Simbabwe
Mit 15 Koffern in der First Class Lounge: die Eskapaden von Diktatoren-Lady «Gucci Grace»

Robert Mugabes zweite Ehefrau Grace sah sich selbst als zukünftige Präsidentin Simbabwes. Für ihre politische Karriere nahm sie alles in Kauf. Ihr Volk

Samuel Schumacher
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Robert Mugabe hat seine Frau Grace als Nachfolgerin aufgebaut. Die First Lady Simbabwes gilt als shopping-wütige Powerfrau. (Archiv)

Robert Mugabe hat seine Frau Grace als Nachfolgerin aufgebaut. Die First Lady Simbabwes gilt als shopping-wütige Powerfrau. (Archiv)

Tsvangirayi Mukwazhi

Grace Mugabe ist weg. Die First Lady Simbabwes hat das Land nach der Machtübernahme der Generäle am Mittwoch in Richtung Namibia verlassen und sich in Sicherheit gebracht. Ihre Flucht ist ein klares Indiz dafür, dass Simbabwe vor dem grössten Umbruch seit der Erklärung seiner Unabhängigkeit 1980 steht.

Für die 52-jährige Gattin von Noch-Machthaber Robert Mugabe kommt dieser Umbruch überraschend. Denn geplant war alles ganz anders: Grace kündete bereits vor drei Jahren an, dass sie 2018 als Präsidentschaftskandidatin ins Rennen steigen werde. Der Segen ihres greisen Gatten war ihr sicher. Gegen mögliche Kontrahenten ging sie gnadenlos vor. 2014 brachte sie ihren Ehemann dazu, die damalige Vizepräsidentin Joice Mujuru zu entlassen. Erst vergangene Woche schaffte sie das gleiche Kunststück auch mit Mujurus Nachfolger Emmerson Mnangagwa. Damit schienen alle ernstzunehmenden Hürden genommen, die ihr auf dem Weg ins Präsidialamt in die Quere hätten kommen können.

Den 14 Millionen Einwohnern des bitterarmen Landes ersparen sie damit weiteres Leid, der Weltgemeinschaft eine Despotin. Denn Grace Mugabe hatte alle Voraussetzungen, um es dereinst selbst in die «Galerie der Tyrannen» zu schaffen.

Jean-Bédel Bokassa, Zentralafrika Erst französischer Elite-Soldat, dann Kaiser. Als 100 Schulkinder gegen neue Schuluniformen protestierten, liess Bokassa (* 1921) sie totprügeln, kurz nach seiner Machtübernahme. Im Keller seines Palastes in der Zentralafrikanischen Republik ging es fürchterlicher zu als in Stalins Folterkammern. Einige Gefangene soll Bokassa buchstäblich aufgefressen haben. Zwar wurde er 1979 vom Thron gejagt, aber er konnte sich auf seine europäischen Freunde verlassen. Drum starb der Schurke 1996 friedlich im Bett und hinterliess 17 Frauen mit ungefähr 50 Kindern.
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Idi Amin, Uganda Der Fettwanst verfütterte Gegner an Krokodile ... nein, nicht als Bösewicht im James-Bond-Film. Er zwang Unglückliche, sich mit dem Vorschlaghammer gegenseitig den Schädel einzuschlagen. Mindestens 300 000 Menschen liess er umbringen. Wurde er je zur Rechenschaft gezogen? Idi Amin (1928–2003), «Big Daddy», wie ihn Freunde nannten, galt in Europa allenfalls als Blödmann und Faxenschneider. Nach seinem Sturz lebte er noch 25 Jahre in der saudischen Hauptstadt, mit ordentlicher Apanage und den neusten Limousinen. Er war ein guter Muslim.
Mswati III. Makhosevite, Swasiland Er ist der letzte noch absolutistisch regierende Herrscher Afrikas und seit 1986 König. Ausgebildet in England, spielt er Schicksal in einem der ärmsten Länder der Welt. Seine segensreiche Weisheit erschöpft sich im Luxus – für sich selbst. Oder mit viel Empathie für seine Frauen. 2005 liess er für sie zehn Paläste bauen. Er kaufte ihnen BMWs, selber fährt er Maybach oder Mercedes. Als Ausgleich lebt die Mehrheit seines Landes mit weniger als einem Dollar pro Tag; Massenproteste wurden niedergeschlagen. Die Lebenserwartung im Land beträgt 51 Jahre.
Charles Taylor, Liberia Der Typ Warlord unter Diktatoren, immerhin ein Schuft, der mal angeklagt wurde als Kriegsverbrecher. Taylor (* 1948) hat fast in industriellem Ausmass gemordet. Allein der Bürgerkrieg in Liberia, wo er den Impresario gespielt hatte, kostete 250 000 Menschen das Leben. Dazu kamen Opfer in Guinea und Sierra Leone. Taylors «Small Units» waren berüchtigt dafür, Gefangenen Gliedmassen abzuhacken. 2003 setzte er sich ab nach grauenvollen Gemetzeln und lebte fortan in einer Villa in Calabar. 2006 wurde er verhaftet, 2012 in den Niederlanden schuldig gesprochen.
Muammar al-Gaddafi, Libyen Zum Zeitpunkt seines Todes waren 80 Prozent der Leute in Libyen noch unter seiner Herrschaft geboren worden. 1969 hatte er die Macht übernommen. Damit erlebte auch die Verfolgung von Juden in Libyen ihren Höhepunkt. Als 1988 bei einem Terroranschlag auf ein amerikanisches Flugzeug 270 Menschen starben, übernahm Libyen «die Verantwortung für die Handlungen seiner Offiziellen». Gaddafi unterhielt gute Beziehungen zu Rechtsradikalen, u.a. zu Jörg Haider. Die genauen Umstände seiner Tötung im Oktober 2011 sind bis heute nicht geklärt.
Alfredo Stroessner, Paraguay Noch ein Ausflug in die politische Halloween-Gilde von Lateinamerika: Der deutschstämmige Stroessner (1912– 2006) in Paraguay kleidete und führte sich auf wie sein Idol Hermann Göring. Bereits als Sechzehnjähriger trat er ein beim Militär und machte Karriere. Mit 36 war er General. 1954 entmachtete er den Präsidenten und war dann selber Präsident, nicht weniger als acht Mal. Er beschützte die 40 000 Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg einwanderten; auf der anderen Seite gingen zwei Millionen Einheimische ins Exil. Wie er schliesslich auch, 1989.
Rafael Trujillo, Dominikanische Republik Ihn nennen wir, weil zu diesem karibischen Caligula-Zwerg ein Roman erschienen ist von Maria Vargas Llosa: «Das Fest des Ziegenbocks». Das Buch zeigt exemplarisch, wie es keinen Diktator geben kann, nirgends auf der Welt, ohne Scharen von Feiglingen, Kriechern, Befehlsempfängern, Speichelleckern in seiner Entourage. Bei Trujillo ging das so weit, dass die Höflinge es sogar duldeten, wenn der Sexsüchtige ihre Frauen und Töchter schändete. Nicht zuletzt darum wurde er aus der Entourage 1961 erschossen. Der Westen hatte ihn geschätzt als Kommunistenfresser.
Eskalation in Simbabwe

