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Vatikan: Missbrauchsopfer fordert Nulltoleranz für Täter

Heute beginnt die Kinderschutzkonferenz, mit der die Katholische Kirche die weltweiten Missbrauchsskandale aufarbeiten will. Der Deutsche Matthias Katsch, Missbrauchsopfer und Aktivist, ist trotz fehlender Einladung in die Papststadt gereist.
Gabriela Jordan
Matthias Katsch weilt schon seit Anfang Woche in Rom, um auf seine Anliegen aufmerksam zu machen. (Bild: S. Padovani/Getty (18. Februar 2019))

Matthias Katsch weilt schon seit Anfang Woche in Rom, um auf seine Anliegen aufmerksam zu machen. (Bild: S. Padovani/Getty (18. Februar 2019))

Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass Priester und andere Geistliche rund um den Erdball Kinder misshandelt haben. Und seit Jahrzehnten verspricht die Katholische Kirche, die Missbrauchsskandale aufzuarbeiten. Jetzt hat Papst Franziskus zu einem noch nie da gewesenen Gipfel in den Vatikan eingeladen: Bischöfe aus aller Welt treffen sich von heute bis Sonntag, um über sexuellen Missbrauch in der Kirche zu sprechen. Moderiert wird der Gipfel vom früheren Papstsprecher, Pater Federico Lombardi.

Nichts weniger als die Glaubwürdigkeit der Kirche und des Papstes stehen bei diesem Spitzentreffen auf dem Spiel, die Erwartungen der Öffentlichkeit sind entsprechend hoch. In den Vatikan gereist sind daher auch zahlreiche Journalisten und Aktivisten – darunter derjenige, der vor neun Jahren den gewaltigen Missbrauchsskandal in Deutschland losgetreten hat: Matthias Katsch (56), Missbrauchsopfer und Mitglied der Berliner Betroffenenorganisation Eckiger Tisch. «Wir sind stolz an diesem Tag. Dieser Gipfel verdankt sich dem jahrelangen Engagement von Betroffenen weltweit», schreibt er auf seinem Blog auf der Webseite der Organisation. Allzu hohe Erwartungen an den Gipfel hegt Katsch allerdings nicht: «Allein die Tatsache, dass diese Versammlung überhaupt stattfindet, ist schon eine kleine Sensation. Der Vatikan hat die Erwartungen der Öffentlichkeit bereits heruntergespielt.» Immerhin zeige die ungewöhnlich gute mediale Vorbereitung, wie ernst die Verantwortlichen die Herausforderung der kommenden Tage nehmen würden.

Jahrelang von zwei Priestern misshandelt

Seine Geschichte machte Matthias Katsch im Jahr 2010 publik: Am Berliner Canisius-Kolleg, einem privaten katholischen Gymnasium, wurde er als Jugendlicher von zwei Priestern sexuell misshandelt. Dies zog nach seinen Aussagen Scham und Schuldgefühle nach sich sowie depressive Phasen, die sein ganzes weiteres Leben prägten. Zusammen mit zwei ehemaligen Mitschülern wandte sich Katsch 2010 an den damaligen Leiter Pater Klaus Mertes, der daraufhin die rund 600 ehemaligen Schüler in einem Schreiben kontaktierte. Nachdem dieser Brief in der «Berliner Morgenpost» veröffentlicht wurde, meldeten sich in den folgenden Monaten Hunderte weitere Betroffene an kirchlichen Einrichtungen. In Deutschland brach ein Sturm der Entrüstung los, 2010 markierte für die Katholische Kirche das «annus horribilis». Dies, nachdem zuvor bereits etliche Missbrauchsfälle in den USA und in Irland bekannt geworden waren.

Mit seinen Enthüllungen erlangte Matthias Katsch quasi über Nacht Bekanntheit, die er seitdem für seinen Kampf gegen sexuellen Missbrauch nutzt. Gemeinsam mit anderen Betroffenen gründete er 2010 die Organisation Eckiger Tisch und Anfang 2018 die internationale Vereinigung ECA (Ending Clergy Abuse). In einer vom Fernsehsender ARD dokumentierten Reise begab er sich im vergangenen Herbst zudem in Chile auf die Spuren nach seinen beiden Peinigern. Aufgrund von Verjährung der bekannten Missbrauchsfälle wurden sie nie verurteilt.

Mehrere Mahnwachen und Demonstration

Um seine persönliche Geschichte zu erzählen, sei Katsch nun aber nicht in den Vatikan gereist, schreibt er. Stattdessen fordern er und seine Mitstreiter konkrete Massnahmen: Gegen Täter und Vertuscher soll ab sofort Nulltoleranz gelten, und Opfer sollen auch im Nachhinein Gerechtigkeit erfahren – einschliesslich einer angemessenen finanziellen Entschädigung. Am offiziellen Programm des Gipfels darf Katsch allerdings nicht teilnehmen. Im Vorfeld kritisierte er denn auch, dass nur ausgewählte Opfervertreter eingeladen wurden. Stattdessen nimmt er unter anderem an mehreren Mahnwachen und der Demonstration #MarchToZero am Sonntag teil.

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