Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Mit Drohnen gegen die Übermacht: Sechs Fragen und Antworten zum Angriff auf die saudischen Erdölanlagen

Die Huthi-Rebellen aus dem Jemen spielen sich als angriffslustige Militärmacht auf. Doch auch drei Tage nach dem Drohnenangriff auf die saudischen Erdölanlagen bleibt vieles ungewiss.
Michael Wrase aus Limassol und Samuel Schumacher

1. Was ist in Saudi-Arabien genau passiert?

In der Nacht auf Samstag haben Angreifer mit Drohnen Erdöleinrichtungen in den Ortschaften Abkaik und Khurais attackiert. Die Anlagen werden vom staatlichen Erdölunternehmen Saudi Aramco, dem grössten Erdölförderer der Welt, betrieben.

Die Angriffe wurden mit Drohnen ausgeführt und haben Grossbrände ausgelöst. Um was für Drohnen es sich handelte und wo sie gestartet sind, dazu gab es bis Redaktionsschluss widersprüchliche Angaben. Die Regierung in Saudi-Arabien ist in jedem Fall um Schadensbegrenzung bemüht. Man versucht, das wahre Ausmass der Schäden zu verschleiern.

Eine Satellitenaufnahme der Gegend rund um Abkaik zeigt schwarze Rauchwolken. (Bild: EPA)

Eine Satellitenaufnahme der Gegend rund um Abkaik zeigt schwarze Rauchwolken. (Bild: EPA)

Die Reparaturarbeiten werden voraussichtlich mehrere Monate in Anspruch nehmen. Der Vorfall hat die Ölpreise in die Höhe schnellen lassen und international für Aufregung gesorgt. Die Sorge um einen neuen Krieg im Nahen Osten steigt.

2. Wer hat die Angriffe ausgeführt?

Die Huthi-Rebellen, eine schiitische Gruppierung aus dem Jemen, hat sich zu den Anschlägen bekannt. Die Huthis liefern sich im Jemen seit vier Jahren einen blutigen Krieg mit von Saudi-Arabien unterstützten Regierungstruppen. Sie haben weite Teile des Nord-Jemens besetzt. Den Angriff bezeichnen sie angesichts des enormen Leids, das die Saudis dem Jemen zugefügt hätten, als «legitime Antwort». Die Vorstellung aber, dass die eher kleine Huthi-Miliz einen derart gewaltigen Schaden verursacht hat, ist für die hochgerüsteten Amerikaner und Saudis nicht hinnehmbar.

Saudi-Arabien-Experte Steve Ganyard sprach im US-Fernsehsender ABC von einer «asymmetrischen Kriegsführung». Mit wenigen Drohnen hätten die Angreifer Waffenabwehrsysteme umgangen, die Hunderte Milliarden Dollar kosteten. Diese Demütigung wollten die Saudis und ihre Verbündeten, die Amerikaner, nicht einfach so hinnehmen. Reflexartig zeigt man daher auf den Iran, der den Huthis mit der Weitergabe von Blaupausen beim Bau eigener Drohnen geholfen haben dürfte. Schuld an der Gewalteskalation ist auch der Westen, der den Saudis aus wirtschaftlichem Interesse die Waffen für den Krieg im Jemen geliefert hat und dies noch immer tut.

3. Wieso zielte der Angriff ausgerechnet auf Erdölanlagen?

Mit Angriffen auf eine Stadt – und den damit verbundenen zivilen Toten – hätten sich die Huthis auf eine Stufe mit den Saudis gestellt, die im Jemen entsetzliches Leiden unter der Zivilbevölkerung verursacht haben. Mit den Angriffen auf die grösste Ölverarbeitungsanlage der Welt wollte die Schiitenmiliz der saudischen Regierung den grösstmöglichen wirtschaftlichen Schaden zufügen und damit die Saudis zu einem Waffenstillstand zwingen. Gestern haben die Huthis mit weiteren Attacken gedroht.

4. Wer profitiert von dem Angriff? Wer sind die Verlierer?

Wirkliche Gewinner sind in einem Krieg selten. Einer der grossen Verlierer ist Saudi-Arabien, konkret: der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, der die Quittung für den von ihm angezettelten Jemen-Krieg bekommen hat. Neben den wirtschaftlichen Schäden ist auch der Imageschaden für bin Salman gewaltig. Die Drohnenangriffe sind ein schwerer Rückschlag für seine wirtschaftlichen Zukunftspläne: Die «Vision 2030», zu der auch der geplante Börsengang von Saudi Aramco gehört, erhält einen mächtigen Dämpfer.

5. Droht jetzt ein neuer Krieg im Nahen Osten?

Die Gefahr eines neuen Krieges ist zweifellos gewachsen. Allerdings scheint der Preis den politisch Verantwortlichen in den USA wohl noch immer zu hoch zu sein. Mit Kriegen, weiss US-Präsident Donald Trump, gewinnt man keine Wahlen. Abzuwarten bleibt, wie die Saudis reagieren. Sollten sie ohne Abstimmung mit den USA gegen den Iran vorgehen, ist ein neuer Flächenbrand in der Region zu befürchten.

6. Welche anderen Konsequenzen hat der Angriff?

Der Angriff hat gezeigt, dass die «asymmetrische Kriegsführung» gegen Saudi-Arabien erfolgreich sein kann. Die Iraner wenden ähnliche Taktiken an, verfügen aber über bessere Waffen als die jemenitischen Huthi-Rebellen. Saudi-Arabien und die USA müssen sich deshalb fragen, wie sie zukünftige Angriffe verhindern wollen. Mit dem hochgelobten Patriot-Flugabwehrsystem war das offenbar nicht möglich.

Das Versagen der Abwehrsysteme ist auch für den amerikanischen Hersteller Raytheon eine Katastrophe. Es ist aber auch vorstellbar, dass die Saudis mit der Bedienung der hoch komplizierten Kriegswaffen überfordert waren. Das wiederum würde bedeuten, dass sich Riad nicht ohne amerikanische Hilfe verteidigen kann. Klar scheint, dass die USA und der Iran in naher Zukunft keine Gespräche über eine Lockerung der Sanktionen sprechen werden. Nach dem Rücktritt von Trumps Sicherheitsberater John Bolton, einem Hardliner in Iran-Fragen, hofften Beobachter vorübergehend auf eine Wiederaufnahme der Gespräche.

Mehr zum Thema:

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.