Jean-Bédel Bokassa, Zentralafrika Erst französischer Elite-Soldat, dann Kaiser. Als 100 Schulkinder gegen neue Schuluniformen protestierten, liess Bokassa (* 1921) sie totprügeln, kurz nach seiner Machtübernahme. Im Keller seines Palastes in der Zentralafrikanischen Republik ging es fürchterlicher zu als in Stalins Folterkammern. Einige Gefangene soll Bokassa buchstäblich aufgefressen haben. Zwar wurde er 1979 vom Thron gejagt, aber er konnte sich auf seine europäischen Freunde verlassen. Drum starb der Schurke 1996 friedlich im Bett und hinterliess 17 Frauen mit ungefähr 50 Kindern.

HO

Prophetische Doktorarbeit

1996 heiratete die damalige Sekretärin Mugabes ihren Chef. Der Altersunterschied, satte 41 Jahre, gab zu reden. Doch laute Kritik getraute sich zuerst niemand zu äussern.

Lange dauerte es aber nicht, bis sich Grace den Ruf einer luxussüchtigen Machtspielerin einheimste und dafür mit Übernamen wie «Gucci Grace» und «DisGrace» (übersetzt: Schande) versehen wurde. Sie begleitete ihren Mann an internationale Gipfel und gab regelmässig riesige Summen auf Shoppingtouren aus: Beim UN-Ernährungsgipfel in Rom sollen es vor ein paar Jahren 80'000 Dollar gewesen sein. In Singapur wurde sie nach einem Besuch ihres Mannes, der sich dort wegen seines Prostata-Krebses behandeln liess, mit 15 Rollkoffern in der First Class Lounge fotografiert. Und 2012 liess sie im Norden der Hauptstadt Harare mehr als 300 Familien von ihren Ländereien vertreiben, um sich ein Luxusanwesen bauen zu können. Das ist nicht eben vorbildlich, zumal in einem Land, in dem 90 Prozent der Menschen keine feste Arbeit haben und mehr als zwei Drittel unter der Armutsgrenze leben.

Zu reden gab auch die Doktorwürde, die Grace Mugabe 2014 von der University of Zimbabwe erhielt. Rektor der Uni: ihr Mann Robert. Titel ihrer in weniger als drei Monaten abgeschlossenen Doktorarbeit: «Wandel sozialer Strukturen und Funktion der Familie». Im Nachhinein wirkt das fast prophetisch. Die Strukturen Simbabwes wandeln sich tatsächlich. Und die Familie Mugabe verliert ihre Funktion als selbsterhaltende Machtmaschine. Grace Mugabe, so scheint es, hat das akribisch geplante Machtspiel verloren.

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