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Mit 100000 Haustürgesprächen zum Erfolg

Stefan Brändle, Paris

Wahlkampf Emmanuel Macron ist nicht erst seit seinem Spitzenresultat am Sonntag das Phänomen des französischen Präsidentschaftswahlkampfes. Macrons Team wusste, wie kein anderes: Das beste Mittel, um Wähler zu überzeugen, ist immer noch das gute alte Hausieren – dort lässt sich laut den Statistiken des Politmarketings jeder 14. Wähler überzeugen. Das erfuhr auch Guillaume Liegey, Marketingexperte aus dem ­Elsass, als er in den USA studierte und 2008 die Obama-Kampagne aus der Nähe verfolgte. Zusammen mit zwei Kollegen kam er zum Schluss, dass Obamas Tür-zu-Tür-Wahlkampf gut und recht sei – aber noch ausgefeilt werden könnte.

Zurück in Frankreich, entwickelte das Trio selber einen Algorithmus namens 50+1, genannt nach der Zahl, die einen Wahlsieg garantiert. «Sagen Sie mir, in welcher Strasse Sie wohnen, und ich sage Ihnen, wie Sie wählen», lautete Liegeys Prinzip. Anhand von Alter, Einkommen und eben auch der geografischen Lage lasse sich zumindest annehmen, ob dort die für den Wahlerfolg entscheidenden Wechselwähler wohnen. «Microtargeting» nennt das der dynamische Chef des Strassburger Drei­gespanns, das unter dem Namen Liegey Muller Pons (LMP) zur Firma mutierte.

LMP brachte ihre Feinanalyse-Software erstmals 2010 in einer Pariser Vorstadt zur Anwendung. Die Sozialisten als Auftraggeber waren derart zufrieden, dass François Hollande das Trio für sich buchte. Und er gewann die Präsidentschaftswahl 2012. Dank LMP? «Wir können keinen Wahlsieg garantieren», relativiert Liegey, «aber wir können den Kandidaten helfen, die richtigen Leute anzupeilen.» Er habe Hollande wohl etwa 250 000 Stimmen gesichert, sagt Liegey. Weil seine Teams die richtigen Haushalte anvisieren konnten, «ohne viel Zeit mit ohnehin nicht zu überzeugenden Wählern zu verlieren». Genau so sind im vergangenen Jahr die 5000 freiwilligen Wahlhelfer von Emmanuel Macron vorgegangen. Noch bevor er überhaupt Kandidat war, buchte er seinen alten Bekannten Liegey und schickte seine Teams auf die Haustürtour. Anders als bei Obama oder Hollande leierten die Macron-Unterstützer auf den Vortreppen nicht einfach ihre Wahlslogans herunter. Sie stellten nur Fragen; sie hörten zu, was die Leute zu sagen hatten, wo ihre Alltagsorgen lagen.

Die Reformen so umsetzen, dass die Leute nicht abspringen

Aufgrund von 100 000 Gesprächen und 25 000 Fragebögen aus dieser Haustür-Kampagne konnte Macron sein Programm erstellen. Ganz opportunistisch? Sollte ein Politiker nicht zuerst ein Programm aufstellen und dann die Leute zu überzeugen versuchen? Man habe nicht nach Ideen oder Lösungen fragen lassen, winkt Liegey ab. «Ideen haben alle Kandidaten und Macron noch mehr als andere. Das Problem ist eher, wie Politiker ihre Ideen und Reformen umsetzen, ohne dass die Leute abspringen. Zum Beispiel, welche Steuermassnahmen die Bürger tolerieren würden, welche nicht. Dabei konnten die Befragungen mithelfen.» Das Resultat ist jetzt sichtbar. Macrons Bewegung «En Marche» hat über 240 000 Mitglieder, mehr als alle politischen Parteien Frankreichs.

Dabei nutzte Macron die sozialen Medien nur beschränkt. Er hält diese für zu breit gefächert; lieber steuert er die Wähler in ihrem realen Umfeld an. Deshalb setzt LMP auch nicht auf Methoden, wie sie Donald Trumps britische Datenfirma Cambridge Analytica (CA) anwendete, indem sie etwa auch Facebook-­Likes auswertete. «Solche Profile geben nur beschränkt Aufschluss über die Wählerabsichten», meint Liegey.

Stefan Brändle, Paris

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