige Thron­folger.

Doch Seehofers Macht an der Spitze des Landes bröckelte zusehends, man liess den erfahrenen Politiker in Berlin noch die Koalitionsverhandlungen führen, zuerst über ein Regierungsbündnis mit FDP und Grünen, nach dessen Scheitern mit der SPD über eine Koalition. Söder liess Seehofer gewähren, stellte sich in Interviews demonstrativ hinter den Parteichef – im Wissen, dass der Ministerpräsident seinen Platz in der Staatskanzlei wird räumen müssen. Seehofer beklagte später seine Demontage, er vermisse «Dankbarkeit» seiner Partei, liess er frustriert wissen.

Warum Seehofer seinen wohl fähigsten Minister mit derartiger Vehemenz an der Spitze Bayerns verhindern wollte, dafür kann es wohl nur persönliche Gründe geben. Politisch ticken Seehofer und Söder ziemlich ähnlich. Manche vermuten, dass sich die beiden Alphatiere schlicht zu ähnlich sind. Schon ihre imposante Erscheinung spricht für diese Theorie. Der 1,93 Meter grosse Horst Seehofer hat gegen den 1,94-Meter-Hünen Söder nun einen Teil seiner Macht verloren. Mit dem Stabwechsel legt ein erbittert geführter Machtkampf zumindest eine Verschnaufpause ein.

Söder hat eine harte Bewährungsprobe zu bestehen: Im Oktober wählt Bayern den Landtag. Rappelt sich die CSU nicht wieder auf deutlich über 40 Prozent auf, wird es auch für den vierfachen Vater ungemütlich. Dann gibts Schelte – von Parteichef Seehofer persönlich.

Christoph Reichmuth, Berlin

